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Gillette spürt den Druck der Konkurrenz

Analysten halten die Aktie des Rasierklingenherstellers für recht teuer. Zumal der Wettstreit um des Mannes Bart härter wird.

HOUSTON. Die zwei größten US-Rasierklingenfirmen wetzen die Messer: Seit Jahrzehnten ist Gillette der unumstrittene Weltmarktführer, doch das will Konkurrent Schick-Wilkinson Sword mit seinem neuen Vier-Klingen-Nassrasierer „Quattro“ schon bald ändern.

„Bisher hat Schick immer nur die Billigversion von den Produkten geliefert, die Gillette auf den Markt bringt“, sagte Ken Harris von der Beratungsfirma Cannondale Associates der Nachrichtenagentur Reuters. Doch der Quattro, der seit wenigen Tagen in den US-Supermarktregalen steht, ist eine Neuheit: Er lässt vier Klingen gleichzeitig über die Bartstoppeln gleiten.

Prompt rüstet Gillette auf: Verstärkte Reklamekampagnen, Rabattgutscheine und sogar ein Gerichtsverfahren gegen Schick wegen Patentverletzungen sollen den eigenen Marktanteil sichern.

Denn seit der Quattro-Markteinführung in der vergangenen Woche fällt Gillettes Aktienkurs, und auch die Analysten bewerten die Chancen für den Branchenführer zurzeit zurückhaltend. „Der Markt hat die problematischen Geschäftsbedingungen offenbar noch nicht vollständig eingepreist, unter denen Gillette unter anderem wegen der steigenden Konkurrenzfähigkeit von Schick leidet“, sagt Analyst William Pecoriello von Morgan Stanley.

Selbst die Gillette-Manager erwarten, dass die Produktoffensive des Konkurrenten in diesem und im nächsten Jahr den Gewinn je Aktie um einige Cent drücken könnte.

Ann Lefever von Lehman Brothers schätzt, dass Schicks Quattro- Umsatz bereits im ersten Jahr 90 Mill. bis 130 Mill.$ erreichen könnte, was etwa 6 bis 9 % des gesamten US-Bedarfs an Rasierern für Männer entspräche. Der Weltmarkt des Rasierer- und Klingengeschäfts liegt bei etwa 6 Mrd. Dollar.

Morgan-Stanley-Analyst Pecoriello empfiehlt Anlegern daher in seiner Ersteinschätzung der Aktie, Gillette im Portfolio unterzugewichten. Insgesamt raten zurzeit nach Angaben des Finanzdienstes Thomson Financial drei Analysten zum Verkauf, sieben zum Halten und vier zum Kauf von Gillette-Titeln.

Zudem bewegt sich der Aktienkurs im Moment trotz der jüngsten Verluste bei rund 32 Dollar – also noch immer nahe des Zwölfmonatshochs vom Mai. „Gillette war schon bei rund 30 Dollar fair bewertet“, sagt Analystin Carol Wilke von Merrill Lynch. „Denn das Unternehmen macht zwar eindeutig Fortschritte bei den Kostensenkungen und kehrt langsam auch wieder zu einem soliden und gleichmäßigen Wachstum zurück. Aber der Rasierer- und Klingenmarkt bleibt in den nächsten anderthalb Jahren heiß umkämpft.“

Dieser Kampf birgt Risiken für Gillette. Denn bisher seien Umsatz und Gewinn unter anderem durch clevere Markteinführungen und Produktverbesserungen gewachsen, sagt Analyst Pecoriello. Er schätzt, dass drei Viertel aller Artikel, die Gillette neu auf den Markt bringt, dauerhaft überleben. „Das ist das zweitbeste Ergebnis in der Haushalts- und Körperpflegegruppe, und bei keinem anderen Unternehmen tragen diese Neueinführungen so stark zum Umsatz bei wie bei Gillette mit 18 %“, sagt er. „Das hat zur Folge, dass das Unternehmen jetzt mehr Risiko trägt, weil Schick so viel Konkurrenzdruck mit neuen Produkten erzeugt wie nie zuvor.“

Dennoch blickt die Geschäftsleitung offenbar optimistisch in die Zukunft: Gillette-Chef James Kilts deckte sich im August mit Aktien des eigenen Unternehmens ein. Er kaufte etwa 28 000 Papiere, was nach Angaben von Thomson Financial in der traditionsreichen Geschichte Gillettes einer der zehn größten Zukäufe durch einen leitenden Angestellten war. Experten werten einen solchen so genannten Insiderkauf als positives Zeichen.

Auch das Unternehmen will eigene Aktien kaufen. Vergangene Woche gab Gillette bekannt, dass der Vorstand den Rückkauf von etwa 50 Mill. Papieren genehmigt habe.

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