Interview
„Es wird mehr Schocks und Blasen geben“

Die Exzesse der Finanzmärkte sind eine Folge davon, dass viel zu viel Geld in der Welt ist, meint Heinz-Werner Rapp, Chef-Anlagestratege bei Feri Finance. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, warum neue Spekulationsblasen unausweichlich sind, welche Märkte am gefährdetsten sind und wieso von den Notenbanken keine Gegenwehr zu erwarten ist.
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Herr Rapp, wie sieht die Zukunft an den Kapitalmärkten aus?

Ich rechne mit mehr unerwarteten Schocks an den Kapitalmärkten als in der Vergangenheit. Für die Anleger heißt das: Höhere Schwankungen bei geringeren durchschnittlichen Erträgen. Wir werden auch mehr Spekulationsblasen erleben als früher, weil wir die großen wirtschaftlichen Probleme nicht gelöst, sondern nur verschlimmbessert haben.

Was heißt das konkret?

In den letzten zehn Jahren wurden viele monetäre Fehler gemacht. Der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan hat jede Krise mit Liquidität bekämpft. Die Immobilienmalaise hat ihre Ursachen genau hier. Trotz Finanzmarktreformen haben wir mit der monetären Expansion unser Grundproblem verschärft: Es ist zu viel Geld in der Welt. Wir leben in einem Jahrzehnt finanzieller Exzesse mit massiven Aufblähungen bei Schulden, Krediten und Geldmengen. Diese Dinge spielen jetzt eine viel größere Rolle bei der Bewertung von Kapitalmärkten - das Finanzsystem wird fragiler. Und gerade die Staatsverschuldung bringt uns ein zentrales Problem. Die Erfahrung lehrt: Krisenbedingte Staatsverschuldung wird selten wieder reduziert.

Welches sind die großen Themen der kommenden Jahre?

Eines ist die Demografie. Sie wird in den nächsten Jahren zu großem Stress in den Finanzsystemen führen. Die mit der Überalterung verbundenen Kostenblöcke in den Industriestaaten muss der Staat schultern, das wird Schmerzen bereiten und bedeutet rein politisch einen Linksruck. Leider sind die Staaten genau dann in der Zwangslage, wenn sie sich selber hoch verschuldet haben. Was das langfristig bedeutet, hat der Anleiheexperte Bill Gross von Pimco vor einiger Zeit gesagt: Die USA werden in einigen Jahren vielleicht nicht mehr die Bestnote "AAA" bei der Anleihebewertung bekommen.

Und wie sieht es bei den Anlagen aus?

Die Emerging Markets und die Bric-Länder bleiben sehr spannend. Die Rohstoffthemen gehören wegen der Wachstumsdynamik der Schwellenländer und wegen ihres Rohstoffverbrauchs dazu. Und die Rohstoffmärkte können noch zehn Jahre gut laufen, aber auch Spekulationsblasen bilden. In diesem Fall müssten wir auch mit höherer Inflation rechnen. Das haben wir bereits im vergangenen Jahr erlebt.

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