Kleine Werte mit großer Story finden wieder Gehör
Die Rückkehr der Geschichtenerzähler

Sie heißen Wapme, Haitec oder Brainpower. Und die meisten Investoren reagieren zuallererst mit einem ungläubigen „Gibt’s die noch?“, wenn sie solche Namen auf den Programmen der zuletzt so zahlreichen Kleinwerte-Konferenzen sehen.

FRANKFURT/M. Doch klein ist in, gerade nach den immensen Kurszuwächsen der letzten Jahre. Und weil die bekannten Namen ihr Potenzial wohl weitgehend ausgeschöpft haben, geht der Blick der Investoren nun eine Stufe tiefer auf vermeintlich unentdeckte Perlen. Für die Unternehmen ist es häufig nach Jahren mit Verlust und Sanierung wieder der erste Kontakt zur Öffentlichkeit. Für die Anleger ist es dagegen der Mix aus Déjà-vu-Erlebnis, Neugier und der Chance auf ein Schnäppchen.

Bei Konferenzen zuletzt in Frankfurt, München und sogar in Monte Carlo wurde deutschen Klein- und Kleinstwerten jedenfalls „die ultimative Kurschance“ nachgesagt. 460 Teilnehmer zog beispielsweise die „1. General Standard Konferenz“ in Frankfurt an. Selbst beim Ausrichter Deutsche Börse war man ob der Teilnehmerzahl überrascht, hatten doch viele Investoren um dieses Segment noch bei dessen Einführung vor zwei Jahren einen großen Bogen gemacht. „General Standard steht für weniger Regeln. Und weniger Regeln bedeuten weniger Sicherheit“, lautete damals die einfache Rechnung von Fondsmanagern und Anlageberatern. Doch das Blatt hat sich gewendet. Die 33 Unternehmen, die sich an zwei Tagen präsentierten, führten insgesamt weit über 100 Einzelgespräche, so genannte One-on-Ones, mit Investoren. Manch Zuschauer der Szenerie fühlte sich gar an längst vergessene Zeiten erinnert. Wurde doch Kurt Ochner, einst „der Pate des Neuen Marktes“ genannt, umgarnt und hofiert wie in den Jahren 1999 und 2000.

Für die meisten Investoren sind es die Unternehmensstories, die von Turnaround, Restrukturierung und neuen Zukunftsmärkten erzählen, die das Interesse schüren. Beispiel Haitec: Das Münchener IT-Unternehmen notierte noch vor einem Jahr als Penny Stock, die Insolvenz bereits vor Augen. Es folgte ein erneuter Vorstandswechsel und die Strategie, sich von allen umsatzstarken, aber gewinnschwachen Geschäftsbereichen sofort zu trennen. Jochen Furch und Markus Olbrich, die Vorstände Nummer zwölf und 13 seit dem Börsengang im Jahr 1999, bekamen inzwischen deutlich zu spüren, was eine professionelle Präsentation bewirken kann. Drei Auftritte, dabei dreimal überzeugt, ergibt seit Ende April einen Kurszuwachs von knapp 30 Prozent. Wobei das Unternehmen erst am Anfang eines noch langen Umstrukturierungsprozesses steht, wie Vorstandschef Furch zugibt.

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