Investieren in der Krise
Positionieren für die Zeit danach

Noch tobt an den internationalen Börsen ein heftiger Sturm, gleichwohl versuchen sich viele Anlageberater schon jetzt für die Zeit nach der großen Finanzkrise zu positionieren. Das geht aus einer Umfrage des Handelsblatts unter Banken, Sparkassen und privaten Vermögensverwaltern hervor.

FRANKFURT. Die Experten dort halten sich mit konkreten Orders an den Märkten zwar noch weitgehend zurück, sie nutzen indes die Zeit, um alte Strategien zu überdenken und neue auszudenken. "Wenn man bei einem Auto radikal den Rost entfernt, entstehen zwar große Löcher, doch die gesunden Teile treten gestärkt hervor", sagt Peter Huber, Vorstandschef des Oberurseler Vermögensverwalters Starcapital.

Kurzfristig bleibt für Anleger indes vielen Börsianern zufolge nur die Strategie abzuwarten. "Liquide Mittel sollten Investoren möglichst flexibel parken, um für stabilere Zeiten an den Aktienmärkten gewappnet zu sein", sagt Commerzbank-Chef-Anlagestratege Hans-Jürgen Delp. Die Aussage, die Anleger daraus für die weitere Zukunft ziehen können, ist aber eindeutig: Es geht wieder nach oben, es weiß nur noch keiner genau, wann.

Beim Bankhaus Metzler geht man deshalb davon aus, den Aktienanteil in den Kundendepots nach einige Zeit wieder aufzustocken. "Wir warten jetzt nur, bis die Sicht sich etwas aufgehellt hat", sagt Frank Naab vom Bankhaus Metzler. Den Aktienanteil in einem ausgewogenen Depot, der laut den hauseigenen Regeln bei 35 bis 65 Prozent liegen darf und der im Moment bei rund 50 Prozent liegt, wird er dann wohl weiter nach oben fahren. Zu sehr ausgebombte Industrie- und Rohstofftitel stehen dann voraussichtlich ganz oben auf dem Einkaufszettel, von Finanztiteln wird er wohl weiter die Finger lassen. Das ist bei konservativeren Berater wie bei den Investmentmanagern von ING ohnehin der Fall. "Wir sind auch weiterhin bei Aktien untergewichtet und innerhalb dieser Anlageklasse erst recht bei den Finanztiteln untergewichtet", hießt es dort.

Wer jetzt jedoch noch Finanztitel hält, der sollte sie weiter behalten. Commerzbank-Berater Delp rät davon ab, aus Sorge über größere Verluste jetzt etwa undifferenziert Finanzaktien abzustoßen. "Man kann nicht alles über einen Kamm scheren", sagt er. Die meisten Privatanleger hielten ohnehin eher von der Finanzkrise weniger direkt gebeutelte europäische Werte im Depot. Vielmehr mache es Sinn, in Absprache mit dem Kundenberater individuelle Risiken zu ermitteln und Chancen auszuloten, um zuzukaufen, wenn sich die Märkte - vermutlich erst nach einer weiteren Phase mit hoher Volatilität - wieder beruhigt hätten.

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