Inflation
Wenn sich Geld in Luft auflöst

Die Angst der Deutschen vor Inflation sitzt tief. Sie fürchten, dass das Ersparte durch Geldentwertung aufgefressen wird. Woher kommt diese Angst? Und wie berechtigt ist sie?
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Düsseldorf, FrankfurtEuropa hat einen riesigen Schuldenberg angehäuft. In zehn Jahren sind die Schulden in der Euro-Zone fast auf das Doppelte angewachsen. Zu lange haben die Staaten über die Verhältnisse gelebt, und mussten auch noch für die Rettung von Banken teuer bezahlen. Am Ende wird jemand für diese Schulden aufkommen müssen. Wer dieser jemand wird, ist auch schon klar: jeder Bürger, Sparer, Arbeitnehmer. Die Frage ist nur, auf welche Art und Weise. 

Würde man die Schulden des Staates auf die Bürger umrechnen, dann wäre jeder Deutsche mit einem Schlag mit 25.000 Euro verschuldet. Wenn der Euro-Rettungsschirm hinzukommt, wächst dieser Betrag über die Garantien des Bundes auf 30.000 Euro an. Eine vierköpfige Familie ist demnach mit mehr als 120.000 Euro verschuldet. „Viele deutsche Familien wären sofort insolvent, wenn sie zusätzlich zu ihren sonstigen Lasten diese Schulden bezahlen müssten“, sagt Jörg Schubert, Vorstand der Bantleon Bank.

Die wenigsten Experten glauben, dass sich die Schulden allein durch Sparmaßnahmen in den Griff bekommen lassen. Erstens sind Sparmaßnahmen - die Kürzung von Löhnen und staatlichen Leistungen sowie Steuererhöhungen – nicht gerade einfach durchzusetzen. Zweitens können sie eine schwächelnde Volkswirtschaft erst Recht abwürgen. Aber was ist die Alternative?

Ein harter Schnitt ist die eine Möglichkeit, die Schulden zu reduzieren. Der Schuldner erklärt, dass er seine Schulden oder einen Teil davon nicht mehr zurückzahlen wird. Den Schaden haben die Gläubiger - nicht nur die Großkopferten, sondern auch die kleinen Sparer. Sie sind entweder direkt betroffen, wenn sie entsprechende Staatsanleihen gekauft haben, oder indirekt, wenn ihre Lebensversicherung in eben diese Papiere investiert hat. Im Fall von Griechenland soll diese Variante durchexerziert werden. Doch die Widerstände sind groß. Einen solchen Schuldenschnitt dürfte es so schnell nicht wieder geben, schon gar nicht für größere Staaten.

Die andere Möglichkeit der Entschuldung geht über Inflation. Ein paar Jahre mit höherer Inflation - schon fällt die Tilgung der Schulden leichter, das Vermögen der Sparer allerdings schmilzt dahin. Während eine Staatspleite mit einem Schlag kommt, zehrt Geldentwertung das Vermögen schleichend auf. Das Ergebnis ist zwar dasselbe. Aber für die Politik dürfte dieser Weg der verlockendere sein, da niemand dem Wähler erklären muss, warum das Geld mit einem Mal weg ist.

Für den Staat hätte das nicht nur den Vorteil, dass die Zinslast nicht mehr so bedrohlich erscheint, die allgemeine Teuerung führt auch dazu, dass mehr Menschen mehr Steuern bezahlen. Schließlich basiert das Steuersystem auf nominalen Größen. Wenn sich das Durchschnittseinkommen auf dem Papier erhöht, muss ein höherer Anteil an Steuerpflichtigen den Maximalsatz bezahlen; Stichwort: „kalte Progression“.

Kommentare zu " Inflation: Wenn sich Geld in Luft auflöst"

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  • --@ Stubi, airscape


    ich verdiene Unix daran, wenn andere Short- / Long gehen.

    Jeder ist letztendlich für sich und sein Leben selbst verantwortlich. Aber es gibt das Internet, was hervorragend gut ist, wenn man sich informieren will, oder wenn es darum geht, wie man sein Geld für sich arbeiten lässt.

    Interactivebrokers (IB) ist nur eine von vielen Möglichkeiten, wie man im Minutentakt sein Geld in andere Währungen oder Anlagen umschichten kann. Dass es keine (TOD-) sichere Anlagen gibt, sollte jeder wissen. Es gibt auch mit IB keine Garantie, denn es ist nur eine Internetbroker und kein Sorglospaket.

    Achja, ich verdiene nix dran und ich selbst bin auch bei einem anderen Broker, der aber fast identisch dazu ist.

    Aber bitte hört endlich auf zu Jammern und bewegt Euren A....
    Nur die (arbeits- und denk-) Faulen werden betraft, wenn Veränderungen kommen. Die anderen aber haben gerade heute 100.000 Chancen, wie sie IMMER Sieger sind.

  • Dem von Ihnen unterstellten Irrglauben bin ich nicht verfallen. Ich wollte in etwa auf den Sachverhalt hinweisen, der im Buch "Das Geldsyndrom" von Helmut Creutz im Kapitel "Der Zins und andere Fehlstrukturen" unter der Überschrift "Gab es irgendwann zinsfreie Zeiten" als extremes Beispiel in diese Richtung weist: Erzbischof Wichmann von Magdeburg hat als erster mit der Einführung der Brakteaten im Jahre 1154 den "Verruf" zur Regel gemacht. Der Verruf war die zeitlich begrenzte Gültigkeit von Münzen, die nach Ablauf der Gültigkeitsdauer entweder ihren Wert vollständig verloren oder gegen andere Münzen geringeren Wertes eingetauscht werden konnten.
    Was man damit bezwecken wollte, war wahrscheinlich die Finanzierung des Staatshaushaltes. Der Nebeneffekt dieses Brakatengeldes, das sich in ganz Mitteleuropa ausbreitete war, dass das Geld in Umlauf war. Man konnte es verleihen - damit hatte ein anderer den Schwarzen Peter. Jeder war daher darauf aus, dieses Geld vor dem Verfallstermin "auszugeben". In einer Harvard-Studie wird diese Zeits als die wohl glücklichste der Menschehit bezeichnet.

  • @ Pro-D

    Was soll denn das fuer eine Alternative sein?!
    Interactivebroker?! Und dann glauben Sie, dass sie ihr Vermoegen umgeschichtet haben?! Sofern dieser Interactivebroker selbst die Krise uebersteht, kann man zumindest die eventuellen Wechselkursgewinne mitnehmen. Aber wenn es hart auf hart kommt, hat man sich halt nur ein Versprechen eingekauft. Und wie bei allen Versprechen sollte man mal genauer beleuchten, ob dieser Jemand sein Wort auch halten wird oder halten kann.
    Wenn ich jemandem Geld anvertraue, dann muss ich erstmal ueberzeugt werden, dass ich dieses von Selbigem auch wiedersehe. Egal ob Bekannter, Bank, Unternehmer oder windiger Interactivebroker.

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