Depot-Contest zu Gold
„Gold ist eine langweilige Veranstaltung“

Der Goldpreis kommt langsam wieder in die Gänge und notiert nahe seines Drei-Monats-Hochs. Steht das gelbe Edelmetall vor dem Comeback? So weit würden Experten nicht gehen. Was für und was gegen Gold-Investments spricht.
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DüsseldorfEigentlich gilt Gold als die Krisenwährung überhaupt, als „sicherer Hafen“ in stürmischen Zeiten. Doch in den vergangenen Monaten und sogar Jahren kam der Preis für das gelbe Edelmetall allen Krisen zum Trotz nicht vom Fleck. Auch wenn der Goldpreis mit 1232 US-Dollar gerade ein Drei-Monats-Hoch markiert hat, bleibt die Bilanz ernüchternd. „Gold hat in den letzten Jahren als Krisenwährung völlig versagt“, sagt Michael Dutz von der Vermögensverwaltung Adlatus. „Ausufernde Staatsverschuldung, Kriege, die Abschaffung der Zinsen, Inflation in Russland oder Brasilien oder Deflationsszenarien – alles Traumszenarien für Gold, und trotzdem hatten Investoren keine Freude.“

Dabei hätte es genügend Gründe für Anleger gegeben, auf Gold zu setzen. Die Ukraine-Krise und der damit verbundene Konflikt mit Russland gingen aber ebenso spurlos an der Notierung des Rohstoffs vorbei wie die mögliche Verschärfung der Euro-Krise. Selbst Grexit und Brexit, also das immer wieder befürchtete Ausscheiden von Griechenland aus der Euro-Zone oder Großbritanniens aus der Europäischen Union, sorgten nicht für einen nachhaltigen Preisschub. Zwischenzeitliche Kursgewinne verpufften. In Dollar gerechnet hat der Goldpreis auf Sicht von einem Jahr fast vier Prozent eingebüßt, obwohl er im laufenden Jahr ein Plus von fast fünf Prozent eingefahren hat.

Vermögensverwalter Dutz sieht vier Gründe für die lahme Gold-Bilanz: Erstens seien viele Investoren enttäuscht, die zu Hochzeiten gekauft hätten und nun auf Verlusten sitzen würden. Im Herbst 2013 hatte der Goldpreis bei etwa 1800 US-Dollar notiert, mittlerweile ist er gut ein Drittel günstiger. In den vergangenen drei Jahren hat die Notierung immerhin gut 20 Prozent verloren. Zweitens würden viele Anleger regelmäßige Ausschüttungen suchen, also Zinszahlungen oder Dividenden. Da fällt Gold als Anlageklasse aus.

Und drittens seien derzeit Aktien und Immobilien „cool“, so Dutz, während Gold für „Verluste und Trägheit“ steht. Der vierte Grund sei schlicht Unsicherheit. Niemand könne genau nachvollziehen, wer aktuell eigentlich Gold besitzt und was die Großinvestoren damit machen. „Berichte, welche beispielsweise anzweifeln, ob das deutsche Gold überhaupt noch da ist, fördern das Vertrauen auch nicht unbedingt“, sagt der Vermögensverwalter.

Dass Gold im Moment nicht besonders gefragt ist, lässt sich auch an den Depots der Vermögensverwalter ablesen, die sich beim Depot-Contest der Münchener DAB Bank messen. Nur wenige Experten halten überhaupt Gold. Einer davon ist Winfried Walter von Schneider, Walter & Kollegen. „Die Frage, die sich stellt, ist doch: Geht es mir um Kursgewinne oder geht es mir primär um den langfristigen Erhalt der Kaufkraft meines Vermögens“, sagt er. „Beantworte ich Letzteres mit Ja, sollte ein Portfolio mindestens fünf Prozent in Gold investiert sein. Besitzt der Depotinhaber selbst keine Immobilie, so dürfen es gerne auch zehn Prozent des Gesamtportfolios sein.“

Auch Karl-Heinz Geiger von der SVA Vermögensverwaltung Stuttgart ist sowohl im sicherheits-orientierten als auch im ausgewogenen Depot in Gold investiert. „Wir halten einen gewissen Goldanteil ganz bewusst als Versicherungsprämie für alle politischen oder wirtschaftlichen Unwägbarkeiten, die auf uns zukommen könnten. Es ist für uns somit schon eindeutig der sichere Hafen“, sagt er. „Innerhalb einer sinnvollen Verteilung der Anlageklassen sehen wir aber nach wie vor die Notwendigkeit, auch grundsätzlich einen gewissen Goldanteil zu haben.“

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  • Herr Manfred Zimmer@
    Ein Haus, Aktien derzeit US und Not-Gold.

  • Was ist Ihr Tipp oder Rat?

    Riestern?

  • Gold beruhigt, wenn man es hat und es beunruhigt den Staat, da er keinen Einfluß
    darauf hat.

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