Finanzexperte einmal anders
„Wir werden deutliche Korrekturen sehen“

Ständig ins Depot schauen? Das muss nicht sein. Christine Bortenlänger erklärt ihre langfristige Anlagestrategie, wieso das Verlustrisiko mit der Zeit auf Null sinkt und warum sie lieber Börsenbücher als Romane schreibt.
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An Literatur zum Thema Wirtschaft und Finanzen gibt es keinen Mangel. Zwischen Theorie und Praxis liegen allerdings Welten. Sich an der Wirtschaft zu beteiligen und Aktionär zu werden, kommt für die meisten Deutschen nicht in Frage, „viel zu riskant“, heißt es oft. Auf der Frankfurter Buchmesse spricht Christine Bortenlänger, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts – dem Verband kapitalmarktorientierter Unternehmen und gleichzeitig Ansprechpartner für Anleger, Unternehmen, Politik und Medien – über ökonomische Bildung, eine neue Form der Altersvorsorge und die Managementvorteile von Eltern. Außerdem erzählt sie, warum sie schnöde Taschenbücher aus ihren Bücherregalen verbannt hat.

Frau Bortenlänger, Sie sind in Ihrem Beruf so etwas wie die Botschafterin der Aktie. Gerade ist Ihr Buch „Aktien für Dummies“ erschienen. Kann das die Aktienkultur in Deutschland ankurbeln?
Die Wissensvermittlung im Bereich Aktien und Börse ist mir ein wichtiges Anliegen. Aber Bücher leisten dabei leider nur einen ganz kleinen Beitrag. Aus meiner Sicht muss es vor allem auf staatlicher Seite ein Umdenken geben.

Wie sollte das aussehen?
Viele Deutsche können mit ihrer Geldanlage aktuell nicht einmal die Inflation ausgleichen. Es kann nicht im Interesse des Staates liegen, wenn die Bürger über lange Jahre einen realen Vermögensverlust erleiden. Am Ende des Tages droht Altersarmut und der Staat wird das nicht ewig ausgleichen können. Wenn die Deutschen stärker in Aktien investieren würden, käme das nicht nur ihrem persönlichen Vermögen zugute. Zugleich würde der Staat über die höhere Rendite und entsprechend höhere Steuern mitprofitieren.


Das klingt so einfach, aber wie lässt sich das erreichen?
Politiker und Bürger müssen verstehen, wie wertvoll Aktien sind. Viele tun so, als sei die Aktie furchtbar kompliziert, dabei ist das Prinzip ganz einfach: Man gibt einem Unternehmen Geld, wird Mitunternehmer und wird in Form von Dividenden regelmäßig am Gewinn beteiligt. Wenn die Kurse schwanken und mal unter den Einstiegskurs fallen, ist das auch kein Problem – solange man nicht gerade zu diesem Zeitpunkt verkauft.

Und das verstehen Politiker nicht?
Nein, ich glaube nicht, dass es alle verstehen. Und das geht nicht nur Politikern so. Viele Menschen in unserer Gesellschaft haben zwar eine hohe Bildung, aber trotzdem keine Ahnung von Aktien. Das merke ich häufig daran, wie bestimmte Begriffe verwendet werden. Viele glauben zum Beispiel, dass eine Anleihe automatisch sicherer sei als eine Aktie. Dabei besteht bei Anleihen auch das Risiko, dass der Emittent – also derjenige, der die Anleihe begibt – pleitegehen kann. Aktienfonds zum Beispiel sind Sondervermögen und gehören mir auch dann noch, wenn beispielsweise das Unternehmen, das einen Aktienfonds aufgelegt hat, pleitegeht. Aktien gibt es also in vielen Formen zu erwerben – auch für Menschen mit wenig Erspartem. Und sie sind keineswegs immer hochspekulativ.

Wenn das Unternehmen, dessen Aktie ich erworben habe, pleitegeht, ist mein Geld aber auch weg.
Deshalb sollte man auch nie sein ganzes Vermögen auf eine Karte setzen, sondern das Depot breit aufstellen. Statistisch liegt die Verlust-Wahrscheinlichkeit bei null, wenn man sein Geld in acht bis zehn Aktien anlegt, die man länger als zwölf Jahre hält. Egal übrigens, wann man eingestiegen ist. Mit jedem weiteren Jahr steigt die Wahrscheinlichkeit für Gewinne. Die durchschnittliche Rendite in dieser Zeit liegt bei jährlich vier bis sechs Prozent.


Wie also können die Deutschen zu Aktionären gemacht werden?
Das Hauptproblem ist unser System der Altersvorsorge. Jeden Monat zahlen wir in die Rentenkasse ein und das geschieht nicht einmal bewusst, sondern das Geld wird vom Arbeitgeber automatisch weitergeleitet – Arbeitgeber und Staat kümmern sich. Auch hier gibt es große Wissenslücken: Ganz viele Leute wissen nicht, dass ihre Einzahlungen wegen des Umlagesystems gleich wieder an die heutigen Rentner ausgezahlt werden. Sie denken, sie sparen die Rente an und halten ihre Rente für sicher – wenn sie immer einzahlen, muss schließlich am Ende etwas für sie rauskommen. Doch das Geld wird nicht für sie angespart, der Staat hat kein Rentensparbuch. In den USA dagegen war Altersvorsorge schon immer auch Privatsache. In den 1980er Jahren hat man das Rentensystem auf eine kapitalgedeckte Form umgestellt. Das hat zu einer stets wachsenden Zahl von Aktionären geführt.

Kommentare zu " Finanzexperte einmal anders: „Wir werden deutliche Korrekturen sehen“"

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  • Bitte richtig lesen:

    "... die man länger als zwölf Jahre hält"

    Zehn Aktien halte ich persönlich vielleicht auch etwas wenig aber schauen Sie sich doch mal das von Ihnen gewählte Beispiel an:

    http://www.comdirect.de/inf/indizes/detail/chart.html?ID_NOTATION=8941848#timeSpan=SE&e&

    Dividenden sind in diesen Chart noch nicht mal enthalten

  • Das Beispiel Dax von 2000 bis irgendwo hinkt,
    denn Sie würden die Aktien kritiklos kaufen und verkaufen. Die meisten Aktien im DAX bringen kaum Dividende. Wieso, wie in Ihrem Beispiel, sollte
    ich sie dann kaufen? Lufthansa z.B. ist doch tötlich.
    Versuchen Sie Ihr Beispiel mal mit einer Dividendenrendite beim Kauf von brutto ca 5%.

  • Die Dame macht es sich recht einfach mit ihrer positiven Einstellung zu Aktien. Seit dem Höchststand vom Jahr 2000
    war der deutsche Aktienindex -Dividendenausschüttungen mit eingerechnet- bis zum Jahr 2014 nur um 30 Prozent gestiegen. Gleicht kaum die Inflation aus. Nun droht schon wieder ein Rückgang, ich würde tippen auf irgendwo um die 4000 Indexpunkte. Soviel Volantilität bei sowenig Anstieg ist gerade für die Altersvorsorge Gift. Ich tue mir das jedenfalls nicht an

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