Kursrally nach 100 Tagen Trump
„Die politische Unsicherheit ist immens“

Nach 100 Tagen im Amt hat US-Präsident Donald Trump politisch wenig umsetzen können. Die Aktienmärkte haben die neue Regierung dennoch gefeiert. Und ein Ende der Kursrally ist nicht in Sicht.
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FrankfurtMit der Hoffnung auf Konjunkturimpulse hat US-Präsident Donald Trump die Aktienmärkte seit den Wahlen im November beflügelt. An diesem Samstag ist die neue Regierung 100 Tage im Amt. Politische Ergebnisse kann sie kaum aufweisen, das Enttäuschungspotenzial für Investoren ist groß. Dennoch rechnen Anlageprofis mit einer Fortsetzung der Kursrally.

„Trump hat eine schwache 100 Tage-Bilanz“, betont Sal. Oppenheim-Chefvolkswirt Martin Moryson bei einem Pressegespräch in Frankfurt. Projekte wie die Gesundheitsreform und Einreisestopps in die USA für bestimmte Menschengruppen sind gescheitert. Der Handelskrieg mit China fällt aus – da das Land nun doch kein Währungsmanipulator ist, wie Trump inzwischen eingeräumt hat. Auch den jüngsten Plan, den Städten, die illegale Einwanderer aufnehmen und mit dem Nötigsten versorgen, den Geldhahn zuzudrehen, konnte er nicht umsetzen.

„Sein größter Fehler ist aber wohl, dass er sich von der Transpazifischen Partnerschaft, kurz TPP, zurückgezogen hat“, meint Moryson. Einer der größten Profiteure davon ist nun China. Das Land wäre geschwächt gewesen, wenn die USA mit Australien, Neuseeland, Singapur, Vietnam und weiteren Ländern ein Handelsabkommen zustande gebracht hätte.

Man müsse jedoch auch einräumen, so Moryson, dass Trump es nicht einfach habe. „Er hat zahlreiche Gegner in den eigenen Reihen: So war die sogenannte Tuesday Group gegen die Abschaffung der Gesundheitsreform Obamacare. Und eine weitere Gruppe, genannt Freedom Caucus, stimmt gegen alles, was den Staat stärkt. Sie lehnt beispielsweise auch höhere Staatsausgaben ab.“

Auch mit seinem Plan, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen, wird Trump daher wohl scheitern. „Dafür fehlt schlichtweg das Geld“, meint Moryson. Sein Versuch, auf Zeit zu spielen, werde wohl scheitern, – wie wahrscheinlich auch weitere Infrastrukturprojekte. Niedrigere Unternehmenssteuern seien zwar ein guter Ansatzpunkt. Für diesen Donnerstag hat Finanzminister Steve Mnuchin weitere Details zur geplanten Steuerreform angekündigt. Demnach sollen die Steuern für US-Unternehmen von 35 Prozent auf 15 Prozent sinken.

„Allerdings fehlt auch hier die Gegenfinanzierung“, moniert Moryson. Eine auch angedachte Grenzausgleichssteuer für Importe in die USA soll es nun wohl nicht geben. Dass sich die Steuerreform durch mehr Wachstum selbst finanziert, gilt als unwahrscheinlich. „So etwas dürfte bei vielen Republikanern und den Demokraten durchfallen und kaum Aussicht auf Erfolg haben“, meint daher auch Analyst Dirk Gojny von der National-Bank in einem aktuellen Kommentar.

Die USA haben laut Ökonom Moryson zwei zentrale Probleme: Die Bevölkerung und auch die Arbeitsproduktivität wachsen ihm zufolge nicht mehr. „Das heißt, das Land bräuchte qualifizierte Zuwanderung. Mit seiner Antiglobalisierungspolitik macht Trump genau das Falsche.“ Dabei zeige die Vergangenheit, dass Protektionismus Wohlstand kostet. „Die politische Unsicherheit ist daher immens“, betont Moryson. Der Global Economic Policy Uncertainty Index notiere so hoch wie in den vergangenen 20 Jahren nicht.

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  • Jawohl, die inneren, wie auch die äußeren Feinde Amerikas haben allen Grund zum Frohlocken. Hatten sie doch tatsächlich den Trumpschen Unternehmungsgeist und seine hehren Absichten weitgehend paralysieren, bzw. in die Clintonsche Richtung hindeichseln können. Ja, was der Hillary so vorschwebte, scheint nun unter Donald - begleitet von wohlwollendem Gesang der Weltmedien - die Wirklichkeit zu werden.
    Innenpolitisch sieht es auch nicht besser aus, da sind die USA an den Rand der Unregierbarkeit gedrängt worden.
    Doch noch ist nicht alle Tage Abend. Doch je mehr Trump gezwungenermaßen in den politischen Sumpf eintritt, um so besser kann er diesen bekämpfen. Die dazu notwendige Elastizität, Hartnäckigkeit sowie Stehaufmännchen-Qualitäten traue ich ihm zu. Ja, und auch seine Wähler wird man nicht so ohne weiteres bezirzen können.

  • Sehr geehrte Frau Schier,

    nichts gegen Interviews mit Bankern. Aber eine Glaskugel haben die nicht. Sie haben nur Meinungen, mit denen sie in der Regel daneben liegen. Darum weigere ich mich, unbesehen alles zu glauben, was die Herrschaften so erzählen.

    Das gilt in ganz besonderem Maße für Ihre Interview-Partner. Bei denen stört mich ungemein, dass sie die Zukunft zu kennen glauben. Oder zumindest so tun. Bei ihren Interview-Partnern gibt es kein "weiß nicht", kein "vielleicht", kein "möglicherweise", kein "denkbar" und kein "könnte". Darum traue ich keinem von ihnen über den Weg.

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