Anleger können mit speziellen Finanzprodukten auf den Wahlausgang in den USA wetten
Bush und Kerry als Spekulationsobjekte

Auch für Anleger ist die Frage „Bush oder Kerry“ interessant, schließlich lassen sich anhand der Programme beider Kandidaten Vermutungen darüber anstellen, welche Branchen und Aktien im Falle eines Bush-Siegs und welche Titel bei einem Amtsantritt Kerrys profitieren dürften.

FRANKFURT/M. Der Wahlkampf in den USA geht in die heiße Phase: Morgen Abend liefern sich Präsident George W. Bush und sein Herausforderer John Kerry das erste von drei Fernseh-Rededuellen. Einer aktuellen Umfrage von der „Washington Post“ und ABC News zufolge liegt Bush derzeit mit 51 Prozent knapp vor Kerry – doch noch ist die Wahl am 2. November nicht entschieden.

Neben dem Kauf von ausgewählten Einzelaktien können Spielernaturen beispielsweise mit Optionsscheinen auf den Wahlausgang wetten. Der besondere Reiz dieser Produkte: Bereits mit einem vergleichsweise kleinen Einsatz lässt sich ein großer Gewinn einfahren. Allerdings ist auch der Totalverlust möglich.

Die einfachste Variante: Wer von einer zweiten Amtszeit Bushs überzeugt ist und wegen des als unternehmerfreundlich geltenden Präsidenten dann auch mit steigenden US-Börsen rechnet, kauft einen Kaufoptionsschein (Call) auf einen amerikanischen Aktienindex. Steigen die Aktienkurse bei einer Wiederwahl des Republikaners, geht die Wette auf. Sollte jedoch Kerry an die Macht kommen und daraufhin die Aktien sinken, wären Anleger mit einem Verkaufsoptionsschein (Put) auf einen US-Aktienindex besser gefahren.

Eine differenziertere Spielart bieten Optionsscheine der Bank Vontobel mit einer Laufzeit bis zum 15. September 2005: Hierbei setzen Anleger auf einen Sieg von Kerry oder Bush, indem sie entweder einen Schein auf die Entwicklung von sechs typischen Kerry-Aktien oder aber sechs typischen Bush-Aktien kaufen. Die Idee: Gewinnt Kerry, steigen die Kerry-Aktien. Gewinnt Bush, profitieren die Bush-Aktien.

Da die Militärbudgets unter Bush höher ausfallen dürften als unter Kerry, gelten für Vontobel Rüstungsunternehmen wie Lockheed und Raytheon als so genannte Bush-Aktien. Mit Altria und Reynolds Tobacco sind ferner zwei Tabakunternehmen, mit Exxon ein Ölunternehmen und mit Pfizer ein großes Pharmaunternehmen enthalten.

Als Kerry-Aktie sieht Vontobel den Generika-Hersteller Mylan Laboratories, da der Senator aus Massachussetts verstärkt auf billige Medikamente setzt, um die Kosten im Gesundheitswesen zu senken. Auch die Aktie des Ketchup-Herstellers H.J.Heinz ist Teil des Kerry-Aktienkorbs der Bank. Weiterhin zählen das Bildungsunternehmen Devry, das Umweltunternehmen Engelhard wegen der Affinität Kerrys zum Umweltschutz sowie die beiden Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac zu den Kerry-Titeln. Letztere dürften davon profitieren, unter Kerry weniger stark reguliert zu werden.

„Solch eine Wette ist wie ein Lotto-Spiel oder ein Besuch im Spielkasino“, warnt aber Frank Rüdiger Griep von der Vermögensanlage AltBayern AG. „Der Ausgang dieser Wette ist hier und heute völlig ungewiss, über das Chance-Risiko-Verhältnis kann man gar nichts sagen.“ Griep betont, dass es sich bei den Vontobel-Optionsscheinen um Außenseiter-Produkte handele, die mit einer langfristig ausgerichteten Geld- und Kapitalanlage nichts zu tun hätten. Die Bezugsgröße der Optionsscheine, die für sich ein Anlageprodukt darstellten, richte sich auf ein unökonomisches Wettspiel.

Die Deutsche Bank überlegt noch, mit Blick auf die US-Wahl ein Anlageprodukt anzubieten. Andere Emittenten wie Sal. Oppenheim oder die Citigroup halten sich bedeckt. Aufwand und Ertrag stünden in keinem Verhältnis, die Nachfrage sei gering, heißt es zur Begründung.

Fraglich ist, wie stark die Wahl auf den US-Aktienmarkt ausstrahlen wird. Rolf Drees, Sprecher der Fondsgesellschaft Union Investment, ist da eher skeptisch. Für Union-Fondsmanager spiele die Wahl keine Rolle bei ihrer Aktienauswahl und -gewichtung, sagt er.

Wen eine Wette auf den 43. oder 44. Präsidenten der USA dennoch reizt: Londoner Buchmacher bieten derzeit bei einem Bush-Sieg das 1,5-fache des Wetteinsatzes. Zieht Kerry ins Weiße Haus ein, gibt es sogar das 2,5-fache.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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