Investec
Stück für Stück zum Geld

Erfolgreiche Manager halten oftmals den größten Teil ihres privaten Vermögens in Aktien der eigenen Firma; sie suchen Wege, ihr Vermögen zu diversifizieren: Mit einem Produkt auf der Schnittstelle zwischen Investment- und Privatbanking will Investec deutsche Vorstände als Kunden gewinnen.

LONDON/FRANKFURT. Die Londoner Privatbank verspreche sich gute Chancen für maßgeschneiderte Kredite, die mit Aktienvermögen besichert würden, sagte Investec-Manager David Drewienka dem Handelsblatt. „Wir haben eine Marktlücke entdeckt.“ In Großbritannien hat Investec innerhalb von zwei Jahren bereits 100 Mill. Pfund (140 Mill. Euro) solcher Kredite vergeben.

Erfolgreiche Vorstände börsennotierter Unternehmen halten oft den größten Teil ihres privaten Vermögens in Aktien ihrer Firma. Sie suchen Investec zufolge Kredite, um entweder ihre Anlagen zu diversifizieren oder auch vorzeitig an gebundenes Vermögen heranzukommen. Doch Investec leiht ihnen auch Geld, um weitere Aktien an dem von ihnen geführten Unternehmen zu kaufen oder Aktienoptionen einlösen zu können. „Der Vorteil börsennotierter Unternehmens ist, dass sie den Wert ihrer Sicherheit auf täglicher Basis ablesen können“, sagt Drewienka.

Der Kreditvergabe geht eine Analyse des Unternehmens, seines Marktes und seiner Führungskräfte voraus – wie beim Kauf einer Beteiligung durch eine Investmentbank. Investec verleiht nur Geld an Gründer, Vorstandschefs oder Finanzchefs, also an Führungskräfte, die den Erfolg des Unternehmens bestimmen. Die Spannweite für einen solchen Kredit reicht von einer Million bis zu 50 Millionen Pfund. Gerade hat Investec auch in Frankreich den ersten Kredit bewilligt – mit 30 Mill. Euro Volumen. Bei etablierten Vermögensverwaltern stößt das Konzept allerdings auf Skepsis. „Die Geschäftsidee ist für London gut, lässt sich aber nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen“, sagt ein Experte. Grund sei, dass viele Arbeitgeber Beleihungen im Rahmen ihrer Aktien-Vergütungsprogramme ausschlössen. „Das lässt sich ziemlich schwer umsetzen“, heißt es auch bei einer anderen großen Privatbanken. Anfragen von Führungskräften gebe es jedoch immer wieder.

„Es gibt in Deutschland bisher kein solches Produkt, das Investmentbanking für Privatkunden bietet“, meint Klaus Wagner. Der Rechtsanwalt und Ex–Manager der Bayerischen Vereinsbank berät Investec. Bisher bekämen bei Vermögensverwaltern nur Vorstände von Dax-30-Unternehmen Kredite auf ihre Aktienpakete, und auch das höchstens auf die Hälfte des Wertes. Zudem müssten sie damit rechnen, dass die Banken automatisch das Geld zurückforderten, wenn der Aktienkurs vereinbarte Marken unterschreite. Folglich gebe es durchaus einen wachsenden Markt für ein leichter verfügbares Produkt, ist sich Wagner sicher. Das Anlegerverhalten von Führungskräften gleiche sich dem in Großbritannien und den USA an. Die Risikofreude und die Bereitschaft zur Kreditfinanzierung wachse.

„Wertpapierkredite sind für Großbanken in Deutschland nichts Neues“, sagte indes eine Sprecherin der Dresdner Bank. Gerade bei Kunden mit komplexen Vermögensverhältnissen gehöre dies mit zum Angebot. „Wichtig ist, den richtigen Beleihungswert zu berechnen“, fügte sie hinzu. Diese Expertise sei bei der Dresdner Bank aber auf alle Fälle vorhanden.

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