Ermittlungen bei Großkonzernen werten Experten als Zeichen für effektivere Kontrolle
Aktionäre schöpfen Hoffnung aus Affären

Deutsche Aktionärsschützer sehen die Korruptionsskandale in großen Konzernen als Hoffnungszeichen für mehr Transparenz.

HB DÜSSELDORF. „Die Affären setzen neue Kontrollmechanismen in Gang“, sagt Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Bisher seien ethische Standards der Corporate Governance zu wenig im Selbstverständnis der Manager verankert.

Die Aktienkurse von Volkswagen und Infineon waren zunächst gestiegen, nachdem bekannt wurde, dass Staatsanwaltschaften gegen Mitarbeiter ermitteln. Auch bei BMW und Daimler-Chrysler drückten die Nachrichten vergangene Woche nicht auf die Kurse. Bei VW hält der positive Effekt bis heute an. Die Aktie wird mit einem deutlichen Aufschlag gegenüber dem deutschen Aktienindex Dax gehandelt.

Eigentlich müssten Korruptionsaffären die Kurse eher belasten. Denn wenn die interne Kontrolle versagt, nimmt das Image des Unternehmens in der Regel Schaden. Die schlimmste Auswirkung von Korruptionsskandalen in der Wirtschaft sei der Reputationsverlust, sagt Peter von Blomberg, stellvertretender Vorsitzender von Transparency Deutschland. „Die Unternehmen müssen erkennen, wie groß die Gefahren sind, denen sie sich durch mangelnde Kontrolle aussetzen.“

Die Märkte interpretieren zumindest den Fall des Wolfsburger Autokonzerns anders: „Ein Skandal wie der bei VW kann zum Katalysator für positive Veränderungen werden“, sagt Hendrik Garz, Chefstratege für deutsche Aktien bei der West LB. Auch andere Experten erwarten, dass die Affäre für VW zum Befreiungsschlag werden kann. Den Rücktritt von Personalvorstand Peter Hartz und Betriebsratschef Klaus Volkert honorierten die Märkte dementsprechend.

Für Garz sind Transparenz und ethisch korrektes Verhalten wichtige Bestandteile verantwortlicher Unternehmensführung. „Zwischen diesem Prinzip und dem wirtschaftlichen Erfolg gibt es einen systematischen Zusammenhang“, sagt Garz.

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