Industriewerte profitieren vom Trend sinkender Personalkosten – Unternehmen erzielen leichter Gewinne
Mehrarbeit lässt Aktienkurse steigen

Karstadt-Quelle, Siemens, VW: Das Thema „Reduzierung der Lohnkosten“ steht derzeit bei nahezu allen großen deutschen Aktiengesellschaften weit oben auf der Agenda.

FRANKFURT/M. Arbeitszeitverlängerung, Urlaubskürzung sowie Einschnitte beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld sind dabei die stets gleichen Vorschläge der Unternehmen, sollen Entlassungen verhindert werden. Bei Daimler-Chrysler, Continental und Siemens wurde bereits die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich verlängert. Gleiches ist bei Volkswagen denkbar, sollen dort doch die Lohnkosten in den deutschen Werken in den nächsten sechs Jahren von 6,8 Mrd. auf 4,8 Mrd. Euro gedrückt werden. Am 5. Oktober wird weiter verhandelt.

Am Aktienmarkt sieht man dies durchaus mit Wohlwollen. „Eine Tarifrunde stellt im Gegensatz zu früher momentan kaum eine Belastung mehr dar, sondern bringt tendenziell positive Signale“, sagt Tammo Greetfeld von der Hypo-Vereinsbank. Die dadurch gewonnene Flexibilität bedeutet für die Aktienmärkte mittelfristig einen spürbaren Anstieg der Unternehmensgewinne, die wiederum einen Puffer gegen fallende Umsätze und steigende Sachkosten bieten können.

Die Experten von Commerzbank Securities haben dazu ein interessantes Modell vorgelegt. Das Beispiel dafür ist der Siemens-Konzern, der angekündigt hat, die Lohnkosten um 20,8 Prozent reduzieren zu wollen. Angenommen, dass Umsätze und Materialkosten konstant blieben, würde dies den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um mehr als 30 Prozent steigern. Selbst im Falle, dass die Umsätze bei konstanten Materialkosten um zehn Prozent fallen sollten, wäre ein Zuwachs des Ebitda zu verzeichnen. „Wir erwarten, dass dies bereits in den nächsten 18 bis 24 Monaten zu einer Steigerung des Gewinns je Aktie führen wird“, sagt Kevin Baker von der Commerzbank.

Allerdings haben viele Anleger noch gar nicht realisiert, wie groß der Einspareffekt und damit die Auswirkung auf den Gewinn ist. „Die Kunden halten das mögliche Einsparpotenzial durch die Lohnkostensenkung eher für einen langfristigen Effekt“, sagt Carsten Klude vom Hamburger Bankhaus M.M. Warburg. Es ist seiner Ansicht nach jedoch gerade bei ausländischen Investoren eine positive Resonanz auf die Veränderungen in deutschen Großkonzernen spürbar.

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