Die Kursmacher
Evy Hambro

Als 25-Jähriger übernahm er vor 20 Jahren einen Rohstoff-Fonds mit einem Volumen von fünf Millionen Dollar. Jetzt ist er zehn Milliarden Dollar wert.

Kein anderes Thema hat die Kapitalmärkte zuletzt so dominiert wie der Boom der Rohstoffe. "Von der Rückversicherung über die Pensionskasse bis zum Hedgefonds gibt es kaum einen Großanleger, der seit 2003 nicht die ersten Rohstoffinvestments seit mehr als 25 Jahren wagte", sagt Mohamed El-Erian, Chefinvestor des 300 Milliarden Dollar schweren Pensionsfonds der Uni Harvard. Der Boom ist schnell erklärt: Chinas Industrialisierung erfordert immer mehr Rohstoffe; deren Angebot aber ist im Gegensatz etwa zu Wertpapieren wie Aktien und Anleihen natürlich begrenzt. Also steigen die Preise. Im Großen und Ganzen jedenfalls. "So war das nach 1780 in der Industrialisierung Europas, so war das ab 1850 in den USA", sagt Jim Rogers, eine andere lebende Legende der Rohstoffzunft, "so ist es jetzt in China. Das versteht jeder, sogar meine Putzfrau."

Auch die Anleger verstanden es. Unmengen von Fonds und Zertifikaten hat die Finanzindustrie auf das Thema gesetzt; Anleger haben Hunderte Milliarden Euro in Rohstoffe investiert. Der mit Abstand häufigste Rohstofffonds in den Depots ist der World Mining von Evy Hambro. 1997 übernahm der damals 25-Jährige den Fonds mit einem Volumen von fünf Millionen Dollar – vergangene Woche durchbrach der Fonds die Zehn-Milliarden-Dollar-Grenze, er hat sich unter Hambros Management verzweitausendfacht. Eine solche Explosion von Anlegergeldern in einem Fonds ist historisch einmalig.

Dabei hätte er um ein Haar den Rohstoffboom nicht mehr erlebt. "Zuerst waren wir der Ladenhüter", erinnert sich Birch. Der Fonds war viel zu klein, um die Kosten für Marketing und Verwaltung einzuspielen; die Mittel flossen Hambros Kollegen zu, die Internet- und Technologiefonds verwalteten. "Es war Anfang 2002", sagt Hambro, "als an der Londoner Metallbörse plötzlich die Preise für Kupfer und Zink anzogen; anfangs hielten wir es für normale Schwankungen, doch die Preise stiegen weiter. Auf einmal hieß es: ,Die Chinesen kaufen die Lager leer.‘ Da begann es einigen zu dämmern."

Der Boom kam in Gang. 25 Jahre lang hatte niemand mehr groß in Rohstoffe investiert; folglich hatten fast alle Banken ihre Rohstoffprodukte wie Fonds und Optionsscheine längst vom Markt genommen. "Plötzlich gaben sich hier die Manager von Versicherungen und Hedgefonds die Klinke in die Hand", erinnert sich Hambro, "wir wurden förmlich überrannt." "Das Thema war 2002 neu, die Expertise der Banken ausgetrocknet – und die beiden gaben kluge Kommentare von sich", erklärt Gérard Piasko, Chefstratege von Julius Bär. Schnell sprach sich herum, dass sie Ahnung hatten von Gold- und Nickelförderern, vom Kupferpreis und von Zinkminen. Aktien, die sie erwähnten, machten bald Kursavancen, sie wurden in Fachmagazinen zitiert, dann in der "Sunday Times" und im "Economist", TV-Auftritte folgten.

"Bei Blackrock werden sie jeden Tag eine Kerze anzünden und dem Herrgott danken, dass sie das Bergbau-Know-how im Internet-Boom nicht geopfert haben", sagt der New Yorker Fondsberater Michael Keppler. Rohstoffe waren plötzlich wieder sexy, Birch und Hambro gaben ihnen ein Gesicht. "Ihr Fonds wurde zum Must Have der Rohstoffinvestoren", so Piasko. Was immer andere Banken an Nachahmerprodukten auf den Markt warfen – die Kunden wollten meist den World Mining Fonds.

Seite 1:

Evy Hambro

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%