Musterdepots
Chaotische Kommunikationspolitik der Fed

Anleger dürfen auf die wechselnden Äußerungen von US-Notenbankern über die künftige Zinspolitik nicht allzu viel geben, meint Handelsblatt-Redakteur Georgios Kokologiannis. Besser ist es, sich selbst eine Meinung zu bilden.

FrankfurtNachdem der US-Notenbanker William Dudley diese Woche laut über eine Zinserhöhung im September nachgedacht hat, ist die Euphorie an den Aktienmärkten vorerst verflogen. Denn bisher erwarteten die meisten Investoren frühestens zum Jahresende einen weiteren Zinsschritt nach oben – nach den Präsidentschaftswahlen in den USA. Doch Dudley behauptet nun, der Urnengang im November spiele für die Geldpolitik keine Rolle.

Verlassen sollten sich Anleger aber besser nicht darauf. Denn das Verwirrspiel um die künftige Geldpolitik der US-Zentralbank Fed unter der Ägide ihrer Chefin Janett Yellen wird munter weitergehen. Erfahrungsgemäß dürfte sich schon bald ein US-Währungshüter melden, der Dudley widersprechen wird. Einmal hü und einmal hott scheint das Motto der Fed zu lauten.

Besonders eindrücklich war dies zuletzt etwa im Vorfeld des Brexit-Referendum im Juni zu beobachten: Kurz nachdem damals gleich mehrere Ratsmitglieder betont hatten, das Thema „Brexit“ werde angeblich keine Auswirkungen auf die nächste Zinsentscheidung der Fed haben, behauptete ein anderer US-Währungshüter das Gegenteil: Die weltweit bedeutendste Notenbank würde sehr wohl die Möglichkeit eines Austritts Großbritanniens aus der EU berücksichtigen.

Ob hinter diesem chaotischen Kommunikationsverhalten Kalkül oder schlicht Unvermögen steckt, werden Anleger wohl nie erfahren. Klarheit über die weitere Zinspolitik und weniger Nervosität an den Börsen wird so jedenfalls nicht geschaffen. Investoren bleibt nichts anderes übrig, als sich verlässlichere Erkenntnisquellen zu suchen – und danach zu entscheiden wie sie sich bis zum Fed-Zinsentscheid im kommenden Monat positionieren möchten.

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