Fehlende Geschäftsausblicke lassen die Erwartungen am Markt sinken, steigern aber das Kurspotenzial der Aktien
Unternehmen taktieren mit Prognosen

Nichts hassen Investoren mehr als Unsicherheit. Dementsprechend nervös reagieren sie, wenn Unternehmen keine Umsatz- und Ergebnisprognosen abgeben. Doch Unsicherheit kann sich durchaus lohnen – für Prognosemuffel wie für Anleger.

DÜSSELDORF. Anfang des Jahres verzichteten viele Aktiengesellschaften bei der Präsentation der Jahresbilanz auf einen detaillierten Ausblick. Zu ungewiss sei die konjunkturelle Entwicklung, hieß es bei Konzernen wie Intel, SAP und der Commerzbank. „Insbesondere im Bankensektor wäre eine Prognose angesichts der unsicheren Lage wenig sinnvoll gewesen“, sagt Bankenanalyst Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz. „Das hätte auf die Marktteilnehmer nicht überzeugend gewirkt.“

Trotzdem reagierte der Markt nervös auf das Fehlen von Orientierungspunkten. „Anfangs war der Verzicht auf eine Prognose ein negativer Faktor für die betroffenen Unternehmen“, sagt Aktienstratege Gerhard Schwarz von der Hypo-Vereinsbank. So fielen die Aktien der Commerzbank in den vier Wochen nach dem Prognoseverzicht um über 15 Prozent auf 5,30 Euro und schnitten damit – wie auch SAP – schwächer ab als der Dax. Die Intel-Titel entwickelten sich mit einem Abschlag von zehn Prozent ebenfalls schlechter als der Vergleichsindex.

Doch im Jahresverlauf drehte sich der Trend. „Die Werte, die besonders stark unter der Unsicherheit gelitten haben, konnten überproportional von der Erholung profitieren“, erläutert Schwarz. „Der Faktor Unsicherheit stand nicht mehr so stark im Vordergrund.“ Mit jedem Quartalsergebnis äußerten sich die Analysten optimistischer zu den zuvor mit großer Skepsis beäugten Werten – selbst wenn die Zahlen nicht berauschend ausfielen, würdigte der Markt die gewonnene Klarheit über das Geschäft.

„Wenn ein Unternehmen keine Prognose abgibt, liegt die Messlatte für positive Überraschungen sehr niedrig“, sagt Schwarz. Somit kann der Verzicht auf eine Prognose für die Kursentwicklung mittelfristig hilfreich sein: Im Jahresverlauf liefen Commerzbank, Intel und SAP plötzlich deutlich besser als der Markt. So legte Intel seit Juli um 60 Prozent zu, während das Kursbarometer Nasdaq Composite knapp 20 Prozent gewann. SAP-Aktien stiegen im selben Zeitraum um mehr als 30 Prozent, Commerzbank-Titel um etwa 25 Prozent – der Dax dagegen um weniger als 20 Prozent.

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