Börsenweisheit
Dieses Mal ist (nicht) alles anders!

Schuldenkrise und kein Ende – an den Börsen herrscht Ausnahmezustand. Alte Regeln scheinen nicht mehr zu gelten. Oder doch? Was Anleger von einem verstorbenen Fondsmanager, der noch dazu ein Sir war, lernen können.
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DüsseldorfEmotionen regieren die Börse. Angst oder gar Panik, Gier und Euphorie können für kräftige Kursausschläge sorgen – nach unten und nach oben. Manche Investoren machen sich dieses emotionale Auf und Ab zu Nutze und handeln genau gegen die herrschende Meinung. Sie wittern beispielsweise gerade in Krisen Gelegenheiten für günstige Käufe. Einer der berühmtesten Vertreter dieser Strategie ist Warren Buffet. „Ich versuche, ängstlich zu sein, wenn andere gierig sind, und gierig zu sein, wenn andere ängstlich sind“, sagte das Orakel aus Ohama einst. Buffett zählt zu den erfolgreichsten Investoren der Welt.

Der Gedanke hinter seiner Strategie ist wohl, dass die Märkte zur Rückkehr auf Mittelwerte neigen. Übrigens eine der „Zehn Regeln zur ständigen Beobachtung“, die Robert Farrell, der bei Merrill Lynch für die technischen Marktanalyse zuständig war, vor Jahren aufstellte. Eine weitere Regel aus seiner Feder lautet: Es gibt keine „neuen Zeitalter“, Exzesse sind nie von Dauer.  Ob Internetboom oder Solar-Hype – auf dem Höhepunkt einer Rally oder einer Spekulationsblase greift schnell die Vorstellung um sich, nun habe eine „neue Ära“ begonnen. Die Börse scheint in der Wahrnehmung viele Anleger zur Einbahnstraße zu werden. Doch so ist es eben nicht.

Schon der legendäre amerikanische Fondsmanager Sir John Templeton warnte einst: „Die fünf gefährlichsten Wörter der Kapitalanlage lauten: Dieses Mal ist alles anders.“ Und diese Börsenweisheit des Gründers der gleichnamigen Fondsgesellschaft gilt auch in Zeiten der europäischen Schuldenkrise noch. „Sowohl die Baisse- als auch die Hausse-Märkte sind zeitlich beschränkt“, sagt Simon Klein, Chef des ETF-Anbieters Lyxor. „Außergewöhnliche Zeiten an den Finanzmärkten sind tatsächlich nur vorübergehend.“ Börsianer könnten sehr wohl davon ausgehen, dass Märkte sich immer wieder normalisieren und in der Rückschau ähnliche Muster zu erkennen seien. 

Allerdings dreht sich die Börsenwelt heute sehr viel schneller als zu Zeiten Sir John Templetons. „Märkte kehren zumindest kurzfristig zu alten und vertrauten Bewertungsmustern zurück“, so Klein. „Allerdings werden die Abstände zwischen den Phasen immer kürzer.“ Das mache es schwierig, das richtige Timing abzupassen. 

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