Dax-Analyse
Kommt nun der Crash?

Die Nervosität ist auf dem Parkett ist greifbar. Sorgen um China und die drohende Zinswende in den USA lasten auf den Kursen. Korrektur oder Crash?  Eine Analyse von Jessica Schwarzer, Chefkorrespondentin Börse.
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DüsseldorfZur Börseneröffnung am Freitag sah es fast so aus, als ob der Dax unter die psychologisch wichtige Marke von 10.000 Punkten fallen würde. Noch hält er sich aber wacker darüber. In den vergangenen Tagen war das deutsche Standardwertebarometer mehr oder weniger ungebremst abgerutscht. Am letzten Handelstag der Woche hält sich das Minus in Grenzen. Doch gebannt ist die Gefahr noch nicht.
Zu groß ist die Nervosität auf dem Parkett – auch ablesbar an den hohen Schwankungen der Indizes. Rund um den Globus geraten die Börsen in einen gefährlichen Abwärtstaumel. Der amerikanische Standardwerteindex Dow Jones ist an der Wall Street unter 17.000 Punkte gestürzt. Gründe für die Nervosität – von Panik zu sprechen wäre zu viel - gibt es viele. Der Wachstumsmotor China stottert mächtig. Aber würgt er auch die Weltkonjunktur ab? Die Zinswende in den USA steht unmittelbar bevor. Doch wie deutlich fällt sie aus? Und dann ist da immer noch Griechenland.
Börsianer reichten all diese Unsicherheiten, um die Reißleine zu ziehen. Mehr als fünf Prozent hat der Dax in dieser Woche verloren, fast zwölf Prozent sind es in einem Monat. Ein Crash ist das aber noch nicht. Auch nicht der Anfang davon. Wir erleben derzeit eine gesunde Korrektur – und die läuft im Grunde schon seit einigen Monaten. Mal etwas heftiger, mal etwas weniger heftig.

Trotzdem kommt der Dax seit Jahresbeginn immer noch auf ein Kursplus von mehr als sechs Prozent. Und noch ist die Hausse, also die Phase steigender Kurs nicht beendet. Davon bin ich überzeugt. Wir machen nur eine Pause. Ruhe bewahren!
Natürlich gibt es im Moment jede Menge mehr oder weniger schlechte Nachrichtung und viele berechtigte Sorgen. Die Furcht vor einer ausgeprägten Wachstumsdelle in China und ihre Folgen für die Weltwirtschaft haben die Märkte fest im Griff. Verstärkt wurden die Sorgen am Freitag durch Daten zur Stimmung in der chinesischen Industrie, die im August auf den tiefsten Stand seit März 2009 fiel.
Die Zahlen müssen jedoch im Kontext von Chinas Strukturwandel gesehen werden, wie mein Kollege, unser China-Korrespondent Stephan Scheuer betont. Peking will seine Wirtschaft von der Schwerindustrie weg hin zu mehr Dienstleistungen steuern. Der Wandel deutet sich bereits an. Der Indikator für den Dienstleistungssektor lag nämlich zuletzt auf dem höchsten Wert seit elf Monaten. Chinas Industrie mag schrumpfen, aber der Dienstleistungssektor wächst. Allerdings geschieht der Wandel mit großen Verwerfungen.

Ungemach droht auch aus den USA. Dort läuft die Wirtschaft zwar wieder besser, doch auch das ist für Börsianer genau genommen keine so gute Nachricht. Denn gute Konjunkturdaten aus der weltgrößten Volkswirtschaft signalisieren, dass die Zinserhöhung in den USA näher rückt. Steigende Zinsen, vor allem aber stark steigende Zinsen, sind Gift für die Aktienmärkte. Moderate Anhebungen sollten die Märkte aber längst eingepreist haben.
Immer wieder heißt es auch, die Unternehmensgewinne seien nicht so stark gewachsen, dass sie solch hohe Aktienkurse rechtfertigen. Die Börse sei zu weit vorausgelaufen. Und nicht zuletzt Charttechniker führen an, der Dax habe die 200-Tage-Linie durchbrochen. Kein gutes Zeichen für Fans der Bänder, Kerzen und Linien. Ich gehöre allerdings nicht zum Lager der Charttechniker.
Den anderen Argumenten kann ich aber durchaus etwas abgewinnen. Ja, die Situation sieht nicht mehr ganz so rosig aus wie noch vor ein paar Monaten. Aber sie ist auch nicht so dramatisch, wie die abschmierenden Aktienkurse suggerieren. Die Märkte preisen derzeit das Schlimmste ein. Vor allem die Situation in China bereitet große Sorgen. Natürlich lauern Gefahren, aber dass die Weltwirtschaft deshalb gleich einbrechen wird wie zu Hochzeiten der Finanzkrise, glaube ich nicht.

Kommentare zu " Dax-Analyse: Kommt nun der Crash?"

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  • Hallo Frau Schwarzer,

    übrigens der Einbruch ist nicht einfach eine technische Korrektur, sondern FOLGT einer negativen wirtschaftlichen Entwicklung. Zum Beispiel hier im Handelsblatt:

    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/wachstumsmaerkte/schwaechere-wachstumsprognose-chinas-export-bricht-ein/11626176.html

    Das war im April! Im Frühjahr gab es auch schon Berichte von Exportschwäche, nur China hat angegeben 20 % mehr in die EU exportiert zu haben, während der Rest der Welt nicht so toll war (nur das hier genau da auch Stagnation war!!! Ergo die Zahlen waren gelogen!)

  • was wir bsiher sahen ist erst der Anfang! das System kracht und darüber lauern noch derivate mit 1,6 Billiarden Dollar. wer will da was machen?

  • Die Börse ist nicht die Wirtschaft, aber ein Indikator. China hat es in den letzten Monaten wie das aussieht wenn der Optimismus schwindet. Und da in China der vorangegangene Aktienboom exzessiv gehebelt (= mit Kredit finanziert) war, ging es rasant bergab als die leverage verkürzt werden musste.

    Nun gibt es starke Signale, die auch in USA eine Verkürzung der leverage verlangen, nämlich

    1- der Rückzug aus China, bzw. Asien generell,
    2- die harzigen Aussichten in den übrigen BRICKS,
    3- die drohende Zinswende in USA (verteuert den Hebel),
    4- die immer noch oder schon wieder schwelende GR-Krise,
    5- und zuletzt die drohende Exportdelle in D.

    Über 50% der deutschen Aktien sind in ausländischer Hand, vorwiegend USA,
    und diese Hände zittern jetzt. Das Kapital wird abgezogen, einerseits weil man es näher beinander haben will, andrerseits um Liquidität zu beschaffen und die nationalen assets zu schützen, d.h. zuletzt zu liquidieren.

    Dass der Euro steigt während der DAX einbricht ist ein ziemlich sicheres Indiz für diesen Zusammenhang. Mit Bewertungsfragen hat das erst sekundär zu tun. Wenn die Hütte brennt, muss man auch mit Champagner löschen.

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