Anleihe-Experte im Gespräch
„Der Euro-Zerfall wäre viel dramatischer als Lehman“

Einbrechende Aktienmärkte, Unternehmen, die nicht mehr an Geld kommen, Banken und Versicherer in Existenznot: Das wären laut Garland Hansmann, Fondsmanager bei Investec, die Folgen eines Zusammenbruchs des Euros.
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FrankfurtEs sieht aus, als ginge alles nochmal gut. In den Niederlanden ist der Euro als Währung nicht mehr in Gefahr, nachdem der rechtspopulistische Geert Wilders mit seiner Partei PVV überraschend wenige Stimmen geholt hat. Auch in Frankreich rutscht Marine Le Pen, die Wilders den Euro abschaffen will, in den Umfragen für die Stichwahl der Präsidentschaftswahlen am 7. Mai weiter zurück. Die Märkte haben sich ebenfalls wieder beruhigt, die Risikoprämien von französischen Anleihen sind zuletzt gesunken. Auch Garland Hansmann, Portfoliomanager für Unternehmensanleihen beim Fondshaus Investec Asset Management, setzt darauf, dass Le Pen in Frankreich nicht das Rennen macht. Dennoch haben ihn die vergangenen Monate alarmiert.

„Dass eine Abschaffung des Euros überhaupt erwogen wird, finde ich erschreckend“, sagt der Portfoliomanager. Ein Thema wäre dies zudem ja nicht nur bei den extremen Rechts- und auch Linksparteien in Frankreich, in Italien, den Niederlanden und in Deutschland. „Selbst ich höre mitunter bei Gesprächen mit Investoren die Aussage, dass es in drei Jahren den Euro wohl nicht mehr geben wird.“ Hansmann versteht nicht, „wie man das so locker sagen kann, denn das wäre gesellschaftlich und portfoliotechnisch eine absolute Katastrophe – gerade für Deutschland und für deutsche Anleger“.

Wenn tatsächlich alle Euro-Länder zu ihren nationalen Währungen zurückkehren würden, dann würde wohl eine neue D-Mark gegenüber vielen Währungen aufwerten, und das zum Teil massiv, erklärt der 44-Jährige. „Das allein bedeutet, dass die Portfolios von vielen institutionellen Investoren auf einen Schlag weniger wert wären.“ Manche Banken, Versicherer und Pensionskassen könnte das so hart treffen, dass sie in existenzielle Schwierigkeiten geraten würden und mit Hilfe des Staates gerettet werden müssten, malt Hansmann ein erschreckendes Bild.

Zudem funktioniere der gesamte Kapitalmarkt heute nur so effektiv und effizient, weil es die Währungsunion gebe. „Bei einer Rückkehr zu nationalen Währungen würden die Investoren auch wieder vorwiegend national investieren.“ Die Folge für Unternehmen: „Sie hätten einen schwierigeren Zugang zu frischem Geld.“ Grund dafür sei, dass sich die großen Unternehmen heute viel internationaler refinanzieren und häufig einzelne Anleihen in Milliardenhöhe platzieren. Wenn deutsche Unternehmen sich vorwiegend bei deutschen Investoren Geld leihen müssten, würde dies – wenn überhaupt – nur zu deutlich höheren Zinsen funktionieren, meint Hansmann: „Letztlich käme dies einer Leitzinserhöhung um mehrere Prozentpunkte auf einen Schlag gleich.“

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„Nicht absehbare Wechselwirkungen“

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  • @ Frau Kah
    Die "Währungsreserven" der Bundesbank sind doch nur eine Position des deutschen Auslandsvermögens und zudem ein verhältnismässig kleiner. Relevant ist die gesamte Auslandsposition. Die geht wiederum aus dem Auslandsvermögensstatus der Bundesbank hervor. Der Saldo liegt bei ungefähr 1,60 Billionen.

    https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Statistiken/Aussenwirtschaft/Auslandsvermoegensstatus/b39697.pdf?__blob=publicationFile

    Wenn ich mich nicht irre, hat HW Sinn des öfteren Zweifel bzgl. der Werthaltigkeit der Position angemeldet - die zu einer gehörigen Position aus Target-Krediten besteht....

  • Ha Ha Ha hier glaubt jemand es gibt ein Bündel Dollar-Scheine, wenn ein Ami ein Auto kauft aber die Kohle nicht einlagern muß. Die Welt fährt mit lauter Dollar-Geldkisten durch die Gegend, das war der Beitrag der Woche und dies schon
    am Mittwoch. Ha Ha Ha

  • @ Rainer von Horn

    Sie haben das Thema verfehlt. Es geht nicht um Dollars und ob die gut oder schlecht sind. Es geht darum, dass die Deutsche Bundesbank aus dem angenommenen Autoverkauf in die USA ZUNÄCHST EINMAL Dollars erhält.

    Die erhaltenen Dollars muss die Bundesbank nicht dauerhaft einlagern. Sie kann damit alles kaufen, was überhaupt käuflich ist. Meinetwegen türkische Anleihen oder eine Beteiligung an der norwegischen Staatsbahn. Meinetwegen auch Gold.

    Unsere Frage war ja, ob die Devisenreserven der Bundesbank "werthaltig" sind. Kauft unsere Bundesbank nur wertlosen Ramsch oder legt sie ihre Devisenreserven vernünftig an?

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