Kapitalmarktstratege im Interview
„Viel spricht weiterhin für Aktien“

Was wir derzeit an den Märkten erleben, ist kein Crash sondern nur eine Korrektur, ist Klaus Schrüfer überzeugt. Der Kapitalmarktexperte sieht Aktien weiter positiv. Viel gefährlicher ist die Lage am Anleihemarkt.
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Aktien sind weiter alternativlos, ist Klaus Schrüfer, Kapitalmarktstratege von Santander Asset Management, überzeugt. Er sieht sowohl Dax als auch Euro Stoxx 50 zum Ende des Jahres deutlich höher notieren als heute. Anleger sollten Europa übergewichten, empfiehlt er. Anleihen sieht er eher skeptisch.

Herr Schrüfer, wo sehen Sie den Dax Ende 2014?
Bei 10.500 Punkten. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass Aktien ganz klar die Anlageklasse sind, in die man investieren sollte.

Der Dax hat vergangene Woche fast 500 Punkte verloren, auch diese Woche geht es abwärts. Trotzdem sind Sie so optimistisch?
Die große Mehrzahl der Faktoren, die die Aktienmärkte bestimmen, spricht weiterhin für Aktien. Ich möchte hier nur auf wieder stärker steigende Unternehmensgewinne, die auch bei ersten Zinserhöhungen in den USA nach wie vor sehr expansive Geldpolitik, die hohe Dividendenrendite und den Mangel an Anlagealternativen hinweisen. Zudem sind die Aktien durch die Korrektur wieder etwas günstiger bewertet.

Glauben Sie nicht, dass die Krisen in der Ukraine, dem Irak und Gaza die Börse nachhaltig belasten?
Deutschland spürt natürlich die Sanktionen gegen Russland auf der Nachfrageseite, das ist eine Belastung. Grundsätzlich reagieren die Märkte aber relativ entspannt auf die Krisen, vor allem wenn Sie sich den Öl- und den Goldpreis anschauen. Auch der Dow Jones ist relativ unbeeindruckt, in Europa haben die Aktienmärkte – allen voran der Dax – dagegen deutlicher nachgegeben.

Erwarten Sie eine schnelle Gegenbewegung?
Nein. Hierzu ist die Unsicherheit aktuell zu groß. Zudem befinden wir uns in dem kritischen Börsenmonat August, in dem es auch 2011 die letzte Korrektur gab.

Sind Sie für die europäischen Standardwerte ähnlich optimistisch wie für den Dax?
Ja, der Euro Stoxx 50 dürfte Ende des Jahres laut unserer Prognose bei 3450 Punkten stehen – also gut 400 Punkte höher als heute.

Also erleben wir gerade eher eine Korrektur als einen Crash?
Genau. Das Eine ist, was tatsächlich an den Märkten passiert. Das Andere ist, was uns unser Bauchgefühl sagt. Letzteres ist deutlich schlechter als die tatsächliche Lage. Es mangelt in der derzeitigen Niedrigzinsphase an Alternativen zu Aktien. Auch wenn die Deutschen trotzdem lieber Bundesanleihen kaufen. Ich für meinen Teil tue mich derzeit schwer mit Anleihen.

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