Draghi und die Märkte
„EZB bringt ultimative Waffe in Stellung“

Die EZB wird morgen für Aufregung an den Märkten sorgen, ist Harald Preißler überzeugt. Der Chefvolkswirt des Anleihemanagers Bantleon glaubt weiter an den Dax und rät Anlegern: „Nerven behalten!“
  • 26

Größer könnten die Unterschiede in der geldpolitischen Ausgangslage diesseits und jenseits des großen Teichs zu Beginn des Jahres 2015 kaum sein. Doch das überrascht Harald Preißler nicht, denn die wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen in der Euro-Zone und den USA sind völlig unterschiedlich. Auch wenn die USA wirtschaftlich besser dastehen, erwartet der Chefvolkswirt und Leiter Anlagemanagement des Anleihemanagers Bantleon, dass der Dax den amerikanischen Dow Jones in diesem Jahr abhängen wird. Er ist extrem positiv für die Aktienmärkte gestimmt. Schwieriger ist die Lage hingegen an den Anleihemärkten. 

Die Europäische Zentralbank (EZB) entscheidet am Donnerstag endgültig über ihr Anleihekaufprogramm. Stehen uns unruhige Tage an den Märkten bevor?
Es wird auf jeden Fall spannend, die Volatilität wird hoch sein. Dabei ist eigentlich schon viel passiert und auch viel bekannt, weshalb es am Donnerstag „nur noch“ um die Details geht. Wird die EZB für 600 Milliarden oder doch nur für 550 Milliarden Euro Anleihen kaufen? Ist das zu viel oder zu wenig? Viel wichtiger ist aber, ob das Programm zur gewünschten Konjunkturerholung in der Euro-Zone beiträgt. Für Anleger heißt es in den kommenden Tagen: Nerven behalten.

Die EZB will Anleihen kaufen. Die USA haben ihr Kaufprogramm bereits zurückgefahren und bereiten die Märkte auf eine Leitzinserhöhung vor. Größer könnten die Unterschiede der geldpolitischen Ausgangslage kaum sein, oder?
Überraschend sind die Unterschiede nur auf den ersten Blick. Die USA und die Euro-Zone befinden sich in unterschiedlichen Phasen des Konjunkturzyklus. In den USA ist das Wirtschaftswachstum recht stabil bei zwei bis 2,5 Prozent. Das Land braucht die exzessive Politik der amerikanischen Notenbank Fed nicht mehr. Anders sieht es in der Euro-Zone aus.

Die wirtschaftliche Erholung lässt auf sich warten…
Wir sind in Europa eher in einer Phase der konjunkturellen Bodenbildung nach einer Abschwächung. Das Wachstum im Euro-Raum lag 2014 bei 0,2 bis 0,3 Prozent pro Quartal. Das ist ziemlich wenig und daher brandgefährlich, denn das Risiko, im Falle eines erneuten Schocks n eine Rezession abzurutschen, ist hoch. Das ist auch der Grund für die EZB, im Kampf gegen das Deflationsgespenst nun tatsächlich die ultimative Waffe in Stellung zu bringen: großvolumige Staatsanleihekäufe, also „Quantitative Easing“.

Das hat die US-Notenbank bereits beendet. Haben die Amerikaner die Krise bereits hinter sich?
Die amerikanische Wirtschaft hat die Krise auf jeden Fall besser verarbeitet und sich schon wieder ordentlich Speck angefressen. Das Wirtschaftswachstum kann sich durchaus sehen lassen, während wir an der Null-Linie herumwirtschaften. Die europäische Wirtschaft muss sich auch dringend ein bisschen Speck anfuttern.

An den Märkten konnte man diese unterschiedliche Entwicklung bereits im vergangenen Jahr ablesen…
Der Dow Jones hat sich deutlich besser entwickelt als die europäischen Aktienmärkte oder der Dax. Während die amerikanischen Standardwerte gut acht Prozent zugelegt haben, schaffte der Dax noch nicht mal drei Prozent. 2015 dürften die europäischen Titel und vor allem der Dax sich aber besser entwickeln als die amerikanischen.

Was macht Sie so optimistisch?
Die Ausgangslage. Erstmals seit zehn Jahren starten wir nicht aus einer Rezession heraus in einen Aufschwung, sondern verzeichnen bereits ein Miniwachstum. Ich erwarte, dass das Wachstum deshalb schnell ein gewisses Tempo aufnehmen wird. Das Überraschungspotenzial ist daher in Europa größer als in den USA.

Kommentare zu " Draghi und die Märkte: „EZB bringt ultimative Waffe in Stellung“ "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zombieworld!
    -------------
    Die Milliarden Euro Spielgelder der EZB werden von
    Banken mit dem geringsten Aufwand um den größten Ge-
    winn zu erzielen, wie bisher, im Spekulationsbe-
    reich eingesetzt, bis die regulären Kapitalmärk-
    te dieser EUdSSR den Geldhahn mit ihrer Zombie-
    welt den Geldhahn zudrehen werden!

  • Die EZB wird morgen für Aufregung an den Märkten sorgen, ist Harald Preißler überzeugt. Der Chefvolkswirt des Anleihemanagers Bantleon glaubt weiter an den Dax und rät Anlegern: „Nerven behalten!“

    ----------------------------------------------------

    Selbst wenn die EZB die vermutete 550 bis 600 Milliarden Euro ausgibt...teilweise auch zu lesen von 50 Milliarden Euro im Monat...

    die Gelder werden nur Löcher stopfen und keinen einzigen Arbeitsplatz beschaffen...

    kurzfristig steigt die Aktienkauflust...

    dann erfolgt der starker Aktiensturz.

    Mit Spekulanten braucht man aber keinen Mitleid zu haben.





  • Wer kann schon genau wissen, welche Eigen- und/oder Fremdinteressen diesen Herren leiten bei seinen eher fernliegenden Empfehlungen?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%