Depot-Contest
Riskante Heimatliebe oder nicht?

Anleger sollen ihr Risiko breit streuen. Doch es gibt immer noch viele Investoren, die ihr Geld lieber in deutsche Aktien und Anleihen stecken. Argumente für und gegen eine übertriebene Übergewichtung des Heimatmarktes.
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DüsseldorfEs ist ein altbekanntes Phänomen: Deutsche Anleger lieben es deutsch, amerikanische Investoren bevorzugen Amerikanisches. Menschen investieren ihr Geld am liebsten in Bekanntes und das sind nun mal die heimischen Unternehmen. Das ist wenig verwunderlich. Vor allem in unsicheren Zeiten setzen Anleger auf Vertrautes. Und deshalb haben sie auch im vergangenen Jahr wieder verstärkt in die Aktien deutscher Firmen investiert. Viele Depots sind deutschlandlastig. Experten halten das für gefährlich.

Home Bias nennt sich das Phänomen, das eigene Geld vor allem vor der eigenen Haustür zu investieren. Natürlich ist es richtig, nur in Dinge zu investieren, die man kennt und versteht. Das Geschäftsmodell, die Produktpalette und vielleicht sogar die Bilanz von BMW kennen die Deutschen eben besser als die Strategie des indischen Autohersteller Tata Motors.

Trotzdem sollten Investoren ihre Risiken breiter streuen und nicht nur auf ein Land setzen. Denn wer sein Vermögen breiter verteilt, schützt sein Portfolio vor extremen Einschlägen. Das hat bereits der US-Ökonom Harry Markowitz mit seiner modernen Portfoliotheorie bewiesen, für die er sogar den Nobelpreis erhielt. Zwar gab es in der Finanzkrise einige Kritik an dieser Theorie, doch ein Gegenentwurf fehlt bisher.

Fest steht: Wer nur in einem Land anlegt, setzt sein Vermögen der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung dieses Landes aus. Das Risiko steigt. Da überrascht es, dass manch professioneller Anleger ein enormes Klumpenrisiko im Depot hat. Ingo Schweitzer von der Anceka Vermögensbetreuung zum Beispiel setzt überwiegend auf deutsche Einzelwerte. Beim Depot-Contest der DAB Bank sticht sein Depot heraus: Abgesehen von zwei Fonds – einem internationalen Rentenfonds und einem Aktienfonds, der weltweit auf Hedge-Unternehmen setzt – investiert er nur in deutsche Aktien und Anleihen. „Das hat viele Vorteile“, sagt der Anceka-Experte. „Ich bewege mich lieber auf einem Markt, den ich gut kenne.“

Kommentare zu " Depot-Contest: Riskante Heimatliebe oder nicht?"

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  • Was sind denn das für Performance Stände? Dow, Dax S+P 500 alle zwischen 10 und 15 % im Plus und hier die Fachleute pendeln nach 7 Monaten um die Null?
    Daran kann man gut sehen: Langfristig hat der Markt halt immer recht: Erfolgreiche Firmen werden "automatisch" in die Indizes aufgenommen, Erfolglose fallen wieder raus. Indexfonds, bzw. einfach den Markt zu schlagen ist halt eine echte Aufgabe und wird oft nicht erfüllt.
    Das im Artikel zitierte Währungsrisiko halte ich als Langfristanleger für vollkommen überschätzt. Mal läufts gut, mal schlecht. Fakt ist, langfristig gleicht es sich aus, und ganz sicher: Alle global agierenden Firmen haben ständig Währungsrisiken(bzw. Chancen) auszuhalten. Ob ich die dann in der Firmenbilanz habe (Geschäftserfolg schwankend und somit Kurs) oder echten Kursvolatiät per Umrechnung Heimatbörse zur deutschen Börse; kann ich nie ändern.
    Also investiert bleiben und mal ne Talsohle durchstehen!! Und cash halten... ist (fast) immer schlecht!

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