Erholung der Branche ist vielfach in den Aktienkursen enthalten
Analysten warten bei Netzausrüstern ab

Es ist wenig schmeichelhaft, was Analysten in diesen Tagen über die Branche der Telekomnetzausrüster sagen: Die Entwicklung der Unternehmen sei uninspiriert, es gebe keine Kursphantasien und wenig Wachstumsimpulse.

DÜSSELDORF. Eines der positivsten Urteile lautet: „Die Branche hat sich auf sehr niedrigem Niveau stabilisiert“, schreiben die Experten von Credit Suisse First Boston (CSFB) in einer gerade erschienen Studie.

Für die Betroffenen ist all das dennoch ein Kompliment. Denn es bedeutet: Nachdem die Netzausrüster zwei Jahre lang eine Hiobsbotschaft nach der anderen produzierten, drastische Nachfrageeinbrüche meldeten, ihre Prognosen senkten und Tausende von Stellen strichen, ist jetzt offenbar der Boden erreicht. Das ist aber nicht genug, um dem Aktienkurs kurzfristig auf die Beine zu helfen: „Die Erholung ist bereits eingepreist“, sagt Nikolas von Stackelberg, Analyst bei Sal. Oppenheim.

Es gibt daher nur wenige Aktien, die die Experten zum Kauf empfehlen – darunter die Papiere von Nokia. Der finnische Konzern bietet nach Ansicht von Credit Suisse First Boston stabile Umsätze, eine starke Bilanz und ist bekannt dafür, dass er erfolgreich verwirklicht, was er ankündigt. Für die CSFB-Analysten ist die Aktie daher erste Wahl in der Branche. Nokia erwirtschaftet zwar etwa 80 % seines Umsatzes mit Mobiltelefonen. Doch gerade die Netzsparte der Finnen entwickelt sich derzeit in puncto Umsatz und operativem Ergebnis überraschend positiv. Das erste Mal seit zwei Jahren, heißt es bei Merrill Lynch, Analysten erwarten, dass dieser Bereich daher im dritten Quartal 2003 schwarze Zahlen schreiben wird – trotz eines erneuten Umsatzrückgangs.

Nokia geht von einem Minus von 5 % aus, Analysten rechnen in diesem Jahr mit einem Rückgang von etwa 16 % für die gesamte Branche. Denn die Kunden der Techniklieferanten, also Netzbetreiber wie Deutsche Telekom und France Télécom, fahren einen Sparkurs. Sie nutzen ihr Geld stärker für den Abbau ihrer Schulden als für Investitionen. Für die nächsten Jahre erwarten Analysten daher bestenfalls Wachstumsraten im einstelligen Prozentbereich. „Es liegt nicht im Interesse der Netzbetreiber, den Infrastrukturanbietern die Luft völlig abzudrücken“, sagt Stackelberg, „die Investitionen werden mittelfristig wieder anziehen, aber auf niedrigem Niveau.“

Bis dahin können die Netzausrüster noch die Früchte ihrer Restrukturierung ernten. „Die Margen werden sich in den nächsten Quartalen verbessern. Das steckt im Kurs zwar bereits drin, Kurssprünge sind aber dennoch möglich“, so der Analyst von Sal. Oppenheim. Die Schrumpfkur der vergangenen Monate zeigt vor allem bei dem französischen Konzern Alcatel Wirkung. Die Kostensenkungsprogramme seien beeindruckend, so Kulbinder Garcha von Credit Suisse First Boston. Der Konzern stünde daher kurz davor, wieder in die Gewinnzone zurückzukehren. Das würde dem Aktienkurs Auftrieb geben. Positive Impulse könnte auch eine weitere Konsolidierung im Satellitengeschäft bringen. „In dem Bereich ist Alcatel einer der stärksten Player, der von einer Konsolidierung auf jeden Fall profitieren sollte“, so Stackelberg.

Andere Techniklieferanten, allen voran Ericsson, sind für Branchenkenner dagegen eher überbewertet. Ericsson habe einige strukturelle Schwächen, und die Restrukturierung sei noch nicht abgeschlossen, so dass sich der Konzern wohl schlechter entwickeln werde als der Markt, sagen Analysten der Ratingagentur Fitch voraus.

Bei dem Münchener Konzern Siemens haben die Experten eine andere Schwäche ausgemacht: Der starke Euro und im Gegenzug ein schwacher US-Dollar machten der Festnetzsparte von Siemens zu schaffen, schreibt Frank Rothauge von Sal. Oppenheim in einer Studie. Daher seien in den nächsten Monaten keine positiven Impulse für den Aktienkurs sichtbar, obwohl die Sparte ihrer Verluste verringere.

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