Musterdepots
Die Letzten werden die Ersten sein

Für das schwierige Börsenjahr 2016 macht Depotstratege Daniel Hupfer eine äußerst interessante Beobachtung: Gerade die schlechten Performer laufen am besten. Welche Umstände dafür sorgen und was man davon halten sollte.

Der Einstieg in das Aktienjahr 2016 kann als klassischer Fehlstart bezeichnet werden. Sorgen um China und die Angst vor einem Abgleiten der Weltwirtschaft in eine neue Rezession führten dazu, dass entgegen typischer saisonaler Muster schon im Januar heftige Rückgänge an den Aktienmärkten zu beobachtet waren. In der Spitze verlor beispielsweise der breite europäische Aktienindex Euro-Stoxx-600 etwa 17 Prozent. In der zweiten Hälfte des ersten Quartals kam es zwar zu einer Beruhigung an den Börsen, jedoch liegen die breiten Indizes aktuell weiterhin deutlich hinter ihren Jahreseinstandswerten.

Abseits der breiten, marktkapitalisierungsgewichteten Indizes gibt es aber durchaus Aktien, die nicht nur ihren Index schlagen konnten, sondern auch seit Jahresbeginn eine positive Performance aufweisen. Betrachtet man diese Aktien etwas genauer fällt ein gemeinsamer Nenner auf: die niedrige Bewertung.

Anscheinend konnten in einem Umfeld, das seit Mitte Februar von sich stabilisierenden Rohstoffpreisen, einer zurückhaltenden amerikanischen und einer noch expansiver werdenden europäischen Zentralbank gekennzeichnet ist, vor allem Unternehmen profitieren, die eher weniger solide Geschäftsmodelle aufweisen.

Hätte man am 31.12.2015 ein gleichgewichtetes Portfolio mit den zu dem Zeitpunkt 100 am schlechtesten bewerteten Aktien aus dem STOXX 600 erworben, so läge man aktuell 5,5 Prozent, am 29. April sogar 8,2 Prozent, vor dem breiten Index. Das diesem Portfolio viele Unternehmen aus dem Banken- und Energiesektor angehören ist nicht weiter verwunderlich. Jedoch haben Anfang März die Spekulationen um eine offensivere Gangart der EZB-Geldpolitik und dann schließlich deren Bekanntgabe den Kurs dieser Unternehmen geradezu beflügelt.

Die Frage ist allerdings wie lange dieser Trend noch anhalten wird. Wir sind der Meinung, dass es sich bei diesem Phänomen um eine durch die EZB induzierte Übertreibung handelt und dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis eine Mean-Reversion einsetzten wird.

Die konjunkturelle Lage hat sich in den letzten Wochen weiter entspannt und auch die aktuellen Sonderthemen, wie beispielsweise das Brexit-Votum oder der Visa-Deal mit der Türkei, sprechen nicht unbedingt dafür, Aktien mit einer niedrigen Bewertung zu erwerben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%