Drohende Leitzinsanhebung sorgt für Platzen einer Spekulationsblase
Zinsängste lösen Beben bei US-Immobilienaktien aus

Bis vor wenigen Wochen lebten die Käufer von US-Immobilienaktien in der besten aller Welten. Ihr scheinbar risikoarmes Investment warf hohe Dividenden ab, und die Kurse ihrer Aktien kletterten seit Jahren stetig aufwärts. Doch Anfang April kam das böse Erwachen. Die Anteile vieler so genannter Real Estate Investment Trusts (Reits) verloren seitdem ein Viertel ihres Wertes.

tmo NEW YORK. „Einiges spricht dafür, dass bei US-Immobilienaktien eine kleine Spekulationsblase geplatzt ist“, sagt Analyst Don Cassidy vom Finanzdatendienst Lipper, der zum Informationskonzern Reuters gehört. Für übertriebene Bewertungen sorgte seiner Ansicht nach eine Reihe von Faktoren. Als erstes nennt Cassidy die äußerst niedrigen Leitzinsen in den USA, was die Dividendenrenditen der Reits, die oftmals höher sind als 7 Prozent, vergleichsweise hoch erscheinen lässt. Außerdem konnten sich geschlossene US-Immobilienfonds billig Geld leihen, das sie zusätzlich in Gewerbeobjekte investierten.

Weiter machte die lange Börsenflaute, die vermeintlich sichere Immobilien-Investments attraktiv. Und schließlich zog die gute Wertentwicklung vieler US-Immobilien die Anleger magisch an. „Immobilienfonds waren die einzige Anlageform, die zwischen 2000 und 2003 jedes Jahr positive Erträge abwarf", sagt Analyst Cassidy. Zwischen Ende März 2003 und 2004 kletterten die Fonds laut Lipper im Schnitt um 51,2 %.

Die scharfe Trendwende in den vergangenen Wochen basiert auf Zinsängsten. „Steigende Zinsen sind Gift für Immobilienaktien“, sagt Analyst Keith Mills von der Bank UBS in New York. Und weil sich die US-Wirtschaft erholt, dürfte die Notenbank den Leitzins von derzeit einem Prozent bald anheben.

Doch warum reagierten die Reit-Aktien und US-Immobilienfonds so drastisch? „Die Verbindung zwischen Immobilienfonds und Reits kann zu einer Abwärtsspirale führen“, sagt Experte Cassidy. Die Marktstruktur in den USA unterscheidet sich von Deutschland: Während Immobilienfonds hier zu Lande meist direkt in Gebäude investieren, halten US-Immobilienfonds Reit-Aktien. Reits sind Immobiliengesellschaften, die ihrerseits in Einkaufszentren, Bürotürme und Wohnblocks investieren.

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