Citigroup-Analyse
Klimaschutz bietet Gewinnchancen

Der Klimawandel ist eine weltweite Bedrohung – für Anleger aber auch eine Chance. Anbieter erneuerbarer Energien, Versorger und selbst Traktorenhersteller könnten profitieren. Analysten der Citigroup setzen auch deutsche Aktien auf die Empfehlungsliste.

LONDON. Das Thema Erderwärmung wird in den kommenden Jahren und Jahrzehnten gewaltige Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und damit auch auf die Finanzmärkte haben. Nach konservativen Schätzungen wird die Erwärmung der Erde bis zu dreiProzent der jährlichen globalen Wirtschaftsleistung kosten, wenn die Temperatur um zwei bis drei Grad Celsius zulegt.

Das Risikoprofil ganzer Branchen wird sich durch die Erderwärmung genau so ändern wie die Verhaltensmuster der Verbraucher. Investoren können von den erwarteten gewaltigen Verschiebungen profitieren. Längst ist das Thema Klimawandel auch in den Research-Abteilungen der internationalen Finanzhäuser angekommen. Akribisch bereiten Analysten die von Wissenschaftlern entwickelten Umweltszenarien auf, um daraus Implikationen des Klimawandels für die Investmentstrategie ihrer Kundschaft abzuleiten.

Eine der detailiertesten Studien zum Thema stammt von der amerikanischen Großbank Citigroup. Die Analysten haben weltweit und systematisch untersucht, welche Aktien zu den Gewinnern des Klimawandels zählen, mit teilweise überraschenden Ergebnissen. Am Ende hat das Geldhaus 74 Gesellschaften aus 21 Branchen und 18 Ländern als Klimaschutz-Gewinner definiert. Auf der Liste die Ed Kerschner, Chefstratege der Vermögensverwaltung des Bankenriesen, und die beteiligten 40 Analysten zusammengestellt haben, befinden sich bei weitem nicht nur ökologisch korrekte Aktien. „Klimagerecht heißt nicht gleich grün“, macht Kerschner klar.

So rät der Stratege den Anlegern nicht nur zum deutschen Sonnenenergiewert Solarworld oder zum dänischen Windkraftanbieter Vestas sondern hat auch Constellation Energy im Portfolio. Das Unternehmen betreibt drei Kernkraftwerke in den Vereinigten Staaten. „Kernkraft ist zwar teuer und ökologisch umstritten, aber sie liefert Energie ohne Kohlendioxid-Emissionen“, erläutert Kerschner sein Kalkül.

Neben Solarworld finden sich in der Empfehlungsliste der Citigroup fünf weitere deutsche Aktien. Neben den Solarwerten Q-Cells und Conergy und der Biotreibstoff-Aktie Crop-Energies sind die beiden Schwergewichte Siemens und RWE enthalten.

Für Siemens spreche vor allem das Engagement beim Bau von Kernkraftwerken und die geplanten Investitionen in die klimafreundliche Technologie zur Vergasung von Kohle. RWE sei zwar für zehn Prozent des deutschen Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich, monieren die Citigroup Analysten. Allerdings habe der „schmutzige Versorger“ von der großzügigen Ausstattung mit Schadstoffzertifikaten profitiert. RWE habe hohe „Windfall Profite“ eingefahren, die dadurch entstehen, dass die Verschmutzungszertifikate an die am europäischen Emissionshandel beteiligten Anlagenbetreiber kostenlos verteilt wurden.

Kerschners Analyse enthält viele Schreckensszenarien, zum Beispiel drohende Dürren in Südeuropa und anderen Teilen der Welt. Doch auch solche Katastrophen produzieren Gewinner an den Finanzmärkten, zum Beispiel Wasserversorger wie die spanische Aguas de Barcelona. Zu den Gewinnern von Dürren würden auch die amerikanischen Farmer gehören, weil die Preise für ihre Produkte steigen. Davon profitieren aber nicht nur die Bauern selbst sondern auch die Zulieferer für die Landwirtschaft wie das US-Unternehmen John Deere. Deshalb findet sich auch diese Aktie auf Kerschners Liste. Wer hätte vor den Analysten der Citigroup wohl Traktoren und Klimaschutz in einen Zusammenhang gebracht?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%