Bei der Auswahl des Investments ist meist Expertenwissen gefragt
Kleine Minenwerte eröffnen die Chance auf große Renditen

Ein fallender Dollar treibt den Goldpreis ebenso wie die Bilanz aus Angebot und Nachfrage. Gold entwickelt sich zunehmend zu einer attraktiven Anlageklasse.

Alan Greenspan, Chef der US-Notenbank, hat beim Thema Dollar die Daumen gesenkt. Er deutete an, dass die US-Währung bei der notwendigen Reduzierung des US-Zahlungsbilanzdefizits wahrscheinlich die Hauptlast tragen werde. Mit anderen Worten: Der US-Dollar wird langfristig weiter fallen - relativ zum Euro, zum Schweizer Franken und zu den asiatischen Währungen. Davon profitiert der Goldpreis.

Denn ein fallender Dollar ist gut für den US-Dollar-Goldpreis, ein steigender Dollar führt auf der anderen Seite zu einem fallenden Goldpreis. Die negative Korrelation ist sehr stark und lag in den vergangenen Jahren bei rund 90 Prozent. Euro-Anleger hingegen beklagen, dass sich ihre Anlagen in Gold und Goldaktien auf Grund des Währungsausgleiches kaum bewegen. Dies scheint sich zu ändern. Ein Euro-Anleger, der zu Beginn des Jahres in Gold angelegt hat, erreichte immerhin eine Rendite von etwa 3,5 Prozent. Seit Mai waren es sogar mehr als acht Prozent. Der Goldpreis weist somit auch in Euro einen positiven Trend auf.

Sollten die Zentralbanken intervenieren, um die negativen Folgen der unterliegenden Währungssteigerungen gegen den US-Dollar abzuwehren, entwickelt sich Gold zunehmend zu einer attraktiven Anlageklasse. Angesichts der Größe des US-Defizits könnte dieser Bullenmarkt sogar für viele Jahre anhalten.

Sinnvoller Goldpreis bei 550 Dollar

Auch bei der Bilanz aus Angebot und Nachfrage wirken sich die Kräfte positiv auf den Goldpreis aus. Der Hauptgrund: Vor allem die großen Produzenten kämpfen mit Kostensteigerungen, die vielfach über der allgemeinen Kosteninflation liegen. Darüber hinaus müssen die Unternehmen die abgebauten Reserven in jedem Jahr wieder ersetzen, um den Unternehmenswert zu erhalten. Da es aber immer schwieriger wird, neue Goldvorkommen zu finden und zu erschließen, führt dies zunehmend zu steigenden Explorations- und Kapitalkosten. Folglich wird es immer schwieriger, interessante Lagerstätten zu entdecken.

Bei den momentanen Wechselkursen liegt der durchschnittliche Break-Even-Goldpreis bei rund 450 US-Dollar pro Unze. Berücksichtigt man aber alle Faktoren, dann ergibt sich ein wirtschaftlich sinnvoller Goldpreis von rund 550 US-Dollar pro Unze. Deshalb dürfte die Goldproduktion weiter fallen, sollte der Goldpreis nicht beträchtlich über das jetzige Niveau steigen.

Wichtige Punkte auf der Nachfrageseite sind der steigende Schmuckbedarf in Asien - vor allem in China -, die steigende Investmentnachfrage und der Bedarf vieler Minenbetreiber, ihre Produktion zu "de-hedgen" - also den Hebel zu einem steigenden Goldpreis zu erhöhen.

Goldminenwerte bieten Chancen - unter Einschränkungen

Für den Anleger, der seine Rendite mit einem steigenden Goldpreis maximieren möchte, stellen Goldminenwerte eine attraktive Anlageform dar. Minenwerte haben von allen Anlageklassen den höchsten Hebel zum Goldpreis. Doch das Anlagepotenzial zwischen den einzelnen Werten ist sehr unterschiedlich. Vor allem die großen nordamerikanischen, südafrikanischen und australischen Minenwerte sind zwar sehr gut analysiert, aber oft überbewertet und haben meist wenig Aufwärtspotenzial. Bei diesen Firmen ist der Hebel zum Goldpreis oft unterdurchschnittlich. Zusätzlich haben viele dieser Firmen Hedgebücher - das heißt, sie haben ihre Produktion in Terminverträgen vorverkauft. Dies reduziert den Hebel zum Goldpreis zusätzlich. Deshalb stellen kleine und mittelgroße Werte, die von den großen Researchhäusern meist wenig beachtet werden, die attraktivsten Anlagen dar.

Allerdings sollten Anleger bei der Auswahl die Spreu vom Weizen trennen. Nur wenige dieser Firmen haben wirklich interessante Wachstums- und Explorationsprojekte, die eine überdurchschnittliche Rendite gewährleisten. Um das Wachstumspotenzial erkennen zu können, muss man sowohl die jeweiligen Lagerstätten als auch das Unternehmen selbst analysieren. Die Firmen sollten möglichst vor Ort untersucht, Explorations- und Produktionsresultate analysiert und das Lagerstättenpotential evaluiert werden. In den meisten Fällen dürften die Anleger deshalb auf Expertenanalyse angewiesen sein.

Joachim Berlenbach ist Wirtschafts- und Strukturgeologe und arbeitet als Direktor und Head of Research bei Craton Capital.

Quelle: Handelsblatt Nr. 236 vom 03.12.04 Seite b04

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