Experten sind sich so einig wie selten: Investoren haben sich gut gewappnet gegen einen Anstieg der US-Leitsätze
Börsen sehen Zinswende gelassen

Die vier Top-Experten auf dem Podium der New Yorker Analystenvereinigung (NYSSA) im edlen Harvard-Club von Manhattan erwarten unisono, dass die allgemein erwartete Zinserhöhung der US-Notenbank am kommenden Mittwoch die Börsen nicht bremst.

NEW YORK. So viel Harmonie macht Jason Trennert, Chefvolkswirt der renommierten Wall-StreetBoutique ISI, nervös. „Wir scheinen hier alle einer Meinung zu sein, das ist nicht gut“, wunderte sich Trennert am Mittwoch beim traditionellen Halbjahresausblick der NYSSA.

„Ich glaube, dass die Aktienmärkte trotz steigender Zinsen und eines abgeflachten Gewinnwachstums überraschend stark steigen werden“, sagte Thomas Wowanick, Managing Director und Leiter der Abteilung Anlagestrategie und Volkswirtschaft bei der Investmentbank Merrill Lynch. Für die weltweiten Anleihemärkte prognostiziert er indes fallende Kurse.

Überraschend wäre dies allerdings mitnichten. Denn an der Wall Street erwartet fast jeder steigende Kurse an den Börsen. Anlagestratege Hernando Cortina von der New Yorker Investmentbank Morgan Stanley verweist auf die positiven Vorbilder Großbritannien und Australien. Dort erhöhen die Zentralbanken bereits seit Mai 2002 (Australien) beziehungsweise November 2003 (Großbritannien) die Zinsen. „Die Aktienmärkte notieren heute in beiden Ländern höher als zum Zeitpunkt der Zinswende“, meldet Cortina.

Was ISI-Volkswirt Trennert nervös macht: Der breite Konsens der Experten lässt Raum für unangenehme Überraschungen. Denn niemand bezweifelt, dass höhere US-Zinsen eine Belastungsprobe für die globalen Finanzmärkte darstellen. Mit nur einem Prozent liegt der Leitzins der US-Notenbank (Fed) seit einem Jahr auf einem 40-Jahres-Tief. Das macht Aktien im Vergleich zu mager verzinsten Anleihe- und Geldmarktfonds attraktiv.

Nun kündigt Fed-Chef Alan Greenspan seit Wochen an, dass die Zinsen bald steigen. Am kommenden Mittwoch, wenn der Offenmarktausschuss der Fed seine neue Zinsentscheidung um 20.15 Uhr deutscher Zeit bekannt gibt, rechnen fast alle Marktbeobachter mit einer Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt auf 1,25 Prozent. Und bis zum Jahresende erwarten die Investoren an den Terminmärkten noch vier weitere Zinsschritte der Fed. Somit würde der US-Leitzins auf 2,25 Prozent steigen.

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