Investmentstrategie
Deutschen ist Sicherheit wichtiger als Rendite

Sicherheit statt Rendite: Seit dem Sommer ziehen immer mehr private Anleger ihr Geld aus Investments mit Börsenrisiko ab und stecken es in sogenannte Sicherheitsprodukte wie Tages- und Festgeld. Derzeit machen sie damit nichts falsch. Doch große Teile des Anlagekapitals sollten Anleger nicht längerfristig auf Konten parken.

FRANKFURT. Damit hat sich der Trend dieses Jahres weiter verstärkt; die Mittelabflüsse aus den wichtigsten Investmentfondsgruppen dokumentieren das: Per Saldo flossen aus Aktien- und Rentenfonds bis Ende August knapp 27 Mrd. Euro ab. Im August zogen Anleger sogar aus allen Fondsgruppen insgesamt gut acht Mrd. Euro ab. Im September habe sich diese Entwicklung allenfalls abgemildert, berichten große deutsche Fondshäuser.

Stattdessen legen Investoren ihr Kapital verstärkt auf Tages- und Festgeldkonten sowie in Zertifikaten mit Rückzahlgarantie an. „Erkennbar mehr Privatkunden parken ihr Geld“, sagt Dirk Heuser, Leiter Anlagestrategie bei der Commerzbank. Auch bei der Deutschen Bank sowie anderen großen Tagesgeldanbietern wie ING Diba und Citibank stellt man in den letzten acht Wochen höhere Zuflüsse auf Tages- und Festgeldkonten als in den Vorjahresmonaten fest. Vor allem Festgelder seien beliebt, sagt ein Sprecher der ING Diba und begründet dies mit der Erwartung am Markt, dass die Europäische Zentralbank den Leitzins kaum noch weiter anzieht.

Dazu passt eine aktuelle repräsentative Umfrage, nach der den Deutschen Sicherheit wesentlich wichtiger als Rendite ist. Wie das Institut TNS Emnid im Auftrag einer Fonds-Vermögensverwaltung ermittelte, gaben dies 57 Prozent der 1 002 Befragten an. Nur zwölf Prozent war ein möglichst hoher Ertrag das Wichtigste.

Anleger machten derzeit nichts falsch, wenn sie ihr Geld auf Tages- und Festgeldkonten parkten, meint Sigrid Herbst vom Finanzdienstleister FMH, der Tages- und Festgeldkonditionen beobachtet. „Aktuell gibt es nirgendwo mehr Ertrag für kurzfristig angelegtes Geld.“ Die Festgeldsätze sind zuletzt noch einmal gestiegen. Knapp die Hälfte der von FMH beobachteten Banken hat ihre Festgeldzinsen für zwölf Monate seit Anfang September erhöht. Im Durchschnitt legten die Sätze um 0,1 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent zu. Das attraktivste Angebot macht die lettische Parex-Bank, die fünf Prozent für Jahresfestgeld zahlt (siehe „Festgeldkonditionen“). Bei der Bank gilt allerdings ein verringerter Einlagenschutz von knapp 20 000 Euro. Verbraucherschützer raten, nur bis zu der Summe anzulegen.

Die Tagesgeldzinsen sind dagegen meist konstant geblieben. In der Spitze bekommen Anleger mehr als fünf Prozent, allerdings nur mit Beschränkungen. So bietet die luxemburgische Advanzia Bank ihre 5,34 Prozent Zinsen nur neuen Kunden online bis zum 30. November an. Da mache es schon mehr Sinn, etwa bei der zweitplatzierten Credit Europe Bank für fünf Prozent anzulegen, betont Herbst mit Blick auf die Einschränkungen für Anleger. Das attraktivste Angebot ohne Bedingungen kommt von der Norisbank mit 4,25 Prozent.

Große Teile des Anlagekapitals sollte man aber nicht längerfristig auf Konten parken, da die Renditen für einen Vermögensaufbau zu gering sind und das Geld zu wenig diversifiziert angelegt wäre. Aktuell könnten Anleger die hohen Barbestände im Depot nutzen, um ihre Anlagestrategie zu überprüfen, sagt Heuser. Generell sollten viele Deutsche ihr Anlagerisiko breiter regional streuen, also weniger stark in der Heimat investieren. Einem Investor mit mittlerer Risikoneigung rät Heuser derzeit zu einem Mix aus Aktien von 45 Prozent, Anleihen von 40 Prozent, Immobilien von zehn Prozent und Liquidität von fünf Prozent.

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