Europäische und asiatische Börsen hängen die Wall Street in diesem Jahr ab
US-Aktienmarkt steht auf der Kippe

Der US-Aktienmarkt hat viel von seinem Nimbus verloren. Viele Jahre setzte die Wall Street den Trend für die Börsen in aller Welt. Doch das hat sich 2005 geändert. Während Dow-Jones- und S&P-500-Index stagnieren, liegen die Märkte in Japan und Europa in der Gunst der Investoren weit vorne (siehe "Alles außer Amerika"). Noch verteidigen viele Analysten die Qualitäten des US-Markts. Doch die Angst wächst, dass die Stimmung endgültig kippt.

FRANKFURT/M. Wie fragil die Lage am US-Aktienmarkt ist, zeigt die Entwicklung im Oktober. Der berüchtigte Börsenmonat wurde seinem schlechten Ruf vollauf gerecht. Unter heftigen Schwankungen sackte der Dow-Jones-Index um 1,6 Prozent ab, der breiter gefasste S&P 500 fiel um 2,5 Prozent ab, an der technologielastigen Nasdaq lag das Minus sogar bei 2,9 Prozent. Und das, obwohl die Unternehmensergebnisse für das dritte Quartal nach Einschätzung des Aktienstrategen Tobias Levkovich von der Citigroup bislang "recht robust" ausgefallen sind. Zwei Drittel der Konzerne hätten die Erwartungen der Analysten übertroffen; das sei mehr als in den vergangenen drei Quartalen.

Doch Levkovich bemerkt auch, dass der trübe Ausblick von hochkarätigen Unternehmen wie Pfizer, Caterpillar, Honeywell oder Ebay den Markt belastet hat. Die Verunsicherung reichte aus, um den positiven Effekt fallender Energiepreise fast wirkungslos verpuffen zu lassen.

Das Misstrauen gegenüber dem US-Markt spiegelt sich schon im Anlageverhalten der Großinvestoren wider. Die jüngste Umfrage der Investmentbank Merrill Lynch unter 311 Fondsmanagern ergab, dass jeder zweite Vermögensverwalter US-Aktien untergewichtet. Dies ist die größte Zahl von Skeptikern seit 1999. Selbst zu Zeiten der Krisen um Enron und Worldcom hielten mehr Fondsmanager dem US-Markt die Treue. In den USA sind nach Ansicht der Vermögensverwalter die Aussichten für die Unternehmensgewinne im Vergleich zu anderen Regionen am schlechtesten.

Dazu kommt die wachsende Inflationsangst. In den vergangenen Wochen hatten mehrere Vertreter der Notenbank Fed vor einer Rückkehr rasanter Preissteigerungen im Stile der 70er-Jahre gewarnt. Die Fed hat in diesem Jahr die Zinsen bereits deutlich angehoben.

Schließlich deuten die jüngsten Daten vom Immobilienmarkt darauf hin, dass der Boom in den USA ausläuft. Das könnte enorme Konsequenzen haben. Schließlich finanzieren viele Amerikaner ihren Konsum, indem sie ihre Immobilie beleihen. Sollte der private Verbrauch in den USA wegbrechen, würde das Wirtschaftswachstum schwer belastet, schließlich macht der Konsum rund 70 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts aus.

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