Dax, Gold und Anleihen
Die Rückkehr der Angst

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Wie tief der Dax noch fallen kann

Für ihn könnten leicht abbröckelnde Kurse von den optimistisch eingestellten Anlegern frühzeitig zum Positionsaufbau genutzt werden. „Ich fürchte jedoch, dass eine eventuelle Verkaufswelle durch internationale, institutionelle Anleger von den heimischen Privatanlegern nicht aufgefangen werden könnte“, so der Geschäftsführer des Analysehauses Animusx. Und dann wären viele Anleger mit ihren Positionen schnell deutlich im Minus und würden alsbald die Verkaufswelle verstärken, so seine Einschätzung vor wenigen Tagen.

Doch wie tief kann der Dax noch fallen? Neben der aktuellen 200-Tagelinie und einem kurzfristigen Rutsch auf rund 10.800 Punkte sehen Charttechniker den Bereich zwischen 10.300 und 10.400 als „worst-case“-Szenario an. Nur wenige Experten glauben an eine längerfristige Trendwende an den Märkten.

Entscheidend für die weitere Dax-Entwicklung dürfte der Kursverlauf des Euros gegenüber dem US-Dollar sein. In den vergangenen Wochen war stets zu beobachten: Verlor die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber dem Greenback an Wert, stieg der Dax.

„Es wäre gut für den deutschen Aktienmarkt, wenn der Dax spätestens im Bereich 11.900 bis 12.100 die Kurve bekommt und von da aus zumindest eine Zwischenerholung einleitet“, meint Börsenexperte Anton Riedl in seinem wöchentlichen Dax-Radar. Für ihn würde das nach einem insgesamt sechswöchigen Rückgang ins typische Timing passen. Auslöser dafür könnte eine Korrektur im Euro sein, der spätestens im Bereich um 1,20 Dollar auf vermehrten Widerstand stößt. Für dieses positive Szenario dürfen nur die US-Börsen nicht dazwischenfunken.

Was bei der Betrachtung der US-Börsen nicht vergessen werden darf: Die Wall Street erlebt einen glänzenden Sommer – ohne dunkle Regenwolken. Während Dow Jones, S&P und Nasdaq von einem Rekordhoch zum nächsten schlenderten, mal eilten, stottert der europäische Aktienhandel. Es scheint nicht mehr weit, bis Dow und Dax kolossale 10.000 Punkte trennen. Aktuell hat der traditionsreiche New Yorker Leitindex knapp 9900 Punkte mehr auf der Kurstafel als sein deutscher Pendant vom Main – so viele wie noch nie.

In der ersten Jahreshälfte entwickelten sich beide Seiten des Atlantiks ähnlich blendend: Der Dow kam auf eine Performance von 8,0 Prozent, der Dax auf etwa 7,5. Nimmt man den starken November und Dezember 2016 hinzu, in die die Trump-Wahl und die Verlängerung der EZB-Anleihekäufe fielen, kommen beide Börsen auf Aufschläge von 17 und 18 Prozent. Eine Zeit lang liefen die Aktien der alten Welt sogar besser als die der neuen.

Doch inzwischen hat die Wall Street Dax und Euro Stoxx hinter sich gelassen. Seit seinem Allzeithoch bei 12.952 Punkten von Mitte Juni verlor der Dax 7,5 Prozent. Den Dow Jones hingegen trennen von seiner Bestmarke anderthalb Prozent. Erreicht hat der Standardwerte-Index diese am vergangenen Dienstag.

Doch was passiert, wenn der Konflikt zwischen den USA und Nordkorea weiter eskaliert? Käme es zu militärischen Eskalationen, würden aktienseitig die asiatischen Börsen am stärksten in Mitleidenschaft gezogen, meint Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank . „Es ist jedoch zu erwarten, dass auch diese politische Börse kurze Beine haben wird“.

Kommentare zu " Dax, Gold und Anleihen: Die Rückkehr der Angst"

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  • Sehr geehrte Frau Kah,

    vielen Dank für Ihre Antwort. Ich bin mir nicht sicher, ob Euros gehortet werden. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten: Beispielsweise sind viele internationale Investmentfonds (Tomasek aus Singapur und auch Warren Buffett) auf Einkaufstour und haben den deutschen Mittelstand im Visier. Das ist nur eine Idee....
    In Sachen Morgan Stanley: Das erscheint mir logisch. Aber wir müssen ja nicht unbedingt einer Meinung sein.
    Beste Grüsse
    Jürgen Röder

  • Sehr geehrter Herr Wodley,

    vielen Dank für Ihre Mai. Aber wir haben nicht nur gemerkt, dass es an der Börse nicht nur Hausse, sondern auch Baisse gibt. Wir haben sogar darüber geschrieben. Noch am vergangenen Montag bespielsweise noch am vergangenen Montag. Da haben wir sogar laut unserer Umfrage fallende Kurse vorhergesagt:
    http://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/trends/dax-umfrage-anleger-wollen-rally-nicht-verpassen/20154616.html
    Beste Grüsse
    Jürgen Röder

  • Na ihr HB-Schreiberlinge, habt ihr etwa auch schon gemerkt, dass es an der Börse nicht nur Hausse sondern auch Baisse gibt ?

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