Bei Inflation
Aktien, Gold und Immobilien auf der Gewinnerseite

Die aktuelle Niedrigzinspolitik vieler Staaten wird in absehbarer Zeit zu einer Geldentwertung führen. Anleger sollten das im Hinterkopf behalten. Denn eine Inflation macht Anleihen weniger attraktiv. Inhaber von Aktien können aber profitieren.
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DÜSSELDORF. Dass längerfristig ein Inflationstrend bevorsteht, ist nicht eine Frage des „ob“, sondern lediglich des „wann“. Die Kombination aus einer Normalisierung im makroökonomischen Zyklus, der Gesundung diverser Teilsegmente des Wirtschaftslebens sowie der Verbesserung der Lage in der Bankenlandschaft sollte die Deflationstendenzen abschwächen. Dies sollte zu einem erkennbaren und nachhaltigen Inflationsniveau führen.

Der Inflationstrend wird verstärkt durch die nachhaltige Tiefzinspolitik der Notenbanken in den entwickelten Volkswirtschaften, allen voran den USA. Die Auswirkungen dürften sich spätestens ab 2012 sichtbar in den jeweiligen Inflationsdaten zeigen. Wir erwarten sukzessive ansteigende Inflationsraten über die nächsten Jahre.

Im Vergleich zu einer Deflation ist eine Inflation das mit Abstand bessere Szenario, auch aus investmentstrategischer Sicht. Volkswirtschaftlich betrachtet geht eine deflationäre Entwicklung meistens mit einer nachhaltigen Schrumpfung der Wirtschaftsleistung einher. Davon profitieren im Regelfall lediglich hochwertige Staatsanleihen.

Anleihen sind bei steigenden Inflationsraten wenig attraktiv

Umgekehrt verhält es sich in Inflationszeiten: Durch steigende Inflationsraten entstehen negative reale Renditen; selbst wenn die nominalen Anleiherenditen durch dauerhafte Notenbankeingriffe gedeckelt bleiben, sind diese Anlagesegmente wenig attraktiv.

Reale Anlageklassen wie Aktien, Rohstoffe, Gold, Immobilien, Wald oder Infrastruktur hingegen stehen bei einer Inflation auf der Gewinnerseite. Trotz steigender Inflationsraten nimmt ihre Attraktivität zu, da ihre Wertentwicklung den Inflationsabschlag real mehr als egalisiert. Wir sind daher überzeugt, dass reale Anlageklassen über die nächsten Jahre trotz aller zu erwartenden Schwankungen eine deutlich bessere Wertentwicklung aufweisen sollten als nominale Anlageklassen wie Staatsanleihen und Liquidität.

Es sollte zu einer Renaissance der portfoliotheoretischen Grundsätze kommen, denn es ist wieder mit einer entsprechenden Risikoprämie für risikoreichere Anlagen zu rechnen. Diese Formel hatte im letzten Jahrzehnt infolge zweier Krisen am internationalen Kapitalmarkt temporär ihre Gültigkeit verloren.

Zwar sind in einige Segmente schon hohe Kapitalströme geflossen – etwa bei Schwellenländeraktien, -bonds oder Gold. Wir glauben jedoch, dass es investmentstrategisch sinnvoll sein kann, entsprechenden Trends zu folgen. Denn meist dauert es mehrere Jahre, bis sich aus hohen Kapitalströmen („Crowded Trade“) eine Blase entwickelt und platzt.

Wir empfehlen, den Schwerpunkt eines Portfolios auf reale Anlageklassen zu legen und die Gewichtung nominaler Anlagen deutlich zu reduzieren. Eine gesunde Investitionsstruktur stellt dabei eine Kombination dividendenstarker Aktien (etwa CS European Equity Dividend Plus B) mit einem breit gestreuten Rohstoffinvestment (etwa ishares Dow Jones UBS Commodities), einem speziellen Goldinvestment (etwa ETFS Physical Gold), einem liquiden Immobilienanteil sowie einem langfristig ausgerichteten Themenfonds (etwa CS Solutions (Lux) Megatrends B) dar. Der langfristig orientierte Investor kann sich zudem noch illiquider Anlageklassen wie Private Equity, Infrastruktur oder Waldinvestments bedienen.

Stefan Keitel ist Global Chief Investment Officer bei Credit Suisse. Die Anlageempfehlung spiegelt die Einschätzung des Autors wider. Sie ist keine Empfehlung der Redaktion.

Kommentare zu " Bei Inflation: Aktien, Gold und Immobilien auf der Gewinnerseite"

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  • Gold ist (noch) verdammt billig. Silber ist noch billiger

  • Ausser Gold und Silber eignet sich fast nichts als Wertspeicher, denn nur Gold und Silber erfüllen die MiNDESTeigenschaften von Geld: fungibel, liquide, chemisch dauerhaft beständig (im Gegensatz zu Nahrungsmitteln), ohne Verlust teilbar für Wechselgeld (im Gegensatz zu Edelsteinen),
    selten und nicht beliebig vermehrbar zur inflationseindämmung (im Gegensatz zu z.b. Papiergeld), leicht transportierbar (im Gegensatz zu immobilien), etc.
    Unabhängig von der Zahlungsfähigkeit irgendeiner institution oder irgendeines Staates.
    Diese Eigenschaften erfüllen im Wesentlichen nur Gold und Silber. Genau das ist der Grund, warum diese beiden Metalle seit Jahrtausenden als einzige stabile Währung gedient haben. Die Gold- und vor allem die Silberreserven sind in wenigen Jahren bereits aufgebraucht, dann geht der Preis ohnehin durch die Decke.
    Es gibt inzwischen immer mehr, die schon seit Jahren auf eine Korrektur warten. bei 400 Euro/Unze wartete man bis nochmal die 350 kommen, bei 560 dachte man, daß 500 ein guter Einstieg wären, bei 800 war es schon viel zu teuer und jetzt haben wir um die 1.000 Euro und da ist es die blasenbildung und das bald kommende Goldverbot, weshalb man immer noch nicht dabei ist!
    Es sind die immer ähnlichen/gleichen "begründungen" für jene, die den rechtzeitigen Einstieg einfach verschlafen haben.
    Wenn jeder Deutsche nur fünf Prozent seines Vermögens in Gold steckt, würde das eine gesamte Welt-Jahresproduktion absorbieren. Dann sind gänzlich neue Preisdimensionen denkbar.
    Und noch etwas zum Nachdenken. Gibt es auch nur einen Staat, der einen Tilgungsplan für die aufgetürmten Schulden hat?
    Wenn der Staat Pleite geht, ist natürlich nicht der Staat Pleite, sondern seine bürger.

  • „Reale Anlageklassen wie Aktien, Rohstoffe, Gold, immobilien, Wald oder infrastruktur hingegen stehen bei einer inflation auf der Gewinnerseite“.
    „ ... einem liquiden immobilienanteil... ??“

    Gerade in Krisenzeiten werden die Nachteile einer Anlage in immobilien sichtbar. Aktuelles beispiel – die weltweiten immobilienfonds, die gerade deshalb eingerichtet wurden, um Krisenzeiten besser zu überstehen, kollabieren schon massenweise. innerhalb von nur 2 Jahren haben sich die immobilienwerte mehr als halbiert.

    Die Alternative: vermietete Eigentumswohnungen. beim Mittelstand sehr beliebt. ich selbst habe jahrelang mein Geld als bauträger und Verkäufer damit verdient. Doch die Zeiten ändern sich.

    Schutz vor inflation? Theoretisch ja – praktisch nein! Gerade in Krisenzeiten mit einer hohen Arbeitslosigkeit bohren die Zähnärzte nur noch für die Zinsen ihrer vermieteten Eigentumswohnungen, wo die Mieter schon lange keine Miete mehr bezahlen. Der Eigentümer darf sogar noch über Jahre hinweg die laufenden Kosten seiner Mieter finanzieren, wie Heizung, Wasser, Gemeinschaftsstrom, Hausmeister Abwasser, Müllgebühren. Diese Kosten werden vom Konto des Eigentümers abgebucht, nicht vom Konto des Mieters!!
    bereits vor Jahren gab es eine Statistik über Mietrückstände in der DDR. Da waren es schon über eine Milliarde!!
    Der Wert einer vermieteten immobilie hängt im Wesentlichen an den Mieteinnahmen. Nix Mieteinnahmen – nix Wert – sondern eine zusätzliche finanzielle und psychische belastung. Das freut höchstens den Herzdoktor und die Pillenhersteller.

    Oder, das selbstgenutzte Eigenheim/Eigentumswohnung. Auf Grund der demografischen Entwicklung haben wir in ein paar Jahren ein massives Überangebot auf dem Markt. Und eine immer kleiner werdende Käuferschicht wird zum massiven Preisverfall beitragen.
    Also wenn schon selbstgenutzte immobilien erwerben, dann ruhig abwarten. Jedes Jahr wird die Chance größer, sein Traumobjekt aus einer Fülle von Angeboten zu einem immer niederen Preis aussuchen zu können. Also nichts überstürzen.

    Und die, die dann verkaufen wollen/müssen, na ja, bei einem Preisverfall von 50% und mehr, dann haben auch wir in D Verhältnisse wie in den USA, irland, Spanien, Dubai usw. Die Liste wird ja schon im Tagesrhythmus immer länger.

    Jetzt sein Vermögen sicher und günstig in Edelmetalle umschichten und in der Krise in immobilien umwandeln, nicht umgekehrt. Da kann man sich dann auch von den Sägespänen seiner Goldbarren Millionen von Aktien kaufen, die irgendwann auch mal wieder steigen werden, keine Frage. Aber nicht heute schon in Aktien investieren, der ganz große Knall den haben wir noch vor uns. So sicher wie das Amen in der Kirche.

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