Grünes Denken soll Wettbewerbsvorteile bringen
Fondsbranche setzt auf mehr Nachhaltigkeit bei Immobilien

Warum beschäftigt sich ein Immobilienfondanbieter neuerdings mit Nachhaltigkeit? Weil dies für langfristig agierende Investoren eine Möglichkeit ist, „sich nicht nur verantwortlich zu verhalten, sondern auch einen deutlichen Wettbewerbsvorsprung zu realisieren“, begründet Thomas Beyerle, Leiter des Research der Deutschen Gesellschaft für Immobilienfonds (Degi).
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Die Allianztochter berücksichtigt Nachhaltigkeit jedoch in ihren zwei Fonds nicht. Das werde sich aber ändern, sagte Beyerle dem Handelsblatt. Zunächst soll es für Neubauten Kriterien geben, die in die Anlageentscheidungen einfließen. Ein Themenfonds, der diesen Aspekt in den Mittelpunkt seiner Vertriebsaktivitäten stelle, sei aber nicht geplant.

Auf dem deutschen Immobilienanlagemarkt spielt das Thema bisher keine Rolle. Und nur wenige Investoren achten bei eigenen Gebäuden systematisch darauf. Erste ausländische Banken jedoch geben Anlegern entsprechende Empfehlungen. „Weltweit haben wir fünf Immobiliengesellschaften in das nachhaltige Anlageuniversum ausgewählt: British Land, Land Securities und Hammerson aus Großbritannien, Investa Property aus Australien und Mitsubishi Estate aus Japan“, berichtet Simone Schärer, Analystin der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

In anderen Branchen hat ökologisch und sozial verantwortliches Wirtschaften bereits eine große Bedeutung. Dazu trugen Nachhaltigkeitsratings, Indizes und Anlageprodukte beträchtlich bei. Das „Socially Responsible Investment“ (SRI) boomt und beläuft sich allein in Europa auf mehr als eine Billion Euro.

Das in Publikumsfonds auf dem deutschsprachigen Markt verwaltete Volumen stieg seit 2000 von 1,6 Mrd. Euro bis Ende Juni auf 27,1 Mrd. Euro, wie das Sustainable Business Institut in Oestrich-Winkel berichtet. Hohe Nettozuflüsse, der Wertzuwachs und die Zulassung ausländischer Fonds summieren sich. Anleger können unter 158 Fonds wählen. Hinzu kommen Spezialfonds und Mandate zum Portfoliomanagement für Institutionelle in Milliardenhöhe. Rund sechs Mrd. Euro verwalteten deutschsprachige Finanzinstitute Ende 2005 in Mandaten, so das Forum Nachhaltige Geldanlagen. Seither kamen große Beträge hinzu. Viele Institutionelle drängen Unternehmen auch direkt zu nachhaltigerem Wirtschaften.

Die meisten für SRI genutzten Nachhaltigkeitsratings basieren auf der „Best-in-class“-Methode. Sie filtert aus jeder Branche – auch der umstrittenen Ölindustrie – die Unternehmen mit den besten Umwelt- und Sozialleistungen. Viele Fonds haben deutlich strengere Kriterien.

In der Summe wirkt SRI auf Unternehmen in doppelter Weise: erstens durch die Anlegerentscheidungen und zweitens über die Ratings. Denn die Analysten geben den Firmen konkrete Impulse, wo sie höhere Leistungen erbringen können. Die Unternehmen strengen sich an, um die Messlatte zu erreichen, denn eine Notierung in nachhaltigen Indizes und Fonds gilt als Gütesiegel. Zudem beachten vermehrt klassische Vermögensverwalter die Ratings bei Anlageentscheidungen.

Dies wird auch die Immobilienbranche beeinflussen. Manche ausländischen Immobiliengesellschaften beachten Nachhaltigkeit bereits bei Planung, Bau und Betrieb von Gebäuden und informieren ihre Investoren darüber. Nachhaltige Anlagen werden sich auf Immobilien ausweiten, erwartet George Möller, Vorstandschef des niederländischen Vermögensverwalters Robeco. Auch darum können sich Baubranche, Immobilienfirmen und hierauf spezialisierte Vermögensverwalter nicht länger dem Klimaschutz und den Nachweisen wirtschaftlicher Investitionen in Umweltschutz und Sozialverträglichkeit entziehen.

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