Börsenrally
Warum der Dax immer noch billig ist

Der Dax hat die Marke von 7000 Punkten geknackt und legt weiter zu. Die plötzliche Börsenrally entspringt nicht etwa einer grenzenlosen Euphorie. Die Gründe sind ganz real - und viele Aktien immer noch günstig.
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DüsseldorfWer sich zum Jahreswechsel getraut hat, in die stark angeschlagene und vom Staat aufgefangene Commerzbank zu investieren, hat an der Börse fast 50 Prozent gewonnen. Und auch vorsichtigere Anleger, die Aktien der vor Kraft strotzenden Industriekonzerne Daimler und BMW kauften, erzielten in siebeneinhalb Wochen knapp 40 Prozent Wertzuwachs.

Diese drei Gewinner-Aktien zeigen: Die Anleger haken die Finanz- und Schuldenkrise ab und lassen auch die Konjunktursorgen hinter sich. Sie spekulieren auf die Genesung der Banken und vor allem auf eine gute Wirtschaftsentwicklung. Unter dem Strich hat der Dax seit Jahresbeginn rund 20 Prozent gewonnen - erstmals seit vergangenem Sommer notiert er wieder über 7000 Zählern.

Am meisten profitieren die vielen konjunkturempfindlichen Aktien im Deutschen Aktienindex – allen voran die der Autohersteller. Ihre Papiere hatten in den düsteren August-Wochen 2011, als der Dax mehr als 2 000 Punkte verlor und viele Investoren auf eine globale Rezession spekulierten, am meisten verloren. Danach drehte sich die Stimmung. Die Wette auf eine gute Zukunft brachte Gewinneraktien wie Infineon, Volkswagen und MAN Zuwächse von deutlich mehr als 20 Prozent.

Der plötzliche Optimismus entspringt nicht etwa einer grenzenlosen Euphorie wie noch zu Zeiten der Technologieblase zur Jahrtausendwende. Diesmal ist der Hintergrund ganz real: Die Unternehmen verdienen prächtig – und ihre Anteilsscheine sind an der Börse trotz gestiegener Kurse immer noch niedrig bewertet.

Zwar endet die Serie zweistelliger Gewinnzuwächse, die die Dax-Konzerne acht Quartale in Folge verbuchen konnten. Doch mit dieser leichten Abschwächung hatten Anleger angesichts der hohen Ausgangsposition bereits vor Beginn der Quartalssaison gerechnet.

Viel wichtiger ist: Die Sorge aus dem vergangenen Jahr, dass dem Konjunkturboom und den hohen Unternehmensgewinnen nun der Absturz folgt, ist der Hoffnung gewichen, dass sich die Erfolgsgeschichte in diesem Jahr fortsetzt. Zwar „nur“ mit stagnierenden Gewinnen auf dem Niveau der knapp 75 Milliarden Euro, die die 30 Dax-Konzerne 2011 netto verdienten. Doch das wäre – wie schon im vergangenen Jahr – das zweitbeste Ergebnis in der deutschen Firmengeschichte.

Kommentare zu " Börsenrally: Warum der Dax immer noch billig ist"

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  • @ Kommissar: Sie haben ja vollkommen recht, nicht nur retrospektiv, auch damals schon. Auch als der Dax schon bei 6.000 stand und erst recht bei den kleineren Korrekturen seit Dezember boten sich immer wieder günstige Einstiegsgelegenheiten, und ganz sicher war der von Ihnen erwähnte Zeitpunkt außerordentlich günstig.

    Herr Sommer aber möchte ahnungslose Kleinanleger offenbar in das offene Messer laufen lassen, bei relativ hohen Einstandswerten wie den jetzigen in Aktien des Dax zu investieren - und erwähnt mit keinem Wort die Risiken im Markt.

    Zu den Linkslastigen (Links-Intellektuell wäre wohl eine Schmeichelei) zähle ich übrigens Herrn Sommer - der ist nämlich von der Richtigkeit der Geldschwemme offenbar so überzeugt, dass er mit keinem Wort erwähnt, dass der eigentliche Treiber der Aktienkurse - und auch des Ölpreises, der demnächst die Aktienkurse wieder nach unten einbrechen lassen wird - die enorme Liquidität ist.
    Und es ist ja bekannt, dass Inflationspolitik meistens von Linken gefahren wird, denn Inflation ist die brutalstmögliche Form der Umverteilung - und weil Linke von Wirtschaft und noch weniger von Geldpolitik etwas verstehen, übersehen sie meistens, dass am Ende alle ärmer sind, nicht nur die ehemals Kapitalbesitzenden.

  • Schöner Kontraindikator - Wenns die Bild noch bringt gehe ich short "all in" --> Dax 4000

  • @ kommissar

    ...dann noch weiterhin viel Spaß beim Reichrechnen.

    http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=autoren&index=21&posnr=83&backtext1=text1.php

    http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/WiderspruchStoffFormPreprint.pdf

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