Church of England
Himmlische Rendite

Der Fonds der Church of England entwickelt sich besser als vergleichbare Investmentfonds. Im vergangenen Jahr hat er ein Plus von erstaunlichen 17 Prozent erzielt – mit einer ganz speziellen Anlagestruktur.
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Geht es um den schnöden Mammon, ist die anglikanische Kirche in den vergangenen Jahren mit einigen ihrer Vorsätze zumindest zeitweise gescheitert. So haben die Fondsmanager, die das Kirchenvermögen verwalten, unter anderem Geld in einen Kurzzeitkreditverleiher gesteckt – in ein „sündhaftes“ Unternehmen, wie Justin Welby, Erzbischof von Canterbury und Oberhaupt der anglikanischen Kirchen, vor vier Jahren wetterte. Als bekannt wurde, dass der Fonds der Kirche daran beteiligt ist, musste Welby sich wortreich entschuldigen und den Rückzug aus dem anrüchigen Gewerbe versprechen.

Diese Schlagzeilen gehören der Vergangenheit an. Jetzt gelingt es der Kirche offenbar deutlich besser, Rendite und Moral miteinander zu vereinbaren. Und mehr noch: Der 7,9 Milliarden Pfund schwere Investmentfonds (umgerechnet 9,2 Milliarden Euro) der Church of England hat zuletzt die höchste Rendite seit mehr als drei Jahrzehnten erzielt und sich damit deutlich besser entwickelt als vergleichbare Anlagen. Das Plus lag im vergangenen Jahr bei 17,1 Prozent, wie aus dem am Sonntag vorgelegten Jahresbericht der Kommission hervorgeht, die sich um das Kirchenvermögen kümmert.

Über die vergangenen zehn Jahre betrachtet lag die Rendite im Durchschnitt bei 8,3 Prozent, über zwanzig Jahre betrachtet bei 9,5 Prozent. Das Plus für die Talar-Träger lag damit stets über dem Ziel von fünf Prozent über der Inflationsrate. Die Fondsverwalter der Kirche haben aber nicht nur ihr Ziel übertroffen, sondern konnten kontinuierlich mit den besten Stiftungsfonds mithalten. In dieser Liga spielt etwa der Fonds der US-Eliteuniversität Yale mit, der in einem Zehn-Jahres-Zeitraum im Schnitt 8,1 Prozent Rendite pro Jahr einfuhr.

Im vergangenen Jahr hat das Kirchenvermögen unter anderem von den Folgen des Brexit-Referendums profitiert, das die britische Währung gegenüber Euro und Dollar einbrachen ließ, die Aktien internationaler Konzerne mit Sitz auf der Insel aber deutlich beflügelte. Die Fondsmanager richten sich bei ihren Anlageentscheidungen nach Empfehlungen einer Ethik-Kommission.

Investitionen in Waffenlieferanten und Hersteller von Zigaretten oder alkoholischen Getränken sind daher Tabu. Fast ein Viertel des Kirchengeldes steckt in Grundstücken, Immobilien und landwirtschaftlichem Besitz, knapp 20 Prozent in internationalen Aktien. Hinzu kommen Anleihen.

Die Church of England lehnt es aber offenbar ab, sich dem Trend zu börsengehandelten Fonds, den so genannten ETFs, anzuschließen. Diese bilden einen Aktienindex nach und sind günstiger als aktiv gemanagte Fonds, bei denen Manager einzelne Wertpapiere auswählen. „Der Erfolg aktiv gemanagter Anlageprodukte ist zyklisch“, sagt Tom Joy, Investmentchef bei der Church of England, der „Financial Times“, „die besten Manager gehen manchmal durch schwierige Phasen und manchmal ist es besser, ihnen die Treue zu halten.“

In Großbritannien gibt es keine Kirchensteuer. Es ist daher wichtig für die Kirche, ihren Kapitalstock auszuweiten, um die Renten der Beschäftigten zu zahlen und Gemeinden zu unterstützen.

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