Jens und Jan Ehrhardt im Interview
„Die EZB muss Geld drucken“

Der Euro wird so nicht überleben, meint der erfahrene Vermögensverwalter Jens Ehrhardt. Gemeinsam mit seinem Sohn Jan erklärt er, warum es jetzt die Notenbank richten muss - auch wenn das die Inflation anheizt.
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Handelsblatt: Die erste Frage an den Vater: Sie sind seit vier Jahrzehnten im Geschäft. Wie erleben Sie das derzeitige Chaos an den Märkten?

Jens Ehrhardt: Manche Tage sind frustrierend. Man werkelt herum – und am Ende steht doch ein Minus. Es passieren so extreme Dinge, die können Sie gar nicht ahnen; nehmen Sie die Volksabstimmung in Griechenland, erst versetzt die Ankündigung alle in helle Aufregung, dann wird das Referendum ebenso plötzlich wieder abgesagt.

Handelsblatt: Was muss passieren, um die Lage zu beruhigen?

Jens Ehrhardt: Jetzt ist die EZB gefragt. Sie muss handeln - und das auch offensiv ankündigen. Wir brauchen diese Unterstützung.

Handelsblatt: Das heißt konkret?

Jens Ehrhardt: Die EZB muss Geld drucken und Anleihen der Krisenstaaten in großem Stil aufkaufen. Allein die Ankündigung, dass sie ein bestimmtes Renditeniveau für Italien verteidigt, dürfte an den Märkten etwas bewegen. Mein Sohn meint außerdem, dass die EZB den Leitzins weiter senken muss.

Handelsblatt: Wie bitte?

Jan Ehrhardt: Die Zinssenkung war ein Schritt in die richtige Richtung. Aber das reicht nicht. Die EZB sollte die Leitzinsen schrittweise weiter senken, bis auf nahe null. Das drückt den Euro und fördert den Export in den Peripherieländern.

Handelsblatt: In einer so wichtigen Frage hören Sie auf Ihren Sohn?

Jens Ehrhardt: Wir haben darüber diskutiert. Ich war zunächst skeptisch, weil ich eine solche Geldpolitik nicht für seriös halte. Ich war eher auf der Linie eines Axel Weber. Aber mein Sohn hat mich überzeugt, dass es - wenn man den Euro behalten will - kaum anders geht.

Handelsblatt: Geld drucken, Zinsen senken – damit wird doch nur Zeit gekauft, die Probleme aber bleiben und werden sogar noch größer.

Jens Ehrhardt: Eine gute Lösung ist das nicht, aber unter den schlechten immer noch die beste. Was wäre die Alternative? Wir sind an einem kritischen Punkt. Wenn Sie nichts tun, besteht die Gefahr, dass das Finanzsystem zusammenbricht.

Jan Ehrhardt: Man sollte nicht erwarten, dass man einen Aufschwung bekommt, wenn die Notenbank Geld druckt. Neue Arbeitsplätze entstehen dadurch kaum. Aber zumindest würde es helfen, die Märkte zu beruhigen.

Kommentare zu " Jens und Jan Ehrhardt im Interview: „Die EZB muss Geld drucken“"

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  • vor 90 Jahren wurde schon mal Geld in rauhen Mengen gedruckt, danch hatte dann niemand mehr Geld und die Rentenmark kam. Noch etwas später kam der Führer und bescherte uns die vielen Freunde, die heute alle von uns das beste haben möchten.

  • vor 90 Jahren wurde schon mal Geld in rauhen Mengen gedruckt; danach kam die Renten Mark und der Führer

  • ... man den Euro behalten will - kaum ...
    Man will ihn aber nicht behalten, überhaupt nicht - weg mit dieser Scheiße!

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