Heiße Phase der Berichtssaison
Dax-Ausblick: Skepsis regiert

In der heißen Phase der Berichtssaison zur Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Quartal trauen viele Aktienstrategen dem Deutschen Aktienindex (Dax) kaum mehr Kurssprünge nach oben zu. Vielmehr könnten verhaltene Geschäftsausblicke der Konzerne die Kurse in der kommenden Woche, wenn nach SAP nun auch andere Dax-Firmen ihre Zahlen veröffentlichen, drücken, sagen Marktteilnehmer.

Reuters FRANKFURT. „Gemessen an den hochgesteckten Zielen dürfte die laufende Berichtssaison immer wieder zu Enttäuschungen führen, die den Anlegern den Mut nehmen, größere Investitionen in den Aktienmarkt zu tätigen“, schreiben die Analysten der Bankgesellschaft Berlin in einer Studie. Gewinnsteigerungen dürften in erster Linie auf Kostensenkungen und nicht auf einer Belebung des Geschäfts beruhen. Christian Schmidt, Marktanalyst bei der Helaba in Frankfurt, ergänzt: „Die Anleger werden genauer über die Zahlen nachdenken und feststellen, dass die Euphorie im Vorfeld zu groß gewesen ist.“

Seiner Einschätzung nach wird der Dax auf Sicht von vier bis sechs Wochen nicht weiter steigen. Derzeit tendiert Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer bei rund 3 340 Zählern und hat sich damit im Verlauf dieser Woche per saldo kaum verändert, seit Mitte März jedoch mehr als 50 Prozent zugelegt. Viele Marktteilnehmer rechnen mit einer Dax-Konsolidierung bis zur 3 000-Punkte-Marke. „Wenn sich die Konjunkturdaten aber in Richtung einer wirtschaftlichen Belebung verdichten sollten, kann der Dax bis Ende des Jahres durchaus auf 3 800 Punkte steigen“, prognostiziert der Aktienstratege Roland Ziegler von der ING BHF-Bank.

Quartalszahlen im Rampenlicht

Im Mittelpunkt der Börsenwoche werden unter anderem die Quartalsberichte der Technologiefirmen Infineon und Siemens stehen. Der Chip-Produzent Infineon will am nächsten Dienstag Eckdaten für das dritte Quartal 2002/03 vorlegen. Trotz niedrigerer Speicherchip-Preise hat Infineon von Anfang April bis Ende Juni Analysten zufolge den Verlust verringert. Grund dafür dürften neben dem Wegfall von Sonderbelastungen geringere Verluste in den beiden Kommunikationsbereichen sein.

Am Donnerstag folgen dann die Zahlen des Elektronikriesen und Infineon-Großaktionärs Siemens. Analysten werden dabei vor allem auf Restrukturierungserfolge in den Kommunikationssparten und beim IT-Dienstleister Siemens Business Service (SBS) achten.

Auch Auto-Hersteller berichten

Geschäftszahlen werden darüber hinaus am Donnerstag beziehungsweise am Freitag von den beiden Automobil-Produzenten Daimler-Chrysler und Volkswagen erwartet. Bei Daimler sorgen sich Analysten primär um die US-Tochter Chrysler. „Wir erwarten für den Konzern im zweiten Quartal vor dem Hintergrund der jüngsten Gewinnwarnung bei Chrysler - operativer Verlust von einer Milliarde Euro im zweiten Quartal - einen Rückgang des operativen Ergebnisses um 79,1 Prozent auf 351 Millionen Euro“, sagt der WGZ Bank-Analyst Tino Morgner. Interessant seien zudem Aussagen des Managements zur Kostenreduzierung bei Chrysler, um das derzeit noch ambitioniert erscheinende Gesamtjahresziel eines ausgeglichenen Ergebnisses zu erreichen.

Bei Volkswagen (VW) hat sich der operative Gewinn nach der Prognose von Patrick Juchemich, Analyst bei der Privatbank Sal. Oppenheim, im zweiten Quartal fast halbiert. „Der Großteil geht dabei auf die unvorteilhafte Wechselkursentwicklung und Kosten für die Einführung neuer Modelle zurück“, erklärt Juchemich. Die starke Aufwertung des Euro zum Dollar seit Jahresbeginn hat die VW-Exporte auf den wichtigen US-Markt verteuert. VW ist im Vergleich zu den anderen Auto-Herstellern nur schwach gegen Wechselkursveränderungen abgesichert.

Von den Unternehmen aus dem Nebenwertesegment MDax legen am Donnerstag Merck und Heidelberger Druckmaschinen Quartalszahlen vor.

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