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Hendrik LeberAcatis Anlageberatung, Frankfurt

Im Hochparterre der Gründerzeitvilla, nahe des Frankfurter Palmengartens, heitert die bunte Pop-Art-Galerie von Lebers Ehefrau Claudia die nüchterne Büroatmosphäre auf. Richtig in Fahrt kommt der hochgewachsene Leber aber nicht bei der Kunst, sondern wenn es um aussätzige Krisenpapiere wie KarstadtQuelle geht. Während andere Investoren die Papiere des Handelskonzerns nicht mit der Kneifzange anfassen, hat Leber richtig zugepackt. Gleich 8,8 Prozent seines Fonds Acatis Aktien Global UI investierte er in den Turnaround-Kandidaten. "Nicht das Geschäftsmodell, sondern die Immobilien in bester Lage haben uns gereizt", begründet Leber seinen riskanten Coup.

Mutig wie er ist, erklärt er das Risikomanagement seines Fonds zur Nebensache und nimmt höhere Wertschwankungen in Kauf. "Wer bei uns investiert, sollte einen langen Atem haben", sagt Leber. Die Kunden vertrauen ihm offensichtlich: Gegen den Markttrend flossen den Acatis-Fonds im ersten Halbjahr 2005 etwa 54 Millionen Euro zu. Das entspricht einem Zuwachs von einem Viertel gegenüber dem Vorjahr. Auch die übrigen Acatis-Zahlen können sich sehen lassen. So legte der Acatis Aktien Global UI in den vergangenen drei Jahren um durchschnittlich 14,8 Prozent zu und gehört damit zu den zehn besten international anlegenden Aktienfonds. Den größten Rückenwind verdankt der Fonds dem US-Energieversorger Mirant mit plus 70 Prozent und KarstadtQuelle, die um 37 Prozent kletterte.

Immer das letzte Wort

"Beide Titel sind klassische Substanzwerte, wie sie auch Warren Buffett gekauft hätte", sagt Leber. Der promovierte Betriebswirt ist einer der vielen Anhänger des milliardenschweren Investors aus Omaha. So findet sich in Lebers Fonds meist eine große Portion von Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway. "Allerdings hätte ich Coca-Cola nicht 20 Jahre gehalten", grenzt Leber sich vom Altmeister ab. Vom Klammern an starken Marken hält der gebürtige Essener nicht viel. So schmiss er vor zwei Jahren General Electric aus dem Depot. "Die interne Verzinsung des Kapitals war einfach zu gering."

Ob General Electric oder KarstadtQuelle, das letzte Wort hat immer der 48-Jährige. Diskussionsfreudige Anlageausschüsse sind nicht sein Ding. Einen anderen, der den Takt angibt, schätzt er nur nach Feierabend - als Chorsänger den Dirigenten der Frankfurter Kammeroper.

» Frank R. Lingohr
Lingohr & Partner Asset Management, Erkrath

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Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 30 vom 21.07.2005 Seite 86 - 89

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