Interessante Einstiegskurse
Europas Tech-Werte haben noch Potenzial

Die Tendenz ist eindeutig: Wegen der erwarteten Abkühlung der Wirtschaft im kommenden Jahr raten die Strategen der großen Banken künftig zu defensiven Titeln und weniger zu den schwankungsanfälligen Zyklikern. Einzige Ausnahme: Technologie-Aktien.

FRANKFURT. Hier sehen die Experten bei vielen Werten noch immer ausreichend Chancen für Kursgewinne. Zwar gilt es hier inzwischen deutlich stärker zu differenzieren als bisher. Mark Bryan, Software- und IT-Analyst bei der Deutschen Bank, rät aber davon ab, allzu defensiv an den Sektor heranzugehen. „Wir favorisieren Namen, die eine attraktive Bewertung verbunden mit wachsenden Gewinnen zeigen“, sagt er.

Dabei bevorzugt er den deutschen Software-Riesen SAP ebenso wie die beiden britischen Werte Sage und Logica. Gerade die SAP-Aktie hatte nach den enttäuschenden Quartalszahlen in der vergangenen Woche kräftig verloren. Damit soll nun die Basis für interessante Einstiegskurse gelegt worden sein. „Schließlich hat sich an den Fundamentaldaten nichts geändert“, sagt Raimo Lenschow von der US-Bank Merrill Lynch. Bereits im letzten Jahr haben die Walldorfer mit einem starken dritten Quartal Bedenken ausgeräumt, die nach einem schwächeren ersten Halbjahr aufgekommen waren. Lenschows Kursziel für die SAP-Aktie liegt ebenso wie das seines Kollegens von der Deutschen Bank, Mark Bryan, weiterhin bei 230 Euro. Gestern kostete die Aktie von SAP knapp 144 Euro. Doch nicht nur die Großen der Branche finden bei den Analysten wieder Gefallen. In der Empfehlungsliste des Bankhauses Sal. Oppenheim – bei den so genannten „Top Picks“ – steht beispielsweise auch die Darmstädter Software AG. Erst vergangene Woche bestätigte das Unternehmen mit soliden Quartalszahlen diese Einschätzung. Vor allem bei Softwarelizenzen hält das Wachstum an.

Noch höher als Software und IT steht derzeit der Telekommunikationssektor bei Analysten im Kurs. Als einzigen zyklischen Sektor unter ansonsten nur defensiven Branchen empfiehlt Sal. Oppenheim eine Übergewichtung von Telekomwerten. „Aktien der Branche gelten innerhalb des Technologiesektors als defensive Werte“, sagt Aktienstratege Matthias Jörss. Vor allem der hohe Anteil an liquiden Mitteln überzeugt die Experten.

In dasselbe Horn blasen auch die Analysten von Merrill Lynch, die in der letzten Woche ihre Meinung über den gesamten Sektor komplett revidiert haben. Von „untergewichten“ haben sie die Aktien der Branche gleich um zwei Stufen auf „übergewichten“ nach oben gesetzt. Der Grund: Telekom-Aktien sind im Vergleich mit dem Gewinnwachstum günstig, heißt es von dort. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11,8 für das kommende Jahr sind die Aktien so niedrig bewertet wie seit zehn Jahren nicht mehr. Außerdem liegen sie damit noch unter dem Durchschnitt aller anderen Branchen. Im breit gefassten Index Stoxx 600 beträgt das KGV im Schnitt 12,8.

Eine Entwicklung der letzten Jahre kommt den europäischen Telekomwerten zugute: Da waren sie auch zu den Zeiten, als alle anderen Branchen kräftig wuchsen, stets die großen Enttäuschung. Das soll sich nun endlich ändern.

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