Fitnesskur deutscher Firmen
Hedge-Fonds-Manager sehen Potenzial für europäische Aktien

Hedge-Fonds sehen gute Chancen für eine Fortsetzung des Kursaufschwungs an den europäischen Aktienmärkten. Besonders für Deutschland sind die meisten Experten positiv gestimmt. Die Portfolios dieser weitgehend unregulierten Kapitalsammelstellen weisen derzeit mehr Kauf- als Verkaufspositionen auf.

HB FRANKFURT/M. Die vom Handelsblatt befragten Hedge-Fonds-Manager nennen folgende Gründe: Europäische Aktien seien niedriger bewertet als US-Titel; die Firmen hätten Effizienz und Unternehmenswert gesteigert; zudem sprächen die weltweit hohe Liquidität sowie saisonale Effekte vor dem Jahresultimo für steigende Kurse.

„Wir beobachten bei unseren Long/Short-Equity-Managern eine Übergewichtung auf der Kaufseite“, sagt Christian Benigni von der Hedge-Fonds-Gruppe GLG Partners. Bei dieser Strategie kaufen Fondsmanager unterbewertete Aktien, wobei sie auf steigende Kurse setzen (long), und tätigen Leerverkäufe überbewerteter Aktien, wobei sie fallende Kurse erwarten (short). Die Long/Short-Equity-Strategen „sind derzeit in Europa überwiegend long“, sagt auch Adrian Gmür von RMF. RMF ist eine Tochter der Man Group, die mit einem verwalteten Vermögen von 44,4 Mrd. Dollar die weltweit größte Hedge-Fonds-Anbieterin ist.

Eine nicht ganz so positive Sicht der Märkte hat allerdings Karin Reinecker vom deutschen Hedge-Fonds-Pionier CAI in Frankfurt. „Wir haben unsere Short-Positionen zuletzt zwar weiter reduziert, sind allerdings nach wie vor überwiegend negativ zu Aktien eingestellt“, sagt die Expertin. Ihr Argument: Europäische Aktien seien nicht mehr länger unterbewertet. Negativ eingestellt ist die Expertin weiterhin zu Aktien konsumnaher Branchen. Eine anhaltend positive Meinung hat sie dagegen über Aktien der Energiebranche.

Neben der Strategie Long/Short-Equity existieren im Hedge-Fonds-Spektrum auch andere aktienbezogene Strategien wie „Distressed Securities“ und „Event Driven“, bei denen Hedge-Fonds in Aktien von finanziell angeschlagenen Unternehmen oder von Übernahmekandidaten investieren. Bei diesen Strategien haben Hedge-Fonds in jüngster Zeit verstärkt auf Europa – und nicht zuletzt auch auf Deutschland – gesetzt. Denn hierzulande sorgen noch immer zahlreiche Unternehmensrestrukturierungen für Spekulationen auf steigende Kurse, wie Andrea Redling sagt, die für Cantor Fitzgerald in London die Aktivitäten der Hedge-Fonds-Manager beobachtet.

An den angelsächsischen Finanzmärkten werde mit großem Interesse registriert, dass sich deutsche Unternehmen zum Beispiel von unrentabel erscheinenden oder nicht zum Kerngeschäft gehörenden Unternehmensbereichen trennten oder aber sich insgesamt schlanker und damit effizienter aufstellten, hieß es von anderer Seite. „Diese Aktivitäten werden im Ausland mit sehr großer Aufmerksamkeit verfolgt“, sagt Hedge-Fonds-Experte Benigni.

Jürgen Bulling von ABN Amro verweist darauf, dass einige Hedge-Fonds auch auf saisonale Faktoren – wie den Jahresultimo-Einfluss – bei der Umsetzung der Strategie achten. In der Vergangenheit sind die Aktienkurse in den Wochen vor der Jahreswende stark gestiegen, weil die Märkte zu dieser Zeit stets sehr liquide sind. RMF-Experte Gmür betrachtet dies allerdings als einen zum gegenwärtigen Zeitpunkt eher zu vernachlässigenden Faktor. „Kaufargumente für Hedge-Fonds waren in jüngster Zeit vor allem die auf mehr Effizienz hinauslaufenden Entflechtungen und Restrukturierungen der Unternehmen“, sagt Gmür.

Die Strategie „Distressed Securities“ brachte nach Branchenangaben im bisherigen Jahresverlauf auf annualisierter Basis mit 14,6 Prozent die höchste Rendite ein. Die Manager, die auf „Event driven“ setzten, erzielten 12,1 Prozent. „Long/Short-Equity kam auf 7,9 Prozent.

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