Emerging Markets
Renditejäger in Nordkorea

Auf der Suche nach neuen Anlagechancen dehnen Asset-Manager ihr Anlageuniversum über die bisher gängigen Märkte hinaus aus. Sie legen jetzt auch in irakischen Aktien, nordkoreanischen Anleihen oder Spezialmetallen an – oft unter hohen technischen Hürden und mit großen Risiken.

FRANKFURT. „Emerging Markets sind die Gewinner der Globalisierung, und einen Drang in exotische Märkte gibt es in der Tat“, sagt Ferdinand Haas, Leiter strukturierte Produkte bei der DWS. Viele Verwalter erwarten von Investments in den letzten unerschlossenen Regionen der Welt ein hohes Wachstum und überdurchschnittliche Anlagerenditen. Das war zumindest in der Vergangenheit so. Über sieben Jahre gewannen Emerging Markets rund 144 Prozent – die Märkte der Industrieländer brachten es nur auf 38 Prozent. Den Vogel schossen aber die pränatalen Schwellenländer wie Vietnam, Libanon oder Mauritius ab, im Branchenjargon gern als „Frontier Markets“ bezeichnet. Sie spielten 434 Prozent ein.

Hier zu Lande verschreiben sich vor allem Deutschlands größte Fondsgesellschaft DWS und ihre Mutter Deutsche Bank dem Thema. Rund um den Globus haben viele renommierte Asset-Manager einen Fuß in die sehr jungen Märkte gesetzt, darunter Fidelity, Acadian Asset Management sowie Franklin Templeton unter ihrem bekannten Schwellenbörsenchef Mark Mobius.

Die Hoffnung auf attraktive Renditen ist nur einer der Gründe für den Run auf die Randmärkte. „Die Kursentwicklungen dort sind praktisch unabhängig von denen in den Industrieländern“, sagt Constantine Papageorgiou, Fondsmanager bei Acadian in Boston. Der Vorteil: Nach Beobachtung vieler Experten entwickeln sich die Märkte der Industrieländer und der gängigen Schwellenländer zunehmend gleichgerichtet, so dass die früher verlässliche Risikominimierung durch Streuung der Anlagegelder über verschiedene Börsen an Schlagkraft eingebüßt hat.

Die Einstiegsmöglichkeiten in jenen Ländern, die als letzte weiße Flecken auf dem Investmentglobus gelten können, sind allerdings begrenzt. Der S&P/IFC-Index mit einbezogenen 22 Ländern bringt es auf eine Marktkapitalisierung von nur 63 Mrd. Dollar, das ist weniger als die Hälfte des Börsenwertes von Google. Dazu kommen viele länderspezifische Risiken. Mit ihnen haben jene Verwalter in noch verschärfter Form zu kämpfen, die sich in besonders exotischen Regionen tummeln.

Björn Englund von Godvig Capital Management etwa wagt sich mit dem kleinen Babylon Fund in den Irak und ignoriert alle Schreckensnachrichten. Er investiert an der Börse Bagdad, in Irak-Anleihen und westliche Firmen mit starkem Engagement in dem krisengeschüttelten Land. Englund, mit seinem Hedge-Fonds auf den Britischen Jungferninseln ansässig, ist ein Querdenker: „Wir glauben an ein irakisches Wirtschaftswachstum von bis zu 14 Prozent in diesem und auch im kommenden Jahr.“

Unzugänglicher als der Irak ist höchstens noch Nordkorea. Und selbst hier will Fred Jones aus Vancouver über Anleihen einsteigen. Der Geschäftsführer von Jutland Capital Management plant ein Portfolio für Ramsch-Anleihen und -Kredite. „In Frage kommen aus heutiger Sicht für uns vor allem Nordkorea und Simbabwe“, sagt Jones. Er sieht übrigens bei Nordkorea erste zaghafte Zeichen einer Öffnung der Diktatur „in einer beschränkten Freihandelszone an der Grenze zu China“.

Neben Aktien- und Anleihemanagern gehen auch Rohstoffexperten auf Entdeckungstour. Werner Ullmann von der deutschen ERA Euromerica Resource Advisors hat soeben einen Investmentfonds für Uranaktien aufgelegt. Er will jetzt das nächste Nischenthema angehen: „Wir lancieren ein Aktienprodukt für Spezialmetalle wie Niob und Tantal, die in der Hochtechnologie wichtige Rollen spielen.“

Erste Welle: Noch vor einigen Jahrzehnten galten Schwellenländer als rückständig. Ein Paradebeispiel ist Südkorea, das nach einem Wirtschaftswunder in die erste Liga aufgestiegen ist. Aber auch Staaten wie Singapur, Taiwan, Hongkong oder Portugal sind heute etabliert.

Zweite Welle: Zu den Wachstumsspitzenreitern der jüngeren Vergangenheit zählen Länder wie China, Brasilien, Russland und Indien. Diese Staaten haben den Sprung in die Gruppe der anerkannten Emerging Markets bereits geschafft.

Dritte Welle: Jetzt steht die nächste Generation der Schwellenländer in den Startlöchern. Sie gelten als Gewinner der Globalisierung. Investoren und Asset-Manager richten ihren Blick auf Länder wie Vietnam, Ukraine, Peru oder Namibia. Ein entsprechender S&P/IFC-Aktienindex umfasst 22 Länder dieser Kategorie.

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