Defensive Ausrichtung
Die Profis warten auf Einstiegskurse

Führende Fondsmanager äußern düstere Erwartungen zu den Aussichten für die Weltwirtschaft und haben ihre Portfolios extrem defensiv ausgerichtet. Das ist das Ergebnis der monatlichen Umfrage der US-Investmentbank Merrill Lynch unter mehr als 200 professionellen Investoren.

rez FRANKFURT. In die gleiche Richtung deutet der monatliche Anlegervertrauens-Index von State Street. Dieser fiel im Juli von 90,5 auf 84,2 Punkte zurück. In diese historisch pessimistische Stimmung interpretiert Merrill Lynch allerdings eine Abwartestellung der Anleger hinein. „Die Umfrage fällt so finster aus, dass sie schon wieder ein Kontraindikator sein könnte“, sagt David Bowers, Berater von Merrill Lynch. „Hohe Liquidität in den Portfolios, eine starke Risikoaversion und extremer Wachstumspessimismus sind ein solides Fundament für eine Aktienmarktrally, wenn sich nur geringste gute Nachrichten einstellen.“

Anfang Juli erwarteten fast drei Viertel der befragten Fondsmanager eine Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums bis zum nächsten Sommer, so viele wie nie zuvor. Derart negativ äußern sich die Vermögensverwalter laut Merrill Lynch üblicherweise nur, wenn die Wirtschaft in den führenden Nationen schrumpft. Eine Rezession befürchten jedoch nur wenige der Investoren.

Zu der pessimistischen Haltung passt, dass fast zwei Drittel der Fondsprofis damit rechnen, dass die Firmengewinne in den kommenden zwölf Monaten sinken werden. Entspannt hat sich hingegen die Inflationsangst. Nach 70 Prozent im Mai erwartet nun nur noch eine knappe Mehrheit, dass die Kerninflationsrate weiter zunimmt. Auch die Sorge vor weiter steigenden Zinsen schwindet allmählich. Allerdings erwartet dies nach wie vor die Mehrheit der befragten Fondsmanager.

Folge der Sorgen der Vermögensverwalter ist eine sehr vorsichtige Ausrichtung ihrer Portfolios. Fast die Hälfte der Investoren hat liquide Anlagen übergewichtet, was vor zwei Monaten erst ein Drittel tat. 36 Prozent bezeichnen ihre Risikobereitschaft als unterdurchschnittlich. Somit verhalten sich die Investoren fast so defensiv wie nach den Terroranschlägen im September 2001. Nach wie vor halten die Vermögensverwalter Aktien für attraktiver bewertet und aussichtsreicher als Anleihen – auch wenn die Mehrheit, die Bonds für teuer hält, knapper wird. Folglich gewichten die meisten Befragten Dividendentitel gegenüber ihren Vergleichsindizes weiter über, Bonds weiter unter.

Aus dieser Haltung schließt Bowers, dass Investoren aktuell ihr Kapital liquide halten und auf Kaufgelegenheiten bei Aktien warten könnten. Aktuell gelten vor allem Titel aus Euroland und Japan als günstig. Nach Sektoren favorisieren die Anleger Energie-, Pharma- und Versicherungstitel.

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