Geldvermögen der privaten Haushalte nimmt zu
Viele Sparer sparen am guten Rat

Das Geldvermögen der Deutschen steckt überwiegend in niedrig verzinsten Versicherungen und Sparbriefen, doch mehrere tausend Euro für einen fachkundigen Vermögensplan auszugeben, ist den meisten Bürgern zu viel.

Im Sparen sind die Deutschen gut. Gut zehn Prozent des Bruttoeinkommens legen sie auf die hohe Kante, mehr als die meisten Europäer. Doch ob das Geld dann auch angemessen investiert wird, scheint viele wenig zu kümmern. Banken, Versicherungsvertretern und Fondsvermittlern vertrauen sie ihr Geld an. Weil sie glauben, dass es da fachkundigen Rat umsonst gibt. Doch damit wandert ein Teil des Gesparten häufig wieder zum Fenster hinaus. Denn wer kostenfrei berät, hat Interesse, eine hohe Provision über den Verkauf von Spar- und Vorsorgeprodukten zu verdienen. Schwache Leistungen fallen dabei weniger auf als noch vor drei Jahren. Bei steigenden Aktien sind die Kunden leichter zufrieden zu stellen, weil das Vermögen zumindest nicht schrumpft.

Die Summen, um welche die Branche der Finanzdiensleister und Vermögensverwalter buhlen, sind enorm. 155 Mrd. Euro haben die Deutschen 2005 gespart, die höchste Summe seit der Wiedervereinigung. Das Geldvermögen der privaten Haushalte hat im vergangenen Jahr erstmals mehr als vier Billionen Euro betragen. Vor allem das Bemühen um mehr private Altersvorsorge dürfte ausschlaggebend für die jüngste Zunahme des Sparens gewesen sein, schreibt die Bundesbank. Das Gesparte liegt dabei allerdings eher niedrig verzinst in Spareinlagen (36 Prozent), bei Versicherungen (26 Prozent), in festverzinslichen Papieren (zwölf Prozent) oder Investmentfonds (elf Prozent). Beteiligungen und Pensionsansprüche summieren sich auf neun Prozent. In Aktien – langfristig die rentabelste Anlage – stecken nach dem Schock des Neuen Marktes nur noch sechs Prozent der Vermögen.

So sparen die Deutschen viel, aber nicht unbedingt richtig. An schwach verzinsten Spareinlagen verdienen vor allem die Banken, an vermittelten Fonds auch die Fondsgesellschaften. Bei Lebensversicherungen zahlt man etwa drei Jahresbeiträge für Provision und Verwaltung. Jeder zweite lang laufende Vertrag wird vorzeitig gekündigt.

„Uns ist aufgefallen, dass sogar Kunden mit einem Vermögen von einer Million mit Produkten zugepflastert werden“, sagt Marc Overwien vom Family Office WSH, das wohlhabende Kunden berät und gleichzeitig die Leistung ihrer Vermögensverwalter prüft (siehe Tabelle). Auch der Sachverständige für Finanzdienstleistungen, Peter Sachs von Vogelsang & Sachs, stößt regelmäßig auf Beratungsfehler. „Die Berater haben aus systematischen Gründen gar keine Zeit, sich ein umfassendes Bild über die Situation der Kunden zu machen“, sagt er. Die Produktempfehlung sei dann meist dem Zufall überlassen. Jüngst kam ihm der Fall unter, dass das Vermögen einer 72-jährigen Dame fast vollständig in einem geschlossenen Immobilienfonds landete. „Jeder Friseur braucht einen Meisterbrief, doch Finanzberater kann sich jeder nennen“, sagt Sachs. Nur unabhängige Portfolioverwalter brauchen eine Zulassung der Aufsichtsbehörde BaFin. Angestellte haben die Erlaubnis schon über ihr Institut.

Schlechter Rat ist damit oft teurer als guter. Doch mehrere tausend Euro für einen fachkundigen Vermögensplan auszugeben, ist den meisten Bürgern zu viel. Da greifen manche doch lieber zu Tchibo. Die „lebenslang garantierte Rente mit steuerlichen Vorteilen im Alter“ bietet die Kaffee-Kette. Im Verkaufsprospekt ganz hinten, nach Schmuck und Trainingsanzügen für den Herrn.

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