Merrill-Lynch-Umfrage
Großinvestoren werden pessimistischer

So viele internationale Fondsmanager wie nie zuvor halten Aktien für zu teuer. Das zeigt die wichtigste Umfrage unter internationalen Fondsmanagern. Dennoch sehen die Profis kaum Alternativen für die Geldanlage.
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FrankfurtLange Zeit herrschte purer Optimismus unter internationalen Großanlegern. Jetzt scheint sich das Blatt zu wenden. Das jedenfalls legen die Ergebnisse aus der wichtigsten monatlichen Umfrage unter internationalen Fondsmanagern nahe, die regelmäßig von der US-Bank Bank of America Merrill Lynch (BofA) durchgeführt wird.

So erwartet zwar noch die Mehrheit der Investoren in den kommenden zwölf Monaten steigende Firmengewinne und ein anziehendes globales Wirtschaftswachstum. Diese Mehrheit allerdings ist seit Jahresanfang deutlich zusammengeschrumpft. Netto 33 Prozent rechnen demnach noch mit zulegenden Firmengewinnen, das sind so wenige wie zuletzt im November 2015. Netto bedeutet, dass es rund ein Drittel mehr Optimisten als Pessimisten gibt, Anfang des Jahres waren noch netto 58 Prozent optimistisch. Und nur noch netto rund ein Drittel rechnet damit, dass die globale Konjunktur Fahrt aufnimmt. Im Januar waren es noch netto fast zwei Drittel. 

„Die Erwartung der Investoren zu den Firmengewinnen hat eine unheilvolle Wende genommen in diesem Jahr“, mahnt Michael Hartnett, Chef-Anlagestratege bei BofA. Er erkennt in dem Schwenk ein Warnsignal für Aktien gegenüber Bonds, Hochzinstiteln gegenüber hochqualitativen Papieren und den konjunktursensiblen Zyklikern gegenüber defensiven Werten.

Eine weitere Verschlechterung der Einschätzungen dürfte zu Absicherungsgeschäften führen, meint er. Bislang allerdings gaben die meisten Investoren an, ihre Aktienanteile nicht gegen Kursverluste abzusichern. Eine baldige Rezession halten die allermeisten Befragten daher für eher unwahrscheinlich: Netto 53 Prozent der Fondsmanager sagten in der Umfrage, dass eine globale Rezession in den kommenden sechs Monaten für die größte Überraschung wäre. 

Aktien halten inzwischen so viele Fondsmanager wie nie zuvor für zu teuer, nämlich netto 46 Prozent. Aus Mangel an Alternativen gewichtet eine Mehrheit von netto rund einem Drittel die Dividendenpapiere aber noch stärker in den Portfolios als ihre Börsen-Vergleichsindizes. Überteuert finden sie vor allem US- und britische Aktien. Angesichts einer „Angst vor der angelsächsischen Politik“ gewichten die Fondsmanager beide Regionen so niedrig wie zuletzt im Finanzkrisenjahr 2008, hebt BofA hervor.

Noch attraktiv finden sie allerdings Dividendenpapiere aus der Euro-Zone, aus Schwellenländern und Japan. Nach Sektoren betrachtet mögen die Fondsprofis besonders Bank-, Tech- und Pharma-Titel in ihren Fonds, weniger dagegen Versorger und Unternehmen aus der Telekommunikationsbranche. Auch halten die Fondsmanager überdurchschnittlich viel Liquidität: etwa knapp fünf Prozent ihrer Kundenvermögen werden in bar geparkt.

Als größtes Risiko für einen Crash an den Kapitalmärkten fürchten die Investoren einen Fehler in der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank oder der US-Notenbank Fed. Auch das Platzen der Blase am Anleihemarkt und der schwelende politische Konflikt zwischen den USA und Nordkorea bereitet ihnen Kopfzerbrechen.

Die Umfrage wurde zwischen dem 4. und 10. August durchgeführt. Befragt wurden 202 Fondsmanager, die insgesamt ein Vermögen von 587 Milliarden US-Dollar managen.   

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