Investitionen
Gesunde Staatsfinanzen locken Anleger nach Skandinavien

Dank guter Staatsfinanzen setzen Anleger vermehrt auf die Währungen von Dänemark, Norwegen und Schweden. Doch wegen des schwachen Euro birgt die Strategie auch Gefahren für Investoren.
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Stockholm, FrankfurtDie Währungen aus dem Norden Europas sind in Zeiten der Euro-Krise in das Blickfeld vieler Anleger geraten. Dänische, norwegische und schwedische Kronen werden von vielen als eine sichere Anlage gesehen. Das deutlich gestiegene Interesse hat sich in den vergangenen Wochen in kräftigen Kursanstiegen widergespiegelt.

Musste man im Mai noch 9,17 Schweden-Kronen für einen Euro bezahlen, kostete die Gemeinschaftswährung Anfang August nur noch 8,23 Kronen. Ähnlich ist der Verlauf bei der norwegischen Krone. Erst in den vergangenen Wochen sind beide Währungen wieder etwas gefallen.

Bei der Dänenkrone ist das anders, da die Zentralbank in Kopenhagen die Währung mit einer Schwankungsbreite von 2,25 Prozent in beide Richtungen an den Euro gekoppelt hat.

Dass die Nord-Währungen derzeit so hoch im Kurs stehen, liegt an den gesunden Staatsfinanzen der Länder. Sie erhielten von den Ratingagenturen die höchsten Bonitätsnoten. Anleger sollten jedoch im Hinterkopf behalten, dass Norwegen und Schweden mittelfristig Probleme bekommen, sollte der Euro so schwach bleiben. Denn beide Länder sind von Exporten in den Euro-Raum stark abhängig. Es sei absolut klar, dass sich die Schwächung des Euros in einer sinkenden Nachfrage bemerkbar machen werde, meint SEB-Analyst Carl Hammer. Der Währungsexperte glaubt langfristig an einen Kurs von 8,30 bis 8,50 Kronen für einen Euro.

Für die norwegische Krone sieht Bjørn-Roger Wilhelmsen von der Swedbank in Oslo kein Steigerungspotenzial und rechnet mit rund 7,60 Kronen je Euro im dritten Quartal. Der Öl-und Gasexporteur leidet ebenfalls unter der Schuldenkrise im Euro-Raum und spürt bereits eine schwächelnde Nachfrage.

Große Schwankungen sind bei kleinen Währungen also nicht ungewöhnlich. Kleinanleger, die über Fremdwährungskonten oder Derivate investieren, brauchen wegen der geringen Liquidität der Währungen starke Nerven.

Das gilt auch für Aktien nordeuropäischer Unternehmen. Die meisten Weltkonzerne wie Electrolux, Statoil, Vestas, Volvo, Ericsson und Nokia haben im Euro-Raum ihre meisten Abnehmer. Deshalb sind sie stark abhängig von der Konjunktur dort.

Die Stockholmer Börse hat seit Jahresbeginn auch nur um rund acht Prozent zugelegt. Die Börse in Oslo gewann dagegen seit Jahresanfang etwa 16 Prozent, hauptsächlich getrieben durch Unternehmen wie Aker, Acergy, Fred Olsen Energy und TGS. Gemeinsam ist diesen Unternehmen, dass sie alle im erfolgreichen Öl- und Gassektor tätig sind. Doch auch hier gilt: Verschlechtert sich die Konjunktur, sinkt die Nachfrage nach Energie.

Die Auswahl an Anleihen in nordischen Kronen ist klein. Norwegen beispielsweise hat lediglich sechs Staatspapiere im Umlauf. Mit 1,5 Prozent für zwei Jahre und rund zwei Prozent für zehn ist relativ wenig zu holen. Bei schwedischen Bonds ist die Auswahl größer, aber die Renditen noch mauer. Volkswagen bietet für seinen Norwegen-Bond mit drei Jahren Restlaufzeit 2,5 Prozent, das gleiche Papier in Schwedischen Kronen wirft nur 1,8 Prozent ab. Die Europäische Investitionsbank bietet in Schwedischen Kronen 2,8 Prozent für acht Jahre.

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