Deutscher Aktienmarkt
Ausländer investieren zunehmend in Dax-Konzerne

Der deutsche Leitindex Dax steuert auf immer neue Rekorde zu. Davon profitieren vor allem die ausländischen Investoren. Sie halten an manchen Konzernen über 70 Prozent der Anteile. Und ihr Einfluss in Deutschland wächst.
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Frankfurt„Made in Germany“ hat für internationale Geldgeber weiter einen guten Klang. Das zeigt sich auch an der Börse. Investoren aus dem Ausland haben ihr Engagement bei den 30 großen Dax-Konzernen im vergangenen Jahr stabil gehalten, wie eine neue Untersuchung zeigt. Ihr Anteil lag bei durchschnittlich 54,0 Prozent der Aktien.

Bei vier Dax-Unternehmen sind sogar mehr als 70 Prozent der ausgegebenen Aktien in ausländischer Hand, nämlich beim Halbleiterhersteller Infineon, bei der Deutschen Börse, beim Sportartikelkonzern Adidas und dem Chemieunternehmen Bayer, geht aus der Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) hervor. Insgesamt 18 Unternehmen sind mindestens zur Hälfte im Besitz ausländischer Aktionäre.

Das Interesse ausländischer Investoren an den deutschen Top-Konzernen sei weiter groß, „was auf ein anhaltend hohes Vertrauen in die künftige Geschäftsentwicklung der Dax-Unternehmen schließen lässt“, bilanziert Mathieu Meyer aus der EY-Geschäftsführung. Obendrein mache der relativ niedrige Eurokurs deutsche Konzerne für außereuropäische Investoren zusätzlich interessant.

Das Vertrauen der Aktionäre in deutsche Unternehmen zahlt sich auch in diesem Jahr wieder aus. Vor allem ausländische Investoren profitieren von den Dax-Dividenden: 55 Prozent der Gesamtausschüttung – das sind 17,5 Milliarden Euro – fließen ins Ausland. An deutsche Geldgeber werden in diesem Jahr 11,6 Milliarden Euro ausgeschüttet.

Investoren aus dem europäischen Ausland verteidigten 2016 mit einem 28-Prozent-Anteil an den Dax-Unternehmen ihren Vorsprung vor den Anlegern aus Nordamerika (20 Prozent). Das restliche Ausland schlägt laut den Zahlen mit einem Anteil von vier Prozent zu Buche. Auch im langfristigen Vergleich von 2005 bis 2016 zeigt sich die Dominanz der ausländischen Investoren im deutschen Leitindex: Bei den 22 Konzernen, die Daten für den kompletten Zeitraum bereitstellen, stieg der Auslandsanteil von durchschnittlich 45 auf 57 Prozent.

„Wir haben im vergangenen Jahrzehnt starke Veränderungen in der deutschen Unternehmenslandschaft gesehen, die geprägt waren von der weiteren Entflechtung der sogenannten ,Deutschland AG', aber auch von mehreren großen Abspaltungen und dem Entstehen neuer Global Player“, sagt Meyer.

Mit dem Wahlausgang in Frankreich dürfte das Interesse der Ausländer am europäischen und deutschen Aktienmarkt weiter zunehmen, die geopolitischen Risiken scheinen überschaubarer geworden zu sein. „Das ist ein marktfreundliches Ergebnis, da die Wahrscheinlichkeit eines Bruches Frankreichs mit Europa gering erscheint. Das Ergebnis der Wahl in Frankreich sollte sich positiv auf Aktien im Euroraum auswirken. Diese haben jetzt das Potenzial, gegenüber US-amerikanischen Aktien aufzuwerten“, sagt Stefan Keller, Vermögensstratege bei Candriam, gegenüber dem Handelsblatt.

Auch bei Generali Investments sieht man derzeit keine Wolke am Börsenhimmel. „Wir sehen das Wahlergebnis auch für die europäischen Aktienmärkte positiv. Anleger dürften sich nun wieder den Fundamentaldaten zuwenden, die in Europa ermutigend sind“, schreiben die Analisten des italienischen Instituts.

Private Investoren spielen beim Dax nur eine Nebenrolle. Im Mittel besitzen sie zwölf Prozent der Anteile, lediglich bei der Lufthansa sowie bei BASF haben sie mit 46 Prozent beziehungsweise 29 Prozent ein deutlich stärkeres Gewicht.

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  • Wieviel Geld haben deutsche Milliardäre als Investionen außerhalb Deutschlands? 80% oder gar 85 bis 89% Ihres Vermögens?
    Allerdings inclusive der Steuerparadiese für Multis.
    the stupid Germans.

  • Sehr geehrter Herr Köhler,

    ein höchst interessanter Artikel, aus dem auch Schlußfolgerungen zu ziehen sind. Nicht nur, weil 55 % der DAX-Anteile in ausländischer Hand sind. Auch und vor allem, weil Private Investoren nur 12 % der Anteile besitzen.

    Vor dem Hintergrund solcher Zahlen frage ich mich, ob Sentiment-Umfragen wirklich Sinn machen. Was macht es für einen Sinn, Privatanleger nach ihrer Börsenmeinung zu befragen? Leute, die wegen ihres geringfügigen DAX-Anteils den Index nicht bewegen können? Leute fragen, die von vornherein nichts zu sagen haben?

  • Der Ausverkauf geht weiter.
    Macht alles keinen Spaß und auch keinen Sinn mehr.
    Ich habe mich jetzt dazu entschlossen, nichts mehr zu machen und bin jetzt arbeitslos und lebe zukünftig genau wie die Investoren vom Geld anderer Leute!

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