Geschlossene Fonds
Endspurt im Fondsgeschäft

Das jähe Ende der Steuersparmodelle lässt bei Anbietern und Vertrieben geschlossener Fonds die Drähte der Telefon- und Fax-Leitungen glühen. Nur noch heute haben Anleger die Chance, mit geschlossenen Fonds steuermindernde Anfangsverluste von mehr als zehn Prozent zu erzielen. Dafür hat Finanzminister Hans Eichel gesorgt.

HB FRANKFURT. „Bei uns ist der Teufel los“, sagt Claudia Brenczewsky-Kaiser, Assistentin von Efonds-24-Chef Alexander Betz. Efonds 24 ist eine der großen Internetplattformen, über die kleine Vertriebe ihre Geschäfte abwickeln. Für die Efonds-24-Truppe sind Überstunden angesagt. „Wir sind rund um die Uhr besetzt“, verspricht Betz. Verständlich, denn so umsatzstarke Tage wie gestern und heute wird er so schnell nicht mehr erleben. Ihr Umsatzziel von 500 Mill. Euro vermitteltem Eigenkapital wird die Firma in Stegen am Ammersee dennoch verfehlen. „Die Entscheidung kostet und 100 Millionen des geplanten Umsatzes“, trauert Betz um entgangene Geschäfte.

Auch Manfred Brenneisen hält sein Büro heute bis Mitternacht besetzt. „Wenn ich mir anschaue, wie dieses Gesetz durchgezogen wird, bekomme ich einen unglaublich dicken Hals“, sagt er. Der wird beim Blick auf die eigenen Geschäfte kaum abschwellen. Der Mann, der von seiner Brenneisen Capital AG sagt, gemessen am Umsatz die Nummer zwei und in der Qualität die Nummer eins unter den beratenden Vertriebsfirmen zu sein, revidiert gerade seine Umsatzprognosen um 15 Prozent auf den Vorjahreswert von 128 Mill. Euro nach unten.

Für das Minus sorgen vor allem die ab morgen nicht mehr absetzbaren Filmfonds. Diese Fonds bieten typischerweise Anfangsverluste von 100 Prozent. Nach einer Schätzung des Verbandes Deutscher Medienfonds werden aktuell Beteiligungen im Wert von 800 Mill. Euro angeboten. Auf die gesamte Branche der Beteiligungsmodelle gesehen, schätzt Stefan Loipfinger, unabhängiger Analyst geschlossener Fonds, den Umsatzeinbruch auf 1,5 Mrd. Euro, weil auch Neue-Energien-Fonds und in einigen wenigen Fällen Immobilien- und Schiffsbeteiligungen betroffen sind.

Finanzminister Eichel hat mit seinem Vorpreschen offenbar sein Ziel erreicht. Er hat das Geschäft vor der entscheidenden Phase abgewürgt. Denn Steuersparmodelle verkaufen sich nicht anders als Bücher und Spielwaren: Kurz vor Weihnachten läuft es am besten. Die Vertriebe versuchen zu retten, was zu retten ist. Sie bombardieren potenzielle Investoren mit E-Mails und Anrufen. Dima 24, ein Online-Broker für geschlossen Fonds, richtete bereits am Dienstag um 13.00 Uhr eine „Sonderhotline für Regierungsopfer“ ein.

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