Emerging Markets
Weltbank sieht Risiken in Schwellenländern

Laut einer Studie der Weltbank ist im vergangenen Jahr mehr privates Kapital in Schwellen- und Entwicklungsländer geflossen als je zuvor. Doch nach der kräftigen Kurskorrektur an Schwellenländerbörsen in der vergangenen Woche mehren sich Stimmen, die vor den hohen Risiken in den so genannten Emerging Markets warnen.

DÜSSELDORF. Einige Ökonomen kritisieren die zunehmende Abhängigkeit der Entwicklungsländer von ausländischem Kapital und sehen gar schon ein ähnliches Szenario wie zu Beginn der Asienkrise Ende der 1990er Jahre. Laut der Weltbank-Studie „Global Development Finance“ ist im Jahr 2005 Privatkapital in Höhe von rund 491 Mrd. US-Dollar in Entwicklungsländer geflossen. Der Grund dafür sei die wachsende Zahl von Übernahmen, Privatisierungen, neuen Krediten und zunehmendes Interesse seitens der Investoren. 40 Prozent der Summe seien Kredite, schreiben die Weltbank-Ökonomen. Getrieben von Indien und China wuchs die Wirtschaft in Entwicklungsländern im vergangenen Jahr im Schnitt um 6,4 Prozent. Ohne die beiden Länder ging das Wachstum in den Öl importierenden Entwicklungsländern von 5,7 auf 4,3 Prozent zurück.

Die Risiken in Schwellen- und Entwicklungsländern haben sich laut Weltbank in den vergangenen Monaten vergrößert – vor allem, weil der hohe Ölpreis etwaige Überschüsse der Länder inzwischen aufgefressen habe. „Deswegen sind diese Länder dem Risiko von Schocks besonders ausgesetzt. Dazu gehören das Risiko einer Überhitzung in manchen Ländern, einer ungeordneten Anpassung der globalen Ungleichgewichte, plötzliche Unterbrechung der Ölversorgung und Preisverfall an Rohstoffmärkten“, sagt eine der Autorinnen der Weltbank-Studie, Uri Dadush. Weitere Risiken für Schwellen- und Entwicklungsländer sind Zinserhöhungen westlicher Notenbanken und eine weltweite Konjunkturflaute.

Zinserhöhungen, zum Beispiel in den USA, könnten Investoren dazu bewegen, Kapital aus hoch riskanten Emerging-Markets abzuziehen und in festverzinsliche Wertpapiere anzulegen. So ist auch zu erklären, dass am Montag vergangener Woche die Leitindizes in Moskau, Sao Paolo, Istanbul, Kairo und Bangkok infolge von Zinserhöhungen in den USA um bis zu neun Prozent einbrachen. Dieser Kurssturz war der vorübergehende Tiefpunkt einer zehntätigen Talfahrt an Schwellenländerbörsen, bei der Investoren viele Börsen der Emerging Markets fluchtartig verlassen hatten.

„Die Kurskorrektur war für viele Anleger ein Wake-up-Call, nach dem sie sich ihre Investitionen genauer ansehen und die hohen Risiken bemerken, die diese Investments in Schwellenländern mit sich bringen“, sagt Maria Lanzeni, Leiterin des Teams Emerging Markets bei der Deutschen Bank. „Es gibt zwar auch weiterhin gute Gründe, in Schwellenländer zu investieren. Doch künftig werden Investoren wohl die Fundamentaldaten mancher dieser Länder besser analysieren.“

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