Geldanlage
Kater nach der Börsenparty

Günstige Gelegenheit zum Einstieg oder das Ende der jahrelangen Börsenparty - der weltweite Kurseinbruch der Aktienmärkte verunsichert die Anleger. Worauf sich Investoren jetzt vorbereiten sollten.
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Frankfurt am Main, 12.30 Uhr. In den Kantinen der Banktürme und in den eleganteren Restaurants der Innenstadt bietet sich dieser Tage ein ungewohntes Bild: Es bleiben viel mehr Plätze frei als sonst. "Kein Aktienhändler hat Zeit, mittags essen zu gehen", spottet ein Hedge-Fonds-Manager, der längst auf fallende Kurse gesetzt hat. In der Tat: Ein gemütlicher Lunch könnte für den Arbeitgeber besonders teuer werden. Kehrt der Händler an den Bildschirm seines Arbeitsplatzes zurück, kann schon viel Geld weg sein. So wie an einem Donnerstag kürzlich, als der Deutsche Aktienindex Dax allein zwischen 12 und 14 Uhr knapp 175 Punkte verlor - 2,6 Prozent.

Einen Schuldigen für die Misere haben die Spötter auch schon ausgemacht: Es sind nicht die Chinesen, deren Kursrutsch in Schanghai eigentlich als Auslöser des Kurssturzes gilt. Es ist auch nicht der frühere US-Notenbankchef Alan Greenspan, dessen Warnung vor einer Rezession die Angst befeuerte. Nein, schuldig ist nach Ansicht der abergläubischen Händler Reto Francioni. Als der Chef der Deutschen Börse zusammen mit Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth das renovierte Handelsparkett einweihte, läutete er die Börsenglocke statt über dem Kopf nur in Brusthöhe und mit der Öffnung nach unten. Dabei weiß jeder erfahrene Börsenparkettarbeiter: Glocke oben bringt steigende, Glocke unten fallende Kurse.

Und nur einen Tag später fielen die Kurse tatsächlich, um rund drei Prozent. Bis zum Donnerstag hatte sich das Minus auf 6,4 Prozent ausgeweitet. Nun fragen sich die Anleger: Ist das nur eine Verschnaufpause oder die Wende, der Beginn einer Baisse? "Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass europäische Aktien für die nächsten drei bis sechs Monate ihren Gipfel gesehen haben", so die Londoner Analysten der Investmentbank Morgen Stanley in einer ersten Einschätzung. In den nächsten zwölf Monaten trauen sie europäischen Aktien nur noch sechs Prozent Potenzial zu - recht wenig im Angesicht der bestehenden Risiken.

Die bestanden die ganze Zeit schon: der wieder gestiegene Ölpreis, die wirtschaftliche Abkühlung in den USA, Krise und Kriegsgefahr in Iran und Afghanistan, dazu das hohe Volumen kreditfinanzierter Aktienkäufe. "Investoren haben die Risiken vernachlässigt und es sich lange bei stetig steigenden Kursen gemütlich gemacht", sagt Rolf Elgeti, Londoner Aktienchefstratege der Bank ABN Amro.

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