Musterdepots
Die Dopingärzte von der EZB

Ausgerechnet die Europäische Zentralbank warnt jetzt vor der Gefahr von Spekulationsblasen an den Börsen. Grotesk, findet Georgios Kokologiannis. Schließlich ist es die Notenbank selbst, die die Kurse treibt.
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Es ist, als empörte sich der Dopingarzt über die unschönen Nebenwirkungen seiner Amphetamin-Kur – und zwar mit aufgezogener Spritze in der Hand: Ausgerechnet die Europäische Zentralbank warnt jetzt vor der Gefahr von Spekulationsblasen an den Börsen. Grotesk – gilt doch in erster Linie die ultralaxe Geldpolitik der Notenbanken rund um den Globus als Hauptgrund für die Endlos-Rally an den Kapitalmärkten – und den schier unstillbaren Risikoappetit der Anleger.

Internationale Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17,5 seien zwar alles andere als billig, meint man jetzt beispielsweise bei Axa Investment Managers. Die Anlagestrategen räumen ein, dass die Gewinnerholung der Unternehmen „der jüngsten Marktdynamik“ hinterherhinke und dadurch die Unsicherheit an den Börsen zunehme. Solange das Zinsumfeld „günstig“ bleibe, sei dies dennoch kein Hindernis für weitere Erträge, so die Anlagestrategen.

Und schon für Anfang Juni hat EZB-Chef Mario Draghi weitere Stimuli in Aussicht gestellt. Mittlerweile gehen die meisten Investoren fest davon aus, dass auf der Ratssitzung der Zentralbank am kommenden Donnerstag mindestens die nächste Leitzinssenkung beschlossen wird. Viele rechnen darüber hinaus mit weiteren Maßnahmen – wie etwa einem negativen Zinssatz für Einlagen der Geschäftsbanken bei der Zentralbank. Auch das soll Liquidität freisetzen, die eigentlich die lahmende Realwirtschaft der Euro-Zone ankurbeln soll. Spekulanten wetten jedoch darauf, dass davon einmal mehr vor allem die Anlagemärkte profitieren werden. Das ist der maßgebliche Treiber dafür, dass der Dax in den vergangenen Tagen die 10.000er-Marke ins Visier genommen hat.

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