Berkshire Hathaway
Buffetts Absage an „finanzielle Vernichtungswaffen“

Schon 2003 hatte Warren Buffett Derivate als „finanzielle Waffenvernichtungswaffen“ bezeichnet. Doch dann deckte er sich selbst damit ein. Erst jetzt trennte er sich von den letzten Absicherungsinstrumenten für Anleihen.

New YorkEs steht in einer US-amerikanischen Pflichtmitteilung: Warren Buffett hat einen weiteren Schritt unternommen, um den Berg an Derivaten seiner Investmentholding Berkshire Hathaway abzubauen.
Das Unternehmen aus Omaha in Nebraska zahlte im Juli 195 Millionen Dollar, um den letzten Kontrakt abzuwickeln, bei dem Berkshire eine Absicherungen gegen Anleiheverluste anbot. Wer die Gegenpartei war, ist den Dokumenten nicht zu entnehmen. Es handelte sich dabei um eine Kreditausfallversicherung über maximal 7,8 Milliarden Dollar.
Im Jahr 2003 hatte Buffett Derivate zwar als „finanzielle Massenvernichtungswaffen“ bezeichnet. Dennoch ging er in den Folgejahren eine Reihe solcher Kontrakte ein. Er fand die Instrumente eine Weile lang nach eigenen Aussagen deswegen attraktiv, weil sie ihm Liquidität für andere Investments verschafften. Kreditausfallversicherungen (englisch: Credit Default Swap) versichern gegen den Ausfall einer Anleihe oder eines Kredits.

Sie sind handelbar und lassen sich als Spekulationsobjekt nutzen. Je höher die Ausfallwahrscheinlichkeit desto höher ist die Prämie. Solche Credit Default Swaps hatte vor der Finanzkrise vor allem der Versicherungsriese AIG verkauft. Sie hatten AIG im Zug der Finanzkrise beinahe in die Pleite getrieben. Der Konzern musste mit Staatshilfe gerettet werden.

Die von Berkshire angebotenen Derivate waren allerdings nicht so risikoreich wie die CDS der Finanzkrise, weil Buffett dafür weniger Sicherheiten vorhalten musste.

Dennoch haben die Berkshire-Derivate dem Unternehmen Probleme verursacht. Im Jahr 2008 forderte die Börsenaufsicht U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) die Holding dazu auf, genauer offenzulegen, wie sie Kontrakte bewertet – was das das Unternehmen letztlich auch tat. Moody’s Investors Service und Fitch Ratings beriefen sich gleichzeitig auf die Derivate-Positionen, als sie Berkshire die Top-Bonitätsnote aberkannten. Veränderungen beim Wert der Kontrakte spiegelten sich in der Bilanz von Berkshire wider und sorgten manchmal bei den Quartalsgewinnen für wilde Schwünge. Berkshires letztes Kreditderivat verfügte über eine potenziell derart lange Lebenszeit, das es womöglich noch unter dem nächsten Vorstandschef weitergelaufen wäre.

„Das war ein spannendes Kapitel für Berkshire und dessen Aktionäre“, sagt David Rolfe, Investmentchef beim Berkshire-Investor Wedgewood Partners in St. Louis. „Und es sieht so aus, als komme dieses Kapitel zu einem Ende.“ Der Kontrakt aus der Juli-Vereinbarung war 2008 aufgesetzt worden und bezog sich auf Kommunalanleihen mit Fälligkeiten zwischen 2019 und 2054, wie aus Pflichtmitteilungen hervorgeht. Buffett gab gegenüber Bloomberg keine Stellungnahme ab.

Schon seit langem ist der 85-jährige Milliardär dabei, Derivate abzuwickeln oder sie auslaufen zu lassen. Im Jahr 2012 schaffte er es, sich von Kontrakten im Zusammenhang mit Kommunalanleihen zu trennen. Andere, an Unternehmensanleihen gebundene Kontrakte, liefen im darauffolgenden Jahr aus.

Sorgen rund um Derivate-Bestände beeinträchtigen Unternehmen und Banken gerade in Krisenzeiten, also gerade in jenen Zeiten, in denen Berkshire typischerweise seine finanzielle Stärke nutzte, um Chancen am Markt wahrzunehmen und viel Geld zu verdienen. „Gerade in einem Abschwung wie 2008 zeigte die ansonsten felsenstarke Bilanz von Buffett Schwächen“, erklärt Vermögensverwalter Richard Cook aus London. „Ich würde es bevorzugen, wenn Berkshire so viel Flexibilität wie möglich hat, wenn die Ebbe einsetzt.“

Noch immer ist Berkshire nicht alle Derivate los. Es gibt einen Bestand, der die Entwicklung von Aktien-Indizes absichert. Hier sind die potenziellen Verpflichtungen angesichts der Rally an den Märkten in den vergangenen Jahren jedoch gesunken.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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